Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Pressemitteilungen : 02.11.2011

Tagung "Wandmalereien in Krypten, Grotten, Katakomben. Zur Konservierung gefasster Oberflächen in umweltgeschädigten Räumen."

"Wallpaintings in Crypts, Grottoes and Catacombs. Strategies for the Conservation of Coated Surfaces in Damp Environments."

Die nachfolgende Pressemitteilung erhalten Sie hier auch als PDF zum Download.

Es entspricht einer nun schon lange gepflegten Tradition, dass das Deutsche Nationalkomitee von ICOMOS mit seinen internationalen Fachtagungen bevorzugt in deutschen Welterbestätten zu Gast ist. Dies geschieht aus der Überzeugung heraus, dass das preventive monitoring, um das ICOMOS sich zur frühzeitigen Konfliktvermeidung bemüht, immer wieder auch durch spezifische fachliche Impulse flankiert werden muss, um auf der Höhe kunsttechnologischer Forschung aktuelle Antworten auf drängende konservatorische Probleme zu finden.

Mit der am 3. November beginnenden Veranstaltung wurde nun endlich auch der Weg nach Quedlinburg gefunden, das mit seinem reichen historischen Erbe naturgemäß seit vielen Jahren ganz besonders im Fokus denkmalpflegerischer Anstrengungen in Deutschland steht. Ermöglicht wurde dies durch das großzügige Entgegenkommen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie
Sachsen-Anhalt, das in engagiertem Einsatz den Löwenanteil der organisatorischen Vorbereitung übernommen hat.

Die Wahl des Tagungsorts fiel um so leichter, als mit den Wandmalereien in der Krypta der Stiftskirche nicht nur ein herausragendes Denkmal romanischer Monumentalmalerei in Mitteldeutschland auf der Tagesordnung steht, sondern zugleich ein langjähriger und nicht immer gut behandelter Patient vorgestellt werden kann, zu dessen Genesung in den vergangenen Jahren weitreichende
und vielversprechende Lösungsansätze gewonnen werden konnten. Diese verdanken sich ganz wesentlich dem Einsatz der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, die sich damit als dritter Projektpartner für diese Tagung empfahl.
In methodischer Hinsicht versteht sich die Tagung durchaus auch als ein Anknüpfen an die ICOMOS-Tagung von 2004, die unter dem Titel „Klimastabiliserung und bauphysikalische Konzepte“ auf der Insel Reichenau stattgefunden hat und 2005 publiziert wurde. Wie damals geht es uns bei der Wahl der vorgestellten Probleme und Lösungen in erster Linie um Wege zur Nachhaltigkeit denkmalpflegerischen Handelns, die wir primär, aber nicht ausschließlich, an Objekten untersuchen, die zum UNESCO-Welterbe der Menschheit gehören und in besonderer Weise dem Engagement von ICOMOS anempfohlen sind. Manche Fragestellung von 2004 kann inzwischen mit neuen Impulsen und Forschungsergebnissen wieder aufgegriffen werden, andere Themen, wie etwa die höchst
komplexe und kummervolle Situation der Wand- und Deckenmalereien in den Grotten von Lascaux, konnten damals noch nicht öffentlich präsentiert werden.
An vielen Welterbestätten geht es natürlich um wesentlich banalere Anliegen beim präventiven Schutz der Denkmäler, und in den Krisengebieten der Welt sind es ganz andere Sorgen, denen sich ICOMOS stellen muss. Darauf wird u.a. mit der ICOMOS Reihe Heritage at Risk reagiert, die inzwischen ein beachtliches Medienecho findet und in manchen Ländern, in denen es kaum Strukturen
staatlicher Denkmalpflege gibt, doch wichtige Resultate ermöglicht.
An spezifische Forschungen zu drängenden Problemen der Konservierungswissenschaft ist in vielen Ländern unter solchen Bedingungen naturgemäß gar nicht zu denken. Gerade deshalb erscheint es uns sinnvoll, solche Foren für übernationalen fachlichen Diskurs und die Weitergabe von Erfahrungen anzubieten. Mit der Verteilung unserer Tagungspublikationen an die weltweit mittlerweile rund 100 Nationalkomitees von ICOMOS leistet das Deutsche Nationalkomitee einen viel beachteten Impuls zu Austausch und Wissenstransfer. Um den höchst unterschiedlichen Bedürfnissen und dem breiten Kompetenzspektrum unserer Partner gerecht zu werden, wurde der Ansatz denn auch erneut bewusst interdisziplinär gewählt: Restauratoren, Denkmalpfleger, Bauphysiker, Materialkundler und Mikrobiologen haben in den letzten Jahren an verschiedensten Objekten und an Beispielen aus unterschiedlichen Gattungen Untersuchungs- und Kontrollmethoden entwickelt, die einen sinnvollen und wirksamen Umgang mit den divergierenden Aspekten der hier diskutierten Probleme versprechen.
Dabei kommen sowohl Fallbeispiele aus dem Bereich der Bau- und Kunstdenkmalpflege als auch solche aus dem archäologischen Arbeitsfeld zur Sprache. Die drei Projektpartner, die hier in Quedlinburg gemeinsam tätig geworden sind, werden durch drei Mitglieder des Deutsche Nationalkomitees von ICOMOS vertreten, auf deren Initiative Idee und Durchführung der Veranstaltung zurückgehen: Frau Dr. Elisabeth Rüber-Schütte vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Herr Prof. Thomas Danzl von der Hochschule für Bildende Künste in Dresden und Herr Dr. Matthias Exner vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, der für die Münchner Geschäftsstelle von ICOMOS tätig geworden ist. Die Veranstalter danken den zwei hauptsächlichen Sponsoren, dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, ohne deren Förderung das Projekt nicht durchführbar sein wird.
Die Tagung soll, auf der Grundlage der Referate und des reichen Erfahrungsschatzes der Referenten und Teilnehmer, einen Beitrag zur praktischen Umsetzung von Problemlösungsansätzen bei der Konservierung gefasster Oberflächen in umweltgeschädigten Räumen im Denkmalschutz leisten.
Eine Publikation der Ergebnisse der Tagung ist vorgesehen.