Größte archäologische Fachbibliothek in den neuen Bundesländern wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
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Nach etwa 1 ½ Jahren Bauzeit hat die archäologische Teilbibliothek des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine neue und endgültige Bleibe. Bislang war die Bibliothek in Teilen in den Verwaltungsräumen des LDA untergebracht. Der Staatssekretär im Kultusministerium Dr. Jan Hofmann übergab am heutigen Donnerstag im Rahmen einer kleinen Feierstunde das mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II renovierte und umgebaute ehemalige Untersuchungsgefängnis im Innenhof der Kleinen Steinstraße 7 in Halle der Öffentlichkeit. Die Bibliothek ist mit mehr als 120.000 Bänden die größte archäologische Fachbibliothek in den neuen Bundesländern und die drittgrößte in der Bundesrepublik. Mit 2130 Regalmetern bietet sie auch noch Platzreserven für die nächsten Jahre. Sammelschwerpunkt ist die Vor- und Frühgeschichte Europas, insbesondere Mitteldeutschlands.
Es wird aber auch Literatur zur weltweiten Archäologie und naturwissenschaftlichen Themenbereichen geführt. Das älteste Buch – eine Ausgabe der Naturgeschichte des römischen Schriftsteller Plinius d. Ä. – stammt aus dem Jahr 1535. Mit der Umnutzung des ehemaligen Untersuchungsgefängnisses wurde für die bislang leerstehende Immobilie ein neuer sinnvoller Verwendungszweck gefunden. Der Bau wurde ursprünglich als Geschäftshaus des Inquisitoriats errichtet, Vorläufer der seit 1851 in Preußen eingeführten Staatsanwaltschaften. Seit dem Jahr 1910 befand sich darin ein »Weibergefängnis« und seit der Kaiserzeit bis nach dem Mauerfall diente der Bau allgemein als Strafvollzugsanstalt und als Untersuchungsgefängnis.
Während des Volksaufstandes 1953 waren in der Strafvollzugsanstalt vorrangig Untersuchungsgefangene und verurteilte Frauen untergebracht, die in andere Gefängnisse transportiert werden sollten. Am 17. Juni versammelten sich Teile der Bevölkerung vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft und stürmten wenig später das daneben befindliche Gefängnis. Der Gefängnisleiter ließ daraufhin zunächst einige Insassen und schließlich alle Gefangenen frei. Nicht zuletzt wegen der Befreiung der politischen Häftlinge hat der Bau daher auch hohe denkmalpflegerische Bedeutung als Mahnmal. Aus diesem Grunde wurden bei der behutsamen Umgestaltung zum Bibliotheksgebäude durch die Architekten Dietzsch und Weber, durchgeführt durch den Landesbetrieb Bau, Niederlassung Süd, auch einige Elemente, wie die Dunkelzelle im Keller, erhalten.
Die Bibliothek bietet ca. 40 Arbeitsplätze und steht als öffentliche Bibliothek nicht nur
den Mitarbeitern des Landesamtes zur Verfügung.
Anschrift: Kleine Steinstraße 7 (Innenhof), 06108 Halle (Saale)
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do 8–15.30 Uhr; Mi 8–18 Uhr, Fr 8–14 Uhr
