Präsentation eines Herzstücks der kommenden Landesausstellung »Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv«: Das Korkmodell der Casa del Menandro
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Pressefotos können bei Frau Dr. Stoll-Tucker bezogen werden: bstolltucker[at]lda.mk.sachsen-anhalt.de oder Tel. 0345 / 52 47 -320.
Am Freitag, den 9. Dezember 2012, öffnet die große Landesausstellung »Pompeji - Nola -
Herculaneum. Katastrophen am Vesuv« im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle ihre Pforten. Noch bevor es soweit ist, wurde heute im Landesmuseum eine der zentralen Installationen der Ausstellung präsentiert: Das Korkmodell der pompejanischen Casa del Menandro, das durch seine qualitätvolle Fertigung und Detailtreue beeindruckt.
Einer der zentralen Aspekte der Ausstellung ist die Darstellung des Alltagslebens in der antiken Stadt Pompeji, die, am Fuße des Vulkans gelegen, durch den Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 n. Chr. verschüttet wurde. Erstmals entschied man sich dafür, kein ideales »pompejanisches« Haus zu zeigen, sondern sich an einen tatsächlich ausgegrabenen Komplex zu halten und mit Hilfe des vollständigen erhaltenen Inventars einen ausgewählten Haushalt in seiner noch nie gezeigten Fülle wieder auferstehen zu lassen. So bildet das sog. Haus des Menander, eines der größten repräsentativen Stadthäuser Pompejis, benannt nach einer den antiken Dichter Menander zeigenden Wandmalerei, einen Kernpunkt der kommenden Ausstellung.
Im Zentrum des der Casa del Menandro gewidmeten Raums steht das Korkmodell, das eigens für die Landesausstellung von dem Kölner Phelloplastiker Dieter Cöllen geschaffen wurde. In beeindruckender Detailgenauigkeit zeigt es die Insula des Menander, den an vier Seiten von Straßen gerahmten Häuserblock, dessen Zentrum und weitaus größten Teil das Haus des Menander bildet. Das Modell zeigt den derzeitigen, teils rekonstruierten Zustand des Hauses, jedoch ohne die Überdachung, mit der das Original in Pompeji heute versehen ist. So ist es dem Betrachter möglich, den Grundriss und die Ausstattung des Hauses unmittelbar nachzuvollziehen. Detailgetreu nachgebildet sind nicht nur die Reste des Mauerwerks, sondern auch die prachtvollen Wandmalereien und Mosaiken in den repräsentativen Räumen des Hauses. Unmittelbar begreiflich wird anhand des Modells die Aufteilung des Hauses in verschiedene Funktionsbereiche: Der repräsentative Trakt mit seinen dekorierten Wänden und Böden sowie einem von Säulen umgebenen Garten im Zentrum wird durch zwei lange, schmale, sicher dunkle Korridore von den Wirtschaftstrakten getrennt. Auch die Beschaffenheit des Geländes – im Süden fällt das Gelände stark ab und musste daher bereits in der Antike terrassiert und abgestützt werden – wird im Modell deutlich. Die Bereiche, die die Casa del Menandro im Nordosten und Südwesten der Insula flankieren, werden jedoch im Modell nur angedeutet: Aus diesen Bereichen werden in der Ausstellung keine Funde gezeigt. Wirklichkeitsgetreu verdeutlicht werden allerdings die den Häuserblock rahmenden Straßen mit ihrer Pflasterung, Trittsteinen sowie einem öffentlichen Brunnen.
Der naturgetreue Eindruck des Modells wird in ganz erheblicher Weise durch die Materialeigenschaften des Werkstoffs Kork hervorgerufen. Wie kein anderes Material ermöglicht es, die Farbe und Oberflächenstruktur der Ruinen nachzuahmen und ihren Erhaltungszustand
darzustellen. In idealer Weise kann es daneben auch mit anderen Materialen wie Gips oder Holz verbunden werden, um Ausstattungselemente, wie etwa Wandmalereien oder Steinsäulen wiederzugeben. Nicht umsonst entwickelten bereits die Reisenden des 18. Jahrhunderts, die mit Begeisterung die Ruinen antiker Städte wie Pompeji oder Rom erkundeten, ein Faible für Modelle aus Kork als Andenken an ihre Reisen und Objekt der Gelehrsamkeit.
Diese Tradition wurde von dem Phelloplastiker Dieter Cöllen (Köln) in den 8oer Jahren des 20. Jhs. wieder entdeckt und seither neu belebt. Der auf antike und historische Bauten spezialisierte Künstler schuf auch das Modell der Casa del Menandro auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Dem Besucher der Ausstellung ermöglicht sein Werk in einmaliger Weise, ein pompejanisches Stadthaus unmittelbar und aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zu erleben und die Objekte in den Vitrinen in ihren originalen räumlichen Kontext zu stellen.
