Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Pressemitteilungen : 27.10.2016

Luther war hier

Anbringung einer Plakette am Museum für Stadtgeschichte Dessau im Johannbau sowie an der St. Marienkirche Dessau

Die folgende Pressemitteilung steht Ihnen hier als pdf zum Download zur Verfügung.

Das Projekt »Luther war hier«, ein Kooperationsprojekt des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, vernetzt über 60 Orte in Sachsen-Anhalt, an denen sich Martin Luther tatsächlich aufgehalten hat oder mit denen sich Luther-Legenden verbinden. Die Orte werden einheitlich mit Metall-Plaketten gekennzeichnet, die einen QR-Code tragen. Über ihn lässt sich eine mobile Internetseite öffnen, die Informationen zum jeweiligen Bauwerk und Ereignis bereithält, ergänzt durch Bilder, Zitate und Quellentexte. Die Tourismus-Route wird ständig erweitert.

Mit Dessau wird eine Stadt in das Projekt aufgenommen, in der sich die von Wittenberg ausgehende Reformation im Vergleich zu anderen Städten Anhalts erst relativ spät durchsetzen konnte. Zerbst beispielsweise war schon 1522 zur evangelischen Lehre übergetreten, Köthen und Bernburg folgten 1525/26. In Dessau dauerte dies bis zum Jahr 1534. Grund dafür war die Rücksicht, die die drei Fürstensöhne Johann (1504-1551), Georg (1507-1553) und Joachim (1509-1561) auf ihre altgläubig gebliebene Mutter nahmen. Fürstin Margarete (1473-1530) hatte nach dem Tod ihres Mannes, dem seit 1474 im Dessauischen Landesteil herrschenden Fürsten Ernst von Anhalt, ab 1516 gemeinsam mit Kardinal Albrecht, Kurfürst Joachim von Brandenburg und Herzog Georg von Sachsen die vormundschaftliche Regentschaft für ihre drei Söhne übernommen. Erst nach dem Tod ihrer Mutter 1530 wandten sich die drei Brüder offen der Reformation zu. Sie entließen 1532 ihren katholischen Hofprediger und beriefen auf Empfehlung Luthers Nikolaus Hausmann (1479-1538) zum evangelischen Pfarrer der Marienkirche, die seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts Stadtpfarrkirche als auch Hof- und Schlosskirche war. Hausmann stammte aus dem sächsischen Freiberg. Er hatte in Leipzig Theologie studiert und war zuvor als Prediger in Schneeberg und Zwickau tätig gewesen, wo er mit Vorsicht und Bedacht die evangelische Lehre eingeführte. Luther nannte Hausmann »ein treu Herz und sittig Mann, der Gottes Wort fein still und züchtig lehret und lieb hat…« Am 2. April 1534 wurde der Gemeinde das Abendmahl erstmals in beiderlei Gestalt gereicht und damit offiziell die Reformation im Fürstentum eingeführt.

Luther pflegte nicht nur engen brieflichen Kontakt zu den anhaltischen Fürsten, er hielt sich auch mehrmals persönlich in Dessau auf. Sein längster Aufenthalt datiert in den Sommer 1534, als ihn der unter Schwermut leidende Fürst Joachim um Zuspruch bat. Zwischen Juni und August weilte Luther für mehrere Wochen im Schloss. Bei dieser Gelegenheit predigte der Reformator vier Mal in der Marienkirche. Auch für die Jahre 1540 und 1542 sind Predigten belegbar.    

Das Dessauer Residenzschlosses und die St. Marienkirche als authentische Orte des Geschehens sind beim Luftangriff auf Dessau am 7. März 1945 fast vollständig zerstört worden. Der Wiederaufbau bzw. die Rekonstruktion ihrer äußeren Hüllen begann nach 1990. Vom einst vierflügeligen Dessauer Schloss hat sich nur der zwischen 1529 und 1533 erbaute Westflügel, der so genannte Johannbau, erhalten. Er beherbergt seit 2005 das Museum für Stadtgeschichte Dessau; die 1506 begonnene und 1554 fertig gestellte St. Marienkirche wird heute als städtischer Veranstaltungsort genutzt.

Projektwebseite:
www.luther-erleben.de/luther-war-hier

 

Kontakt:

Dr. Alfred Reichenberger
Tel. 0345/ 52 47 -312
Mail: areichenberger(at)lda.stk.sachsen-anhalt.de
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