Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Pressemitteilungen : 23.11.2016

"Alchemie - Die Suche nach dem Weltgeheimnis"

Eröffnung der Sonderausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

23.11.2016

Die folgende Pressemitteilung steht Ihnen hier als pdf zum Download zur Verfügung.

Bei archäologischen Ausgrabungen an der nördlichen Außenwand der ehemaligen Franziskanerkirche in Wittenberg gelang im Jahr 2012 ein sensationeller Fund, den das Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zum Anlass für eine Sonderausstellung rund um das Thema »Alchemie« nimmt: Im Mittelpunkt der Schau, die vom 25. November 2016 bis zum 5. Juni 2017 gezeigt wird, steht der bislang größte Fund alchemistischer Gerätschaften des 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen. Neben zahlreichen Objekten aus dem Fundus des Landesmuseums stellen dafür über 30 europäische Museen, Archive und Sammlungen ihre Schätze zur Verfügung. Auf ca. 500 m² Ausstellungsfläche werden ca. 150 Exponate und Exponatgruppen präsentiert. Gefördert wird die Ausstellung vom Land Sachsen-Anhalt und dem Verein zur Förderung des Landesmuseums für Vorgeschichte e.V.

Das in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild des Alchemisten ist geprägt von der Vorstellung des Schwarzmagiers und Goldmachers, der in häufig betrügerischer Absicht seinen geheimen Machenschaften nachgeht. Die Zeitgenossen der Renaissance sahen dies keineswegs so. Viele Fürsten hielten sich eigene Alchemisten am Hofe oder betrieben sogar selbst alchemische Forschungen. Die Alchemisten des Mittelalters und der Neuzeit waren vom Drang nach Wissen und Erkenntnis beseelt und hofften mit dem Stein der Weisen, den sie vergeblich suchten, Macht, Wohlstand und Gesundheit zu erlangen – ein Versprechen, das die moderne Chemie in gleicher Weise immer noch gibt.

Darstellungen alchemischer Gerätschaften und Laboratorien aus dem 16. Jahrhundert sind in nicht unerheblicher Zahl bekannt. Dingliche Hinterlassenschaften sind jedoch äußerst selten. Der Wittenberger Fund füllt diese Lücke in erfreulichem Maße. Zahlreiche Retorten, Destilliergefäße, Dreieckstiegel und anderes mehr geben einen unmittelbaren Eindruck von den Geräten eines Alchemisten. Darüber hinaus erlauben die anhaftenden erhaltenen Substanzreste genaue Aussagen über Tätigkeiten dieser frühen Wissenschaftler. In Wittenberg wurden in erster Linie Pharmazeutika auf Antimon- und Quecksilberbasis hergestellt. Dies passt gut zu den erhaltenen und ebenfalls in der Ausstellung präsentierten frühen medizinischen Befunden aus dem Bereich der Franziskanerkirche. So fanden sich dort frühe Fälle der im 16. Jahrhundert in der Stadt grassierenden Syphilis. Als Medikament gegen diese gefürchtete Krankheit dienten Quecksilberverbindungen, die auch im Wittenberger Labor hergestellt wurden. Einen Zusammenhang mit der 1502 gegründeten Wittenberger Universität Leucorea zeigen zwei frühe Fälle von Schädelsektionen, die bislang nur aus archivalischen Quellen, nun aber auch im archäologischen Befund nachweisbar sind.

In Filmen werden Experimente und chemische Reaktionen gezeigt, die die Vorgehensweise der Wittenberger Alchemisten nachstellen. Aber auch die Herstellung des »Steins der Weisen« wird gezeigt: sie basiert auf der modernen chemischen Analyse eines in einem Archiv in Wernigerode entdeckten, angeblichen Steins der Weisen. Auch dieses Original vom Ende des 16. Jahrhundert wird erstmals in einer Ausstellung gezeigt.

Anhand ausgewählter Biographen verfolgt die Schau schließlich den Weg von der Alchemie zur modernen Chemie, deren Suche nach dem, »was die Welt im Innersten zusammenhält«, bis zum heutigen Tage andauert und etwa im CERN erforscht wird. Das Streben der modernen Naturwissenschaften gilt dabei immer noch denselben Sehnsüchten wie zur Zeit der Renaissance: Unbegrenzten Wohlstand zu schaffen und Menschen ein langes, gesundes und beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

 

Zur Sonderausstellung erscheinen zwei Begleitpublikationen. Sie sind im Shop des Landesmuseums und im Buchhandel erhältlich:

Harald Meller/Alfred Reichenberger/Christian-Heinrich Wunderlich (Hrsg.): Alchemie. Die Suche nach dem Weltgeheimnis.

Begleithefte zu Sonderausstellungen im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, Bd. 5, Halle (Saale) 2016, ISBN 978-3-944507-49-1, 132 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Format: 13 x 21 cm, Klappenbroschur, Verkaufspreis: 11 EUR.

sowie

Harald Meller/Alfred Reichenberger/Christian-Heinrich Wunderlich (Hrsg.): Alchemie und Wissenschaft des 16. Jahrhunderts. Fallstudien aus Wittenberg und vergleichbare Befunde, Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, Bd. 15, Halle (Saale) 2016, ISBN 978-3-944507-48-4, 404 Seiten, durchgehend farbig bebildert, Format: 21,0 x 29,7 cm, Hardcover, Verkaufspreis: 49 EUR.

 

Öffnungszeiten:

Di-Fr 9-17 Uhr

Sa, So, Feiertage 10-18 Uhr

Mo nach Voranmeldung

24. und 31.12.2016 geschlossen

 

Darüber hinaus bietet das Landesmuseum für Vorgeschichte ein umfängliches Begleitprogramm an. Dazu gehören eine Vortragsreihe, ebenso wie zahlreiche Angebote für Schulkassen, Familien u.a. Nähere Informationen finden Sie unter:

www.landesmuseum-alchemie.de

Kontakt:

Dr. Alfred Reichenberger, LDA
Tel. 0345 / 52 47 -312
areichenberger@lda.stk.sachsen-anhalt.de

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Sachsen-Anhalt –
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Richard-Wagner-Str. 9
o6114 Halle (Saale)
www.lda-lsa.de