Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Pressemitteilungen : 30.05.2017

Unterzeichnung der LEADER-Kooperationsvereinbarung »Mittelalterliche Wandmalereien« und Vorstellung des Projektes

Die Kirche von Audorf. © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Foto: Torsten Arnold.

Die folgende Pressemitteilung steht Ihnen hier als PDF zum Download zur Verfügung.

In kaum einer anderen Region Deutschlands hat sich eine derart hohe Dichte an mittelalterlichen Ausstattungen in Kirchenräumen erhalten wie in der Altmark. Den bildnerischen und künstlerischen Reichtum dieser Region im Mittelalter verdeutlicht beispielhaft die kleine Dorfkirche von Audorf, in der heute die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet wurde.

Gegenstand dieser Vereinbarung sind die »Mittelalterlichen Wandmalereien in altmärkischen Kirchen«. Wandmalereien sind integraler Bestandteil der Architektur, denn sie gestalten deren Oberfläche und prägen das historische Erscheinungsbild in besonderer Weise. Mit ihren figürlichen und ornamentalen großflächigen Darstellungen sind sie überdies Teil des Bildprogrammes eines Innenraumes. Der hohen Bedeutung von Wandmalerei steht deren schlechte Überlieferungslage gegenüber, denn in der Regel sind sie selten erhalten und zählen insgesamt zu den Kunstgattungen mit den häufigsten und stärksten Verlusten.

Anders zeigt sich dies jedoch in der Altmark. Hier hat sich die Wandmalerei in einer Vielzahl erhalten, die selbst im europäischen Vergleich herausragt. In 68 innerstädtischen oder dörflichen Pfarr-, Kloster- und Stiftskirchen sind Wandbilder aus romanischer und gotischer Zeit sichtbar überliefert. Das Spektrum reicht von graffitigleichen Strichzeichnungen rätselhafter Bedeutung bis hin zu einer umfangreichen und komplexen bildnerischen Ausgestaltung von höchster künstlerischer und technischer Qualität. In den hier nahezu authentisch überkommenen Kirchenräumen wird für den Betrachter das Mittelalter erlebbar, und er gewinnt einen Eindruck von der großen geschichtlichen Bedeutung der Altmark.

Seit vielen Jahren setzt sich das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt für die Erfassung und Bewahrung dieses umfangreichen Wandmalereibestandes ein. Neben einer ersten systematischen Erfassung wurden einzelne Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, teilweise in Kooperation mit unterschiedlichen Hochschulen, iniitiert und denkmalfachlich begleitet.

Der umfangreiche mittelalterliche Wandmalereibestand der Altmark soll nunmehr in seiner Gesamtheit wissenschaftlich erschlossen und in seiner Bedeutung der Öffentlichkeit vermittelt werden. Zu diesem Zwecke wird im Rahmen des Europäischen LEADER-Prozesses das gebietsübergreifende Kooperationsprojekt »Mittelalterliche Wandmalereien in altmärkischen Kirchen« beantragt. Grundlage für die Beantragung von Zuwendungen aus der vom Ministerium der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt verantworteten Richtlinie LEADER/CLLD ist die Kooperationsvereinbarung, die heute Matthias Heinrich (Superintendent des Kirchenkreises Salzwedel), Michael Kleemann (Superintendent des Kirchenkreises Stendal), Verena Schlüsselburg (Lokale Aktionsgruppe Mittlere Altmark), Andreas Brohm (Lokale Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe) und Dr. Alfred Reichenberger (Stellvertretender Landesarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt) unterzeichneten. Das LDA unterstützt die Kooperation als Projektpartner und fachwissenschaftlicher Leiter.

Aufbauend auf vorhandene restauratorische Voruntersuchungen werden in dem beabsichtigten Kooperationsprojekt die altmärkischen mittelalterlichen Wandmalereien aus historischer, bau-, kunst- und restaurierungsgeschichtlicher sowie kunsttechnologischer Sicht erforscht. Die von den unterschiedlichen Fachdisziplinen gewonnenen Erkenntnisse werden in Einzelbeiträgen zur altmärkischen Wandmalerei und den Kirchen zusammengefasst. Für einen wissenschaftlichen Austausch sind zwei Fachkolloquien vorgesehen.

Ein ebenso wichtiger Teil des Vorhabens ist die Denkmalvermittlung und die Öffentlichkeitsarbeit. Das Projekt und die Ergebnisse der unterschiedlichen Untersuchungen werden in Ortsgesprächen, Vorträgen, einem Workshop und im Internet bekannt gemacht und abschließend in einer Wanderausstellung und einem Begleitheft den Gemeinden sowie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Das Kooperationsprojekt ist das erste seiner Art in Sachsen-Anhalt und wird von allen Beteiligten gleichermaßen mit großem Engagement getragen.

 

Kontakt:

Dr. Alfred Reichenberger
Tel. 0345 / 52 47 -312
areichenberger(at)lda.stk.sachsen-anhalt.de

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