Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Pressemitteilungen : 12.06.2017

Fachtagung: »Barrierefreiheit am Denkmal – Wege und Möglichkeiten«

Die folgende Pressemitteilung steht Ihnen hier als PDF zum Download zur Verfügung.

Barrierefreiheit und Denkmalschutz sind zwei gleichberechtigte öffentliche Belange, die durch Gesetze geschützt und durch Vorschriften, Regeln, Richtlinien oder Normen unterstützt werden. Angesichts des demographischen Wandels, der Bedürfnisse einer inklusiven Gesellschaft und des zunehmenden Wunsches nach individueller Mobilität wurde die barrierefreie Erschließung der denkmalgeschützten Kulturgüter im letzten Jahrzehnt zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema. Die Umsetzung von Barrierefreiheit und Teilhabe am kulturellen Leben von allen ist denn auch Inhalt von Projekten, Publikationen und Tagungen sowie Gegenstand von Aus- und Fortbildungen. Gleichwohl konnten bisher keine allgemeinen Richtlinien aufgestellt werden.

 Das Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt benennt als Schutzziele die Bewahrung des Bestandes und des Erscheinungsbildes eines Kulturdenkmals. Darüber hinaus sollen Kulturdenkmale im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Den begründeten Belangen und Argumenten behinderter Menschen stehen teilweise Anforderungen aus Denkmalpflege, Brandschutz und technischer Gebäudeausstattung entgegen. Neben den unmittelbar Betroffenen werden durch die komplexe Aufgabenstellung, bei der die verschiedenen motorischen, sensorischen und kognitiven Beeinträchtigungen zu berücksichtigen sind, in besonderer Weise Architekten und Denkmalpfleger angesprochen.

Aus diesem Grund wird die heutige Fachtagung »Barrierefreiheit am Denkmal – Wege und Möglichkeiten« gemeinsam von der Architektenkammer Sachsen-Anhalt und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt ausgerichtet. Die Tagung findet im Landesmuseum für Vorgeschichte statt, das als Baudenkmal, mit seiner bedeutenden musealen Sammlung und Ausstellung sowie einer größeren Freiflächengestaltung exemplarisch für die umfassende Aufgabenstellung steht.

Das volle Tagungsprogramm kann bei weitem nicht alle Aspekte der Barrierefreiheit am Denkmal beleuchten. Es sollen aber, wie im Programm angemerkt, Wege und Möglichkeiten aufgezeigt und für die zukünftige Praxis anregt werden. Das Themenspektrum umfasst dabei gesetzliche Rahmenbedingungen und Verfahrensabläufe, die Zusammenarbeit zwischen Betroffenenverbänden und Genehmigungsbehörden, gelungene Entscheidungsprozesse und Fallbeispiele aus der Praxis sowie die bisher weniger umfänglich beleuchteten Fragen einer barrierefreien Erschließung von Freiflächengestaltungen und Gartendenkmalen sowie von Bodendenkmalen. Die Mehrzahl der Beiträge bezieht sich auf Sachsen-Anhalt. Wichtige Anregungen werden überdies durch die Vorstellung von Initiativen, Projekten oder einer Rahmenrichtlinie aus Berlin und dem Bundesland Thüringen gegeben. Dabei wird auch ein Blick auf Gebäude und Freiräume jenseits der ausgewiesenen Kulturdenkmale, die deutschlandweit nur etwa 3% des Gesamtbestandes ausmachen, geworfen.

Ein besonderer Tagespunkt ist eine kleine Ausstellung. Diese ist Teil des Projektes »Denkmalschutz und Barrierefreiheit« in Berlin, das jüngst von der Europäischen Kommission und Europa Nostra mit dem Preis für das Kulturerbe der Europäischen Union 2017, der höchsten gesamteuropäischen Auszeichnung für das Kulturerbe, ausgezeichnet wurde. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen (Barrierefreies Planen und Bauen), des Landesdenkmalamtes Berlin und des Fachs Modell+Design der Technischen Universität Berlin. Anhand von drei herausragenden Baudenkmalen in Berlin analysierten Architekturstudenten Denkmalschutzziele und entwickelten neue Ideen und Lösungen unter Berücksichtigung der Eigenheiten eines jeden Gebäudes. Die ausgewählten Objekte, die barocke St. Hedwigskathedrale, das historische alte Stadthaus und die Neue Nationalgalerie repräsentieren drei unterschiedliche Architekturepochen.

 

Kontakt:

Dr. Alfred Reichenberger
Tel. 0345 / 52 47 -312
areichenberger(at)lda.stk.sachsen-anhalt.de

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt –
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