Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Pressemitteilungen : 11.07.2017

Vertragsunterzeichnung im Naturhistorischen Museum Wien

Die Ausstellung „Krieg. Eine archäologische Spurensuche“ geht nach Österreich

Im Bild von links: Univ. Prof. Dr. Harald Meller (Direktor LDA Sachsen-Anhalt), Univ. Prof. Dr. Christian Köberl (Generaldirektor NHM Wien), Dr. Gunnar Schellenberger (Kulturstaatssekretär von Sachsen-Anhalt) Im Bildhintergrund: Ölgemälde von Atombombenexperimenten, gemalt von Dona Jalufka. © NHM Wien, Alice Schumacher.

Gestern, am Montag, den 10. Juli 2017, wurde im NHM Wien ein Kooperationsvertrag zu einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit und einer Ausstellung zum Thema „KRIEG. Eine archäologische Spurensuche“ von Dr. Gunnar Schellenberger, Staatssekretär für Kultur in der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, und Univ. Prof. Dr. Christian Köberl, Generaldirektor des NHM Wien, unterschrieben.

Prof. Dr. Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt und Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (Saale), freute sich über die Unterzeichnung des Vertrages zwischen dem Naturhistorischen Museum Wien und dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) als eine wissenschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit, die Ergebnis einer langjährigen und fruchtbaren Kooperation beider Häuser ist.

Ein erstes gemeinsames Projekt im Rahmen des Kooperationsvertrages ist die wissenschaftliche Aufarbeitung und Deutung des Themas Krieg aus Sicht der Archäologie in Form einer groß angelegten Sonderausstellung am Naturhistorischen Museum Wien, die ab Herbst 2018 zu sehen sein wird.

„Dieses Thema ist grundlegend für das Verständnis des menschlichen und gesellschaftlichen Seins, ein Thema mit existenzieller Bedeutung für das Miteinander und Gegeneinander von Individuen und Gesellschaften. Das zeitliche und räumliche Spektrum der Ausstellung wird umfassend die verschiedenen Arten von gewaltsamen Konflikten und Kriegen mit einer historischen Perspektive beleuchten und ausdeuten“, so Prof. Dr. Harald Meller zur Intention der gemeinsamen Schau.

Ein Ausgangspunkt wird die Ausstellung „Krieg – eine archäologische Spurensuche“ des Landesmuseums für Vorgeschichte sein, die von November 2015 bis Mai 2016 über 58.000 Besucherinnen und Besucher angezogen hat. Die Schau präsentierte die archäologischen Nachweise sowohl von stein- und bronzezeitlichen Vor- und Frühformen von Krieg als auch eines der größten und umfassendsten Kriege Europas, des Dreißigjährigen Krieges. Das Herzstück der Ausstellung war das exzeptionelle Massengrab von Lützen, das auch in Wien zu sehen sein wird. Nicht nur für die Schlachtfeldarchäologie stellt es eine einzigartige und weltweit einmalige Quelle dar.

Die 47 Toten aus dem Massengrab sind Zeugen einer der folgenreichsten Schlacht des Dreißigjährigen Krieges. Sie berichten uns gleichsam aus dem Jenseits von einem Tag im November 1632 – dem 16. nach dem julianischen oder dem 6. nach dem heute gebräuchlichen gregorianischen Kalender. In Mitteldeutschland, im heutigen Sachsen-Anhalt unweit von Halle an der Saale gelegen, trafen die kaiserlich-katholischen Truppen des Generalissimus Albrecht von Wallenstein auf die des protestantischen Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, der bis zu diesem Tag als unbesiegbar galt – in der Schlacht von Lützen verlor er jedoch bereits in den ersten Stunden sein Leben.

Ergänzt wird die Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien durch einen sensationellen archäologischen Befund aus Niederösterreich -  dem ersten Nachweis von Krieg in Mitteleuropa vor 7.000 Jahren. Im Graben der jungsteinzeitlichen Siedlung von Schletz bei Asparn an der Zaya (NÖ) wurden Teile von 50 menschlichen Skeletten gefunden. Kinder und Erwachsene wurden gleichermaßen niedergestreckt, manche mit bis zu fünf tödlichen Hieben. Die Spuren an den Knochen lassen erkennen, dass die tödlichen Waffen Steinbeile waren. Nur junge Frauen wurden offenbar verschont. Es wird vermutet, dass sie verschleppt wurden.

Von der Bronzezeit bis in die Neuzeit wurden Skelettreste von Kriegern und Soldaten mit modernen forensischen Methoden untersucht und deren Schicksale für die Ausstellung rekonstruiert – darunter ein Krieger aus Hallstatt, ein keltisches Kriegergrab, ein römischer Legionär, ein Reiterkrieger der Völkerwanderungszeit und ein mittelalterlicher Ritter.

Die aktuelle Bergung von Soldatengräbern der Schlacht von Asparn und Deutsch Wagram 1809 schlägt den Bogen zur Zeitgeschichte, wie auch eine Installation aus der Pathologisch-anatomischen Sammlung des NHM Wien zum Ende des 1. Weltkrieges 1918.

Quelle: Pressemitteilung des NHM Wien vom 11. Juli 2017