Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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: 17.09.2020

Himmelsscheibe von Nebra eisenzeitlich? Eine Richtigstellung

Die folgende Pressemitteilung steht hier für Sie als PDF zum Download bereit.

Please see the English version below.

En el siguiente enlace tienen la nota de prensa en español para descargar en formato pdf.

Questo comunicato stampa è disponibile per il download come PDF in italiano.

 

In einem heute erschienenen Artikel von Rupert Gebhard und Rüdiger Krause in der Zeitschrift »Archäologische Informationen« wird postuliert, dass die in die frühe Bronzezeit (um 1600 v. Chr.) zu datierende Himmelsscheibe von Nebra erst 1000 Jahre später in die Eisenzeit zu datieren sei. Die Kollegen ignorieren nicht nur die Fülle an publizierten Forschungsergebnissen der letzten Jahre, sie führen dafür verschiedene Argumente ins Feld, die indes leicht zu widerlegen sind. 

Als Grundlage für diese These werden von Gebhard und Krause mehrere Hauptpunkte ins Feld geführt.

Insbesondere sei die Zusammengehörigkeit der Himmelsscheibe mit den übrigen Funden des Ensembles, deren bronzezeitliches Alter nicht in Frage gestellt wird, nicht gesichert. Als Behauptung wird aufgestellt, dass die Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe nicht mit denen der übrigen Funde übereinstimmen würden und auch die geochemischen Analysen der Metalle die Zusammengehörigkeit der Funde nicht unterstützen sollen.

Beides ist nachweislich falsch. Nach einem von den beiden Autoren nicht zitierten Aufsatz von Dr. Jörg Adam (damals Landeskriminalamt Brandenburg), der für das Landgericht Halle als Sachverständiger die Untersuchungen der Erdanhaftungen durchführte, »[ist] insgesamt … somit eine Herkunft sowohl der Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe (Sp 1) als auch am Schwert (Sp 2) von deren vermutlichem Fundort (Entnahmestelle des VM 1) als sehr wahrscheinlich anzusehen… Eine Sonderstellung nehmen die Erdreste am Beil (Sp 3) ein. Ein großer Teil der ermittelten Eigenschaften und Merkmale lassen ebenfalls eine Herkunft dieser Erdanhaftungen vom Mittelberg als möglich erscheinen«. Da sich der Untersuchungsauftrag des Gerichtes damals auf diese drei Gegenstände beschränkte, wurden die übrigen Beifunde vom Sachverständigen seinerzeit nicht untersucht und sind daher auch nicht als Argument gegen eine Zusammengehörigkeit aller Funde brauchbar. Insofern ist die Forderung der beiden Autoren, der Meißel müsse als nicht zugehörig ausgesondert werden, nicht nachvollziehbar.

Ebenso führt die Behauptung, die geochemische Untersuchung der Metalle spräche gegen eine Zusammengehörigkeit der Funde in die Irre. Schon 2008 und 2010 haben Prof. Dr. Ernst Pernicka und Kollegen dargelegt, »dass das Kupfer aller Teile des Hortes aus derselben Lagerstätte stammt.« Als Lagerstätte hingegen ist seit langem der Mitterberg im Salzburger Land nachgewiesen, dessen Kupferproduktion zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. geendet hat. Zusätzlich stellt Pernicka fest: »Analysen von keltischen [eisenzeitlichen] Kupferlegierungen zeigen ganz andere Zusammensetzungen sowohl der Hauptbestandteile als auch der Spurenelemente und Bleiisotopenverhältnisse«. Damit scheidet auch aus metallurgischer Sicht eine Datierung der Himmelsscheibe in die Eisenzeit klar aus.

Ein letztes von Gebhard und Krause bemühtes Argument ist der Hinweis, die Himmelsscheibe von Nebra im damaligen Symbolgut würde als »ein vollkommener Fremdkörper« erscheinen. Dies ist zwar richtig, trifft aber auf jeden einzigartigen Fund zu. Die Himmelsscheibe von Nebra wäre in jeder vorgeschichtlichen Periode ein Fremdkörper.

Auf viele weitere inhaltliche Unstimmigkeiten des Artikels gehen wir hier aus Platzgründen nicht ein.

Gerne stellen wir Ihnen die genannten Publikationen zu Ihrer weiteren Information als Download zur Verfügung:

Jörg Adam, Kriminaltechnische Untersuchung der Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe. In: Harald Meller/François Bertemes (Hrsg.), Der Aufbruch zu neuen Horizonten. Neue Sichtweisen zur europäischen Frühbronzezeit. Abschlusstagung der Forschergruppe FOR550 vom 26. bis 29. November 2010 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 19 (Halle [Saale] 2019).

Ernst Pernicka/Christian-Heinrich Wunderlich/Alfred Reichenberger/Harald Meller/Gregor Borg, Zur Echtheit der Himmelsscheibe von Nebra – Eine kurze Zusammenfassung der durchgeführten Untersuchungen. Archäologische Korrespondenzblatt 38 (2008) 331–352.

Ernst Pernicka, Archäometallurgische Untersuchungen am und zum Hortfund von Nebra. In: Harald Meller/François Bertemes (Hrsg.), Der Griff nach den Sternen. Internationales Symposium in Halle (Saale) 16.–21. Februar 2005. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 5 (Halle [Saale] 2010).

Ernst Pernicka/Joachim Lutz/Thomas Stöllner, Bronze Age Copper Produced at Mitterberg, Austria, and its Distribution. Archaeologia Austriaca 100 (2016) 19–55.

 

Sky disc of Nebra dated into the Iron Age? A corrective statement

The following press release is can be downloaded as a PDF here.

In an article by Rupert Gebhard and Rüdiger Krause, published today in the journal »Archäologische Informationen«, it is postulated that the Nebra Sky Disc, which is dated to the Early Bronze Age (around 1600 BC), would only be dated 1000 years later to the Iron Age. The colleagues not only ignore the abundance of published research results in recent years, their various arguments also are easily refuted.

Gebhard and Krause put forward several key points as a platform for this thesis.

In particular, the correlation of the Sky Disc with the other discoveries of the hoard, whose Bronze Age age is not in question, is put in doubt. Claims are that the soil attachments on the Sky Disc do not correspond with those of the other findings and that the geochemical analyses of the metals do not support their coherence.

Both of these statements are demonstrably incorrect. According to an essay by Dr. Jörg Adam (then State Office of Criminal Investigation of Brandenburg), who conducted the investigations of the soil attachments for the Regional Court of Halle as an expert, and who was not quoted by the two authors, »altogether ... therefore an origin of both the soil attachments on the Sky Disc (Sp 1) and on the sword (Sp 2) from their presumed location (the extraction point of VM 1) is to be regarded as very probable ... An exceptional position is occupied by the soil attachments on the axe (Sp 3). A large proportion of the properties and characteristics determined, also indicate that the origin of these soil attachments from the Mittelberg appear probable«. Since the enquiry of the court of first instance was limited to these three objects back then, the other accompanying findings were not examined by the expert at the time and therefore should not be used as an argument against the coherence of all the finds. In view of this, the claim of the two authors that the chisel must be separated as not belonging to the hoard, is not comprehensible.

Furthermore, the statement that the geochemical analysis of the metals argues against the coherence of the findings is misleading. Already in 2008 and 2010 Prof. Dr. Ernst Pernicka and other colleagues demonstrated »that the copper of all parts of the hoard comes from the same storage location«. The Mitterberg in the Salzburg region has long been proven to be a deposit whose copper production ended at the beginning of the 1st millennium BC. In addition, Pernicka states: »Analyses of Celtic [Iron Age] copper alloys show quite different compositions of the main components as well as trace elements and lead isotope ratios«. Therefore, from a metallurgical point of view, dating the Sky Disc to the Iron Age is clearly out of the question.

A final argument put forward by Gebhard and Krause is that the Nebra Sky Disc appeared as »a perfect foreign object« in the symbolism of that period. While this is true, this also applies to every unique discovery. The Sky Disc of Nebra would be a foreign object in any prehistoric period.

Due to lack of space, we refrain from discussing the many other inconsistencies in the content of the article here.

For more information, you are welcomed to download the publications mentioned above. Please see the references above the English text.

 

Kontakt

Dr. Alfred Reichenberger
Stellvertretender Landesarchäolge und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
– Landesmuseum für Vorgeschichte –
Telefon +49 345 · 5247-312
areichenberger(at)lda.stk.sachsen-anhalt.de