Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Pressemitteilungen : 22.04.2010

Aufgedeckt II: Neues Buch zu den Magdeburger Domgrabungen erschienen

Am heutigen Tag erscheint "Aufgedeckt II: Forschungsgrabungen am Magdeburger Dom 2006-2009" als Sonderband 13 der Reihe Archäologie in Sachsen-Anhalt. In dem mehr als 250 Seiten starken Buch werden die ersten Zwischenergebnisse der laufenden Kirchengrabungen präsentiert, die vor allem die Klärung der Vorgängerbebauung des gotischen Doms zum Ziel haben. Die aufsehenerregenden Ausgrabungen haben nicht nur einmalige Bestattungen hervorgebracht, sondern bereits jetzt das Bild des ottonisch-romanischen Zentrums von Magdeburg bedeutend erweitert.

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Die Grabungen und begleitenden Untersuchungen, deren Ergebnisse in "Aufgedeckt II" vorgestellt werden, fanden zwischen Herbst 2006 und Frühjahr 2009 statt. Der Band stellt damit einen Zwischenstand der Forschungen im Magdeburger Dom nach der ersten und zweiten Grabungskampagne dar, die sich insgesamt, mit zwischenzeitlicher Aufarbeitung und Auswertung, über 28 Monate erstreckten. Die dritte Grabungskampagne findet aktuell mit insgesamt 15 Mitarbeitern statt. Zum ersten Mal wird im Rahmen des Projekts die Vorgängerbebauung unter dem gotischen Dom systematisch untersucht. Grabungsschnitte wurden im Dom selbst, dem Kreuzgang, dem Domgarten und westlich der gotischen Türme angelegt. Das Bild, das man aufgrund früherer, unsystematischer Untersuchungen von der Bebauung des Areals vor dem Entstehen des gotischen Doms hatte, wurde dabei umfassend revidiert. So konnten im Rahmen der Grabungen Spuren eines dreischiffigen Langhauses mit östlichem Querhaus und einer hervorragend erhaltenen Turmanlage im Westen nachgewiesen werden. Mit geradezu chirurgisch genau angelegten Schnitten im diffizilen Kirchengefüge konnten unter anderem die Mittelachse und auch der Nordarm der Krypta dieses Vorgängerbaus erfasst werden, der sich in "ottonischer Achslage" befand, also in der bis 1207 maßgeblichen Ausrichtung. Über C14-Datierungen konnte die Entstehung des Vorgängerbaus genauer in das letzte Drittel des 10. oder das erste Viertel des 11. Jahrhunderts datiert werden. Zudem fanden sich Überreste einer weiteren Kirche in vergleichbarer Ausrichtung westlich der Vorgängerkirche. Bei diesen Baubefunden handelt es sich vermutlich um die Reste der Nikolaikirche, die 1306/10 abgerissen worden war.

Die Beiträge in "Aufgedeckt II" befassen sich vor allem mit dem Domvorgängerbau und der Nikolaikirche. Während der Ausgrabungen wurden am westlichen Rand der Vierung des Vorgängerbaus Gräber von Erzbischöfen entdeckt, von denen sich besonders eines dadurch auszeichnete, dass es in den gut 800 Jahren seit der Bestattung nie wieder geöffnet worden war, wodurch seine vorzügliche Funderhaltung begünstigt wurde. Zudem wurde im Rahmen dieser Kampagnen der bleierne Edithasarkophag mit Gebeinen geborgen. Die Untersuchungen an den Skeletten finden aktuell noch statt, weshalb der vorliegende Band noch keine Artikel zu den Bestattungen enthält. Dem Band "Aufgedeckt II" liegt eine dreiteilige Videodokumentation mit insgesamt ca. zwei Stunden Laufzeit bei, die in einem Projekt des Medienwissenschaftlers Prof. Dr. Gerhard Lampe (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) entstanden ist. Der Film, der an fast 50 Drehtagen im Rahmen der dreijährigen Grabungskampagne entstand, hält nicht nur die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchungen fest, sondern begleitet und spiegelt auch die Arbeits- und Erkenntnisprozesse, die zur wissenschaftlichen Publikation geführt haben.

Die Beiträge in "Aufgedeckt II" sind ein Zwischenbericht und stellen den aktuellen Erkenntnisstand dar. Die endgültige Auswertung der Befunde und Funde nach Abschluss der noch laufenden Grabungskampagne wird noch Jahre dauern. Dennoch ist es vor allem angesichts der hohen Bedeutung der Magdeburger Domgrabungen für das Verständnis der ottonischen Stadt wichtig, den aktuellen Stand zeitlich möglichst nah auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Beiträge in der Publikation spiegeln dabei die interdisziplinäre Zusammensetzung der Forschergruppe wider. "Aufgedeckt II" ist in drei große Bereiche gegliedert: einen Teil zur Archäologie, einen Teil zur historischen Überlieferung und einen Teil zur Bau- und Architekturgeschichte. Nur durch das Zusammenwirken dieser Disziplinen ist die Entwicklung dieses bedeutenden Kirchenensembles im Zentrum Magdeburgs zu verstehen. Der erste Band zu den Magdeburger Grabungen - "Aufgedeckt. Ein neuer ottonischer Kirchenbau am Magdeburger Domplatz" (Archäologie in Sachsen-Anhalt, Sonderband 3) - war 2005 erschienen und hatte die Ausgrabung der so genannten Nordkirche unter dem heutigen Domplatz, die zwischen 2001 und 2003 stattfand, zum Inhalt.

Die Ausgrabungen im Magdeburger Dom werden in Kooperation zwischen der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt, dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Landeshauptstadt Magdeburg durchgeführt. Grabungsleiter ist Rainer Kuhn. Die interdisziplinäre Forschergruppe zum ottonischen Zentrum Magdeburgs wird von Prof. Dr. Wolfgang Schenkluhn (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) geleitet. Unterstützt werden die Forschungen durch das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt, das Landesverwaltungsamt und die LottoToto GmbH Sachsen-Anhalt sowie tatkräftig von der Evangelischen Domgemeinde am Magdeburger Dom.

 

 

Aufgedeckt II.
Forschungsgrabungen am Magdeburger Dom 2006-2009.

Rainer Kuhn, Heiko Brandl, Caspar Ehlers, Christian Forster, Claudia Hartung, Leonhard Helten, Roland Möller, Torsten Riese, Wolfgang Schenkluhn, Benno Zickgraf.

Archäologie in Sachsen-Anhalt, Sonderband 13
Herausgegeben von Harald Meller, Wolfgang Schenkluhn, Boje E. Hans Schmuhl
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2009
252 Seiten, sechs Ausklapptafeln, eine DVD
ISBN: 978-3-939414-44-5
Preis: 19,00 €

Das Buch ist über den Museumsshop im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale), (0345 - 5247 - 368, musshopping@lda.mk.sachsen-anhalt.de), direkt über das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (Frau Kuhlow, Tel. 0345 - 5247 - 332, hkuhlow@lda.mk.sachsen-anhalt.de) oder über den Buchhandel zu beziehen.

 

Kontakt:
Dr. Alfred Reichenberger
0345 - 5247 - 312
areichenberger@lda.mk.sachsen-anhalt.de