Spuren dichter endneolithischer Besiedlung aus dem Tagebau Profen
Seit 2002 führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) im Tagebau Profen archäologische Ausgrabungen durch. Furore machte vor einigen Jahren die Entdeckung eines reich ausgestatteten Frauengrabes in einem Urnengräberfeld aus der römischen Kaiserzeit, das in wenigen Tagen in der Landesausstellung »Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv« erstmals öffentlich zu sehen sein wird.
Die folgende Pressemitteilung einschließlich einer Übersicht über die verfügbaren Pressefotos steht hier als PDF zum Download bereit.
Pressebilder können bei Frau Dr. Stoll-Tucker (bstolltucker(at)lda.mk.sachsen-anhalt.de oder 0345 / 52 47 -320) bezogen werden.
Seit 2002 führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) im Tagebau Profen archäologische Ausgrabungen durch. Furore machte vor einigen Jahren die Entdeckung eines reich ausgestatteten Frauengrabes in einem Urnengräberfeld aus der römischen Kaiserzeit, das in wenigen Tagen in der Landesausstellung »Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv« erstmals öffentlich zu sehen sein wird.
Daneben wurden in den vergangenen fünf Jahren auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar durch bis zu 50 Mitarbeiter unter anderem Siedlungsspuren sowie etwa 300 Bestattungen aus der ausgehenden Jungsteinzeit ausgegraben.
Während die Siedlungsstellen vor allem anhand von Abfallgruben sowie von Ofenanlagen, für deren Betreiben Luftzufuhrschächte in den Boden abgeteuft wurden, fassbar sind, lässt sich die Prosperität der Region an der Wende vom 3. zum 2. vorchristlichen Jahrtausend besonders an den Gräbern ablesen. Sie wurden an verschiedenen Bestattungsplätzen auf dem Pätschenberg, entlang alter Wegerouten oder anderen markanten Punkten angelegt und sind der ausgehenden Schnurkeramik- und Glockenbecherkultur (ca. 2.800–2.050 v. Chr. bzw. 2.500–2.050 v. Chr.) zuzuweisen. Besonders deutlich wird die Dichte der Besiedlung der Region um Profen zu jener Zeit am Ende des Neolithikums durch den Vergleich mit anderen Gegenden, wo üblicherweise Gräbergruppen von nicht mehr als zehn Bestattungen zu fassen sind.
Mit der Schnurkeramik- und der Glockenbecherkultur, die den letzten Abschnitt der Jungsteinzeit in unserer Region prägen, treffen zwei Kulturgruppen unterschiedlicher Provenienz und Verbreitung aufeinander. Das Verbreitungsgebiet der Schnurkeramischen Kultur reicht von Russland bis ins Pariser Becken; die Ursprungsregion der Glockenbecherkultur scheint die Iberische Halbinsel zu sein. Beide Kulturen sind vor allem anhand ihrer Bestattungen zu fassen. Die Toten der Glockenbecherkultur wurden stets in gehockter Stellung mit Blick nach Osten bestattet, wobei die Frauen auf ihrer rechten, die Männer auf der linken Körperseite liegen. Eine typische Grabbeigabe sind glockenförmige Keramikgefäße, die den neuzeitlichen Namen der Glockenbecherkultur prägten. Die aufwändigen Verzierungen dieser Gefäße weisen stets regionale Eigenheiten auf. Darüber hinaus waren den männlichen Toten oftmals Pfeil und Bogen – davon zeugen heute noch Pfeilspitzen aus Silex – sowie eine Armschutzplatte mitgegeben. In den Bestattungen der Schnurkeramischen Kultur dagegen dominieren die Keramikgefäße: Amphoren und Becher. Benannt ist die Kultur nach der typischen Verzierung dieser Gefäße, die mit Hilfe von Schnüren vor dem Brand in den luftgetrockneten, lederharten Ton eingedrückt wurde. Männliche Bestattungen sind durch Steinbeile gekennzeichnet. Bernsteinperlen und andere Schmuckelemente, wie aus Tierzähnen gefertigte Ketten und Pailletten, sind ebenfalls charakteristisch. Als Besonderheit enthalten einige Gräber der Schnurkeramischen Kultur auch Gefäße der zeitgleichen, jedoch eigentlich im nördlichen Sachsen-Anhalt verbreiteten Schönfelder Kultur (ca. 2.800–2.200 v. Chr.).
Nach ihrer Bergung sind die Bestattungen derzeit Gegenstand weiter führender wissenschaftlicher Untersuchungen. Neben anthropologischen Detailanalysen steht dabei die Bearbeitung der zahlreichen Beifunde, von Steinwerkzeugen, Schmuck und Keramikgefäßen im Vordergrund. Doch lässt sich bereits jetzt anhand der Grabbefunde in einmaliger Präzision das Miteinander und die Integration verschiedener Kulturgruppen des ausgehenden Neolithikums ablesen, aus denen letztlich die einheitliche Kultur der darauf folgenden Frühen Bronzezeit hervorging.
