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"Kulturwandel = Bevölkerungswechsel?"
DFG-Projekt
Universität Mainz, Fachbereich Biologie, Institut für Anthropologie Prof. Dr. K. W. Alt /
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Das Mittelelbe-Saalegebiet wird während der Jungsteinzeit (5.500–2.100 v. Chr.) von zahlreichen wechselnden Kulturen geprägt. Hier trafen während der ersten dreitausend Jahre bäuerlicher Sesshaftigkeit immer wieder weite Landstriche überspannende Kultur- und Bevölkerungsgruppen aufeinander. Dies führte im Mitteldeutschen Raum zur Herausbildung neuer Kulturen. Im Focus heutiger interdisziplinärer Forschung von Archäologie, physischer Anthropologie, Biochemie und Molekulargenetik steht die Frage, ob bei diesen Prozessen alleine der ideelle Transfer kultureller Phänomene als Katalysator wirkte oder ob sich hinter den einzelnen, im archäologischen Bild fassbaren Kulturen – neben Ökumenen mit verschiedenartiger Lebensweise oder Subsistenzwirtschaft – auch genetisch unterschiedliche Populationen abzeichnen. Möglicherweise lassen sich ursächlich nachweisbare Brüche in der Bevölkerungsdynamik mit Zäsuren im archäologischen Fundinventar verknüpfen.
Dem Mittelelbe-Saalegebiet kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Die hervorragende Erhaltung des hohen archäologischen Fundniederschlages in den trockenen und fruchtbaren Lössböden, und vor allem eine für steinzeitliche Epochen von keiner anderen Region vergleichbar hohe Stabilität alter DNA, ermöglichen erstmals Einblicke in populationsdynamische Prozesse innerhalb eines klar definierten Raumes und begrenzten Zeitabschnittes.