Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Nachlass Kossack

DFG-Projekt zur Erschließung des wissenschaftlichen Nachlasses von Prof. Dr. Georg Kossack (1923-2004)

Georg Kossack
Georg Kossack (1923 - 2004)

 

Prof. Dr. Georg Kossack gehörte zu den bedeutendsten deutschen Archäologen der letzten fünf Jahrzehnte. Wie kaum eine andere Persönlichkeit der archäologischen Forschung wirkte er weit über Deutschland hinaus auf die Bronze- und Hallstattzeitforschung Mittel- und Osteuropas.

Ein Blick in die Bibliothek in Hause Kossack
Ein Blick in die Bibliothek im Hause Kossack
Ein Teil der Sonderdrucke
Ein Teil der Sonderdrucke

 

 Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (Halle/Saale) erarbeitet die systematische Erschließung des wissenschaftlichen Nachlasses von Prof. Kossack in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut (Berlin), der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (Frankfurt/Main) und den Fachinstituten der Ludwig-Maximilians Universität München, der Universität zu Köln und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, finanziert mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Der Nachlass besteht aus einer umfangreichen wissenschaftlichen Fachbibliothek (Bücher und Sonderdrucke - zusammen etwa 20.000 Titel), sowie einem wissenschaftlichen Archiv (Korrespondenz, Akten und Materialsammlung - zusammen etwa 25.000 Seiten), das den gesamten Wirkungszeitraum und die Lebensstationen von Georg Kossack widerspiegelt.

 

Ziel der Erschließung ist es, die Bibliothek und die wissenschaftliche Materialsammlung einem breiten Fachpublikum für zukünftige Forschungen zugänglich und in den einschlägigen Datenbanken KALLIOPE (Staatsbibliothek, Berlin), ARACHNE (DAI, Berlin / Universität Köln) und PICA (GBV) digital verfügbar zu machen. Für die „Öffnung“ weiterer Gelehrtennachlässe der Prähistorischen Archäologie dürfte dieses Projekt Pilotcharakter haben.

 

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Brief Paul Reineckes an Georg Kossack (1952)
Brief Paul Reineckes an Georg Kossack (1952)

Georg Kossack hat die prähistorische Archäologie über ein halbes Jahrhundert hinweg geprägt. Dabei hat er nicht nur die Positionierung des Faches in der heutigen Wissenschaftslandschaft maßgeblich vorangetrieben. Er stellt auch das Bindeglied zu den Pionieren der Forschung und den Anfängen der Prähistorischen Archäologie als universitäre Disziplin dar (Paul Reinecke, Gero v. Merhart).

 

Vom Krieg selbst schwer gezeichnet beginnt Georg Kossack seinen wissenschaftlichen Werdegang in der Hoffnung auf einen von politisch-ideologischer Instrumentalisierung freien Neubeginn der deutschen Vor- und Frühgeschichtsforschung nach dem Kriege.

Nicht zuletzt durch das Schicksal seines akademischen Lehrers Gero v. Merhart beginnt Kossack frühzeitig, die Position der prähistorischen Forschung im zeitgeschichtlichen Kontext zu hinterfragen. Dazu gehört auch sein stetes Bemühen um den wissenschaftlichen Kontakt über die Systemgrenzen des Kalten Krieges hinaus.

Die Reflexion forschungsgeschichtlicher Fragen zieht sich wie ein roter Faden durch die im Nachlass erhaltenen Archivalien und findet ihren Niederschlag in der 1999 erschienenen resümierenden Betrachtung zur „Prähistorische(n) Archäologie in Deutschland im Wandel der geistigen und politischen Situation“, die der Entwicklung des Fachs von der Frühen Neuzeit bis in die jüngste Vergangenheit nachgeht.

Zeichnung der Beinschiene aus dem Depotfund von Rinyaszentkirály, Ungarn
Zeichnung der Beinschiene aus dem Depotfund von Rinyaszentkirály, Ungarn

Der wissenschaftliche Nachlass Georg Kossacks spiegelt ein breites Spektrum seines Schaffens wider: die archäologische Materialsammlung lässt Ausgangspunkte späterer Arbeiten erkennen und ermöglicht einen Einblick in seine geographisch und thematisch breit angelegten archäologischen Interessen. In den Korrespondenzen und Akten drückt sich Kossacks Werdegang, die Entwicklung seiner Projekte, aber auch seine herausragende Stellung im Fach aus.

 

 

Dank der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist es möglich, den umfangreichen Nachlass von Prof. Kossack für eine wissenschaftliche Aufarbeitung zu erschließen. Der überragenden forschungsgeschichtlichen Bedeutung seines Wirkens für die Prähistorische Archäologie soll auf diese Weise Rechnung getragen werden.

Christoph Jahn / Marcus Conrad

Fundskizzen bei der Materialaufnahme im Museum Bamberg (1951)
Fundskizzen bei der Materialaufnahme im Museum Bamberg (1951)

AKTUELL:
Im März 2011 fand in Berlin ein DFG-Rundgespräch "Erschließung von Akten- und Nachlassbeständen in den Altertumswissenschaften" statt, in dem auch das Projekt zur Erschließung des wissenschaftlichen Nachlasses von Prof. Kossack vorgestellt wurde. Alle bei dem Rundgespräch gehaltenen Vorträge können über Propylaeum-DOK, die Publikationsplattform Altertumswissenschaften der UB Heidelberg unter http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/ergebnis.php?suchart=teil&Lines_Displayed=10&sort=o.date_year+DESC%2C+o.title&suchfeld1=oc.coll_id&suchwert1=9&opt1=AND&suchfeld2=person&suchwert2=&opt2=AND&suchfeld3=data_year&suchwert3=&startindex=0&page=0&dir=2&suche=&la=de abgerufen werden.