Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
Sie sind hier: Startseite > Forschung > Kooperationen > Archäologische Kooperation mit Armenien > 
Deutsch | English

Archäologische Kooperation mit Armenien

Kooperationsprojekt
Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien/
Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie gGmbH Mannheim (CEZA)/
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)/
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA)

Vor dem Hintergrund der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Armenien und Deutschland im Jahr 1992 wurde 1998 ein Memorandum zwischen der Republik Armenien und Sachsen-Anhalt unterzeichnet, das unter anderem die kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit verstärken soll.

Auf dieser Basis wurde im Jahr 2010 ein Kooperationsvertrag zwischen der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Republik Armenien, dem CEZA, der MLU und dem LDA zur Untersuchung der reichen armenischen Kulturlandschaft in verschiedenen Forschungsprojekten geschlossen. Der Vertrag bildete den Beginn einer engen, interdisziplinären Zusammenarbeit auf den Gebieten Archäologie, Geologie und Archäometrie.

Karte der Republik Armenien: Die Projektregionen sind durch weiße Kreise hervorgehoben.
Luftbildaufnahme der Felsbilder mittels Drohne.

1. Die Felsbilder im Hochland der Provinz Sjunik

Im vulkanisch geprägten Hochland der Provinz Sjunik, etwa 18 km nördlich der Provinzhauptstadt Sissian, nahe der aserbaidschanischen Grenze liegt eine bislang nahezu unbekannte Felsbildregion. Lediglich ein kleiner Teilbereich, um den Gletschersee innerhalb der Vulkancaldera des Mt. Ughtasar wird seit einigen Jahren im Rahmen eines armenisch-englischen Kooperationsprojektes archäologisch erfasst. Nördlich und östlich dieser Petroglyphenfundstelle erstrecken sich jedoch über mehrere hundert Quadratkilometer Felder vulkanischer Basaltblöcke, die in ihrer Gesamtheit tausende bildliche Darstellungen aufweisen.

Nachdem bereits 2011 ein erster kleinerer Survey vorgenommen wurde, konnte im Sommer 2012 dank der großzügigen Unterstützung des Auswärtigen Amtes in einem breit angelegten Projekt damit begonnen werden, den außerordentlich reichen Bestand an Felsbildern umfassend und interdisziplinär wissenschaftlich zu dokumentieren. Um die einzelnen Felsbildfelder und Blockhalden in Gänze erfassen zu können, wurden die Gebiete mittels einer Drohne beflogen und die daraus generierten Luftbilder schließlich durch ein exaktes Aufmaß entzerrrt. Erstmals wird es somit möglich sein, die Felsbilder in einen naturräumlichen Kontext zu stellen und ihrer Lage und Verteilung gemäß statistisch auszuwerten.

2. Geoarchäologische Untersuchung des prähistorischen Goldbergbaus von Sotk, Provinz Gegharkunik

Die Region um Sotk, südöstlich des Sewan Sees gelegen, zeigt wie kaum eine andere Region im südlichen Kaukasus das intensive Zusammenspiel von prähistorischer Besiedlung und dem Abbau von Gold.

Die auch heute noch intensiv genutzte Mine von Sotk ist die größte Goldlagerstätte des Kaukasus. Die bisherigen Untersuchungen machen neben der  bereits nachgewiesen antiken auch eine prähistorische Nutzung der Goldvorkommen wahrscheinlich. Mithilfe des geochemischen Fingerabdrucks verschiedener Seifen- und Berggoldproben aus der Region wird der Abgleich zwischen Lagerstätten und Artefakten möglich.

Durch ausgedehnte archäologische Surveys, Siedlungsgrabungen und die Untersuchung  von Gräberfeldern in der Umgebung der Lagerstätte sollen Erkenntnisse über deren Bedeutung vor allem während der Bronzezeit gewonnen werden.

Siedlungshügel von Sotk II
Seifengold aus den Flüssen nahe Sotk

3. Die Siedlung von Benjamin II, Provinz Schirak

Etwa 10 km südlich von Gjumri, der Hauptstadt der Provinz Schirak, befinden sich bei der kleinen Ortschaft Benjamin die Überreste zweier Siedlungen und eines Gräberfeldes des 1. Jt. v. Chr. Durch französische Archäologen wurde in Benjamin bereits vor einigen Jahren ein achämenidischer Palast ergraben werden, der nun zusammen mit der umliegenden Stadt in einen Gesamtplan aufgenommen werden konnte.

Die im Jahr 2010 begonnenen, archäologischen Untersuchungen geben einen Einblick in die verschiedenen Phasen der Siedlungstätigkeit in dieser Region. Die Anlagen von Benjamin zeugen aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage eindrucksvoll von dem Wechselspiel fremder Kulturen und lokaler Tradition.

Lage der Siedlungen Benjamin 1 und 2.
Südlicher Eingang des achämenidischen Palasts.

4. Das Ashotsk-Tal bei Hartashen, Provinz Schirak

Nördlich der Provinzhauptstadt Gjumri, an der Grenze zu Georgien konnten nahe dem Dorf Hartashen bereits 2009 etliche Kurgane (Grabhügel) erfasst werden. Ein Jahr später wurde ein Grabhügel näher untersucht.

Unweit der Grabhügel wird das auf 2000 m Höhe gelegene Ashotsk-Tal von mehreren Steinreihen durchzogen. Nach eingehender Prospektion und Untersuchung im Jahr 2010 konnten belegt werden, dass diese nicht mit den prähistorischen Gräbern in Verbindung zu bringen, sondern vielmehr in die Neuzeit zu datieren sind.

Dokumentation der Steinreihen aus der Luft.
Archäologischer Schnitt durch die Steinreihen.

Nähere Informationen zu dem Kulturabkommen des Landes Sachsen-Anhalt mit der Republik Armenien.

Auch auf der Internetseite der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Eriwan werden die armenisch-deutschen Kooperationsprojekte unter der Rubrik "Archäologie" in knapper Form vorgestellt.