Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Hundisburg: alte und neue Funde und das ältere Paläolithikum in Mitteleuropa

Kooperationsprojekt
 Institut für Ur- und Frühgeschichte, Abt. Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen  /

 
Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen Anhalt /
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald /
Sächsische Akademie der Wissenschaften /
Prof. Klaus-Dieter Meyer /

Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt  

Die Hundisburger Parkkiesgrube gehört zu den klassischen Fundstellen des älteren Paläolithikums in Mitteldeutschland. Hier wurden von 1904 bis 1953 rund 100 Feuersteinartefakte geborgen, ehe der Aufschluss nach der Einstellung des Kiesabbaus verfiel. Der 1921 geborgene Faustkeil gehört zu den ersten Funden seiner Art in Mitteleuropa. Über Jahrzehnte gab es kontroverse Diskussionen zur geologischen und kulturgeschichtlichen Einordnung der Fundstelle, ohne dass diese jedoch am Geländebefund überprüft werden konnten. 

Da Mitteldeutschland mit dem abwechselnden Auftreten von Mensch und Gletscher in demselben Gebiet eine Kernregion für die Untersuchung der altsteinzeitlichen Entwicklung in Mitteleuropa bildet, ergab sich ein interdisziplinäres Forschungsinteresse an einem neuen Aufschluss in der Parkkiesgrube. Beteiligt an diesem Vorhaben sind außer dem LDA das Institut für Ur- und Frühgeschichte, Abt. Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Sondierungsgrabungen, Archäologie), das Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen Anhalt (Quartärgeologie, petrographische Untersuchungen) sowie Kollegen der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Malakozoologie), der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (OSL-Datierungen) sowie der Spezialist  für eiszeitliche Geschiebe Prof. Klaus-Dieter Meyer aus Burgwedel bei Hannover (Geschiebestatistik).  Bisher wurden drei Sondierungsgrabungen durchgeführt, bei denen dank der tatkräftigen Hilfe ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger eine Fläche von 42 m² untersucht und die Anzahl der Artefakte auf über 200 verdoppelt werden konnte.

Erste Ergebnisse zeigen nicht nur, dass die Fundstelle offenbar in einen frühen Abschnitt der vorletzten (Saale-)Eiszeit gehört, sondern erbrachten auch die für einen Schotter-Fundplatz überraschende Entdeckung von zwei Aufeinanderpassungen unter den kantenscharfen Steinartefakten, was für eine weitgehend autochthone Lagerung dieser Funde spricht. Da zudem ausgezeichnet erhaltene Faunenreste eiszeitlicher Großsäuger das Bild der damaligen Umwelt vervollständigen, sollen die Untersuchungen in diesem Jahr (2009) fortgesetzt werden.

 

 

Stratigraphie
Stratigraphie
Flint
Spitz zulaufende Klinge aus Bryozoen-Flint