Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Archäoscan

Es begann mit einer Spielerei, auf die wir im Internet gestoßen sind: Multimedia-Künstler zeigen Ergebnisse einer neuen künstlerischen Technik, die das Medienzeitalter möglich gemacht hat:
Verschiedene dreidimensionalen Gegenstände werden auf einen gewöhnlichen Flachbettscanner gelegt, so, wie man früher Gegenstände auf Fotopapier zu "Fotogrammen" arrangierte. Das Ergebnis solcher Versuche überrascht - denn man erhält nicht irgendwelche flachen, schattenhaften Bilder, sondern fotorealistische Aufnahmen mit einer bestechenden Auflösung und einer erstaunlichen räumlichen Wirkung. 
Die Schärfentiefe ist höher als bei einer konventionellen Makrofotografie, insbesondere, wenn man die Bilder digital mit  Schärfungsfunktionen etc. weiterbearbeitet.

Im Unterschied zur digitalen Fotografie gilt für die Plastizität eine einfache Regel: was vorne liegt, ist heller, was sich weiter in der Tiefe befindet, wird dunkler. Der Eindruck ist ähnlich wie der von Rasterelektronenmikroskopaufnahmen. Mit dem Unterschied allerdings, daß die Scans farbig sind. Beim Scanvorgang erhält das Bild automatisch Größeninformationen der Objekte. In das Bild lassen sich anschließend Maßstäbe einkopieren; komplizierte Umrechnungsverfahren sind überflüssig.
Die perspektivische Verzerrung ist gering und kann bei flachen und kleinen Gegenständen vernachlässigt werden. Bildbereiche, die auf der Scannerplatte liegen, werden 1:1 abgebildet. Pro cm Abstand von der Platte werden die Gegenstände um den Faktor 0,97 verkleinert dargestellt. Je nach Scanner ist die Verzerrung allerdings unterschiedlich und muß ggf. überprüft werden.

Bei kleinen Objekten ist die perspektivische Verzerrung damit verschwindend gering - der Bildwinkel beträgt  z.B. bei einer Bilddiagonalen von 5 cm  ca. 7 Grad, bei einer Bilddiagonalern von 1 cm nur noch 1,3 Grad.

Die Detailgenauigkeit hängt natürlich von der Auflösung des Scanners ab. Bei 2400 dpi, das ist etwa die höchste Auflösung handelsüblicher Flachbettscanner der mittleren Preisklasse, können Details aufgelöst werden, die etwa 0,02 mm (ein Fünfzigstel  Millimeter) groß sind.  Ein 1 Quadratmillimeter großes Objekt enthält dann bereits 10.000 Bildpunkte. 

Was liegt also näher, als einmal archäologische Funde auf den Scanner zu legen ?

Die Autoren, Friederike Hertel und Chr.-Heinrich Wunderlich, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, möchten alle Interessierten zum experimentieren einladen...