Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
Sie sind hier: Startseite > Forschung > Weitere Projekte > Light-Kultur > Ein einfaches Licht > 
Deutsch | English

Ein einfaches Licht

Keine Erfindung von Josef Beys - Die Fettdecke mit Docht

Exponat 4
Exponat 4

Die ersten Fette, mit denen der Mensch - zumindest im mittel- und nordeuropäischen Raum - in Berührung kam,  sind bei Raumtemperatur eher talgartig - fest. Ein Vorläufer, vielleicht auch nur eine Art  Zwitter zwischen  Kerze und Öllampe können einfachen Fetthäufchen mit Docht gewesen sein. Ein Klumpen Talg oder Schmalz,  vielleicht nach einer erfolgreichen Jagd entbehrlich, mit einem Strang Pflanzenfasern oder Moos versehen, könnte schon in der Altsteinzeit eine primitive Lichtquelle abgegeben haben, ohne dass es dazu besonderer Vorrichtungen wie Lampenschalen (die es auch gab) bedurft hätte. Das Fett, das beim Brennen abfließt, konnte man  aufsammeln und wieder verwenden. Als Unterlage benötigt man dazu nur ein Stück Holz, einen Stein, ein Blatt...

Kluge Jungfrauen haben es in der Hand - Eine Schale, etwas Fett und einen Docht

Exponat 5: Ein Steinblock mit einer Mulde, die mit Fett gefüllt und einem Docht versehen, eine einfache Lampe abgibt.
Exponat 5: Ein Steinblock mit einer Mulde, die mit Fett gefüllt und einem Docht versehen, eine einfache Lampe abgibt.

Schalenlampen sind der einfachste und wohl auch älteste Lampentyp. Im Prinzip sind solche Lampen nichts anderes als eine Mulde aus einem feuerfesten Material. Im einfachsten Fall kann das schon eine künstliche oder natürliche Vertiefung in einem Steinblock sein.

In die Schale oder Mulde gibt man etwas Fett oder Öl, sowie einen Docht. Damit ist die Lampe im Prinzip fertig. Da geschmolzene Fette/ bzw. fette Öle sehr viskos sind, vermögen sie nicht, im Docht höher als 1-3 cm aufzusteigen. Das bedingt, dass alle Öl,- Talg und Tranlampen der Vorgeschichte flach gebaut sind - im Gegensatz zu den Petroleumlampen, die erst im 19. Jahrhundert aufkommen.

Exponate 8 und 9: Nachbildungen mittelalterlicher  Schalenlampe des 10. Jahrhunderts n. Chr. aus Haithabu. Nach einer Abbildung aus Radtke 2000.
Exponate 8 und 9: Nachbildungen mittelalterlicher Schalenlampe des 10. Jahrhunderts n. Chr. aus Haithabu. Nach einer Abbildung aus Radtke 2000.
Die Exponate zeigen zwei unterschiedliche Betriebsarten: - mehrere Dochte am Schalenrand Schalenrand - Turmdocht auf einem kleinen Stützkegel
Die Exponate zeigen zwei unterschiedliche Betriebsarten: - mehrere Dochte am Schalenrand Schalenrand - Turmdocht auf einem kleinen Stützkegel
Schalenlampe mit Turmdocht. Als Stütze für den Docht dient ein kleines Stück Kohle. Ist das die Lampe der klugen Jungfrau ?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Schalenlampen zu verwenden:

1.Eine Nahe liegende, und wohl oft praktizierte Methode ist, einen oder mehrere Dochte auf den Schalenrand zu legen. Die Flamme wird dadurch weniger abgeschattet, als wenn der Docht ohne besondere Unterstützung in der Mitte der Schale liegt. Nachteil: Die Dochte können verrutschen, beispielsweise auch in die Schale zurück fallen, und dabei "ertrinken".

2. Einen Schwimmdocht verwenden. Wie das im einzelnen funktioniert, wird im Kapitel "Glasschalenampel" erläutert. Vorteil: Die Flamme brennt gleichmäßig, die Höhe des Dochtes regelt sich von alleine mit fallendem oder steigendem Brennstoffvorrat. Nachteil: Große Abschattung, besonders, wenn der Brennstoffspiegel stark gefallen ist.

3. Verwendung eines "Turmdochtes" (Begriffseinführung durch den Autor).
Ein kleiner Hilfskegel, notfalls auch ein einfacher Stein, wird in die Mitte der Schale gesetzt. Er ragt um einiges über den Schalenrand hinaus. Auf diesen Hilfskegel werden ein oder mehrere Dochte gelegt und entzündet. Im allgemeinen steigt geschmolzenes Fett bzw. Öl in Dochten nicht sehr hoch auf. Durch den Stützkegel bedingt, vermutlich auch durch die geringe Viskosität des stark erhitzten Fettes - der Docht brennt in seiner vollen Höhe - kann der Brennstoff  im Docht höher (ca. 5-6 cm) aufsteigen als normal. Es entsteht eine fackelartige, spitze und hohe  Flamme. Da die Luft an der sehr langen Flamme kaminartig emporsteigen kann, wird die Flamme recht gut mit Luft versorgt, sie brennt erstaunlich hell. Dies gelingt jedoch nur bei Fetten mit geringen Anteilen ungesättigter Fettsäuren. Fette und Öle mit ungesättigten Fettsäuren polymerisieren bei dieser Hitze, sie werden zäh und können dann nicht mehr im Docht ausreichend hochsteigen.

Exponat 6: Nachbau einer altsteinzeitlichen Steinlampe

Vom Mittelalter gehen wir nun zurück in die Altsteinzeit, zu den ältesten bekannten Lampen der Menschheitsgeschichte.  In den altsteinzeitlichen Höhlen von La Mouthe und Lascaux sind steinerne, löffelartige Schalen gefunden worden, die als Lampen gedeutet werden. Es sind alles einfache Schalenlampen, die eine Ausbuchtung tragen, die man entweder als Griffe, oder auch als Dochtmulden deuten kann.

Einige der Lampen tragen im Rand eine kleine Kerbe, die eventuell eine Dochtablage war.  Die genaue Funktionsweise der Lampen ist nicht klar, vermutlich wurden sie in unterschiedlicher Weise benutzt, je nach dem, welche Art Licht man benötigte. Kleine Dochte konnte man über den Rand bzw. in die dafür vorgesehene Kerbe legen. Genauso könnte die Flamme auch in der Mitte der Fettschale gebrannt haben, etwa auf einem primitiven "Turmdocht" aus Moos, ggf. auf einem in die Mitte der Schale gelegtem Steinchen oder Holzkohle als Unterstützung. Vielleicht hat es auch schon Schwimmdochte gegeben. Denkbar ist auch, dass die Lampen einfach einen Fetthaufen ("Fettecke") enthielten, und vielleicht waren die Lampen Unterlagen für richtige Talgkerzen. Schließlich können die Lampen auch als Behältnis für kleine Holzfeuerchen (z.B. aus harzreichem Nadelholz) gedient haben. Dies wird von dem jeweils zur Verfügung stehendem Brennmaterial abhängig gewesen sein.

Schalenlampen sind zu allen Zeiten, bis in die jüngste Vergangenheit, benützt worden. Je nach Verwendungszweck und zur Verfügung stehendem Brenn- und Baumaterial gab es Variationen mit Standfuß, mit kleinen Henkeln als Handgriffe (Beispiel: römische Tiegellampen) oder zum Aufhängen, so wie die vielleicht älteste Lampe Sachsen-Anhalts, der Trichterbecher mit Innenösen aus Alsleben. 

Die einfache Bauart der Schalenlampen   macht es schwierig, sie im archäologischen Fundmaterial zu identifizieren.   Beispielsweise gibt es in der Sammlung des Landesmuseums für Vorgeschichte eine kaum zu übersehbare Zahl von gehenkelten, flachen Schalen aus der Bronzezeit, etwa solchen der Lausitzer Kultur. Solche Schalen eigen sich hervorragend als Lampen, wie man im Experiment auch leicht zeigen kann. Aber: Beweise gibt es nicht - bislang jedenfalls. Fehlende Schmauchspuren sagen nichts aus, denn auch bei den meisten der römischen Lampen fehlen diese Spuren völlig.

Exponat 10 : Sogenannte "Tuellenlampen", eine originelle römische Konstruktion (Loeschke Typus XIV), 1.-2. Jahrhundert n. Chr. (Nachbauten), bevorzugtes Verbreitungsgebiet Nordgallien. In der Mitte der Schale befindet sich ein Ring, der ein oder mehrere Schlitze hat, durch die der Brennstoff vom ringförmigen Vorratsbehälter in die Dochttülle fließen kann. (vgl. Goethert 1997)