Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Mai: Sangerhausen, Ortsteil Wippra: Museums- und Traditionsbrauerei

Abb. 1: Wippra, Museums- und Traditionsbrauerei, Sudhaus.

Die Ortschaft Wippra am südöstlichen Harzrand ist ein Teil der Stadt Sangerhausen. Erstmals erwähnt wird es im Hersfelder Zehntverzeichnis. Anfang des 11. Jahrhunderts wird hier eine Burg erbaut. Nach mehreren Eigentümerwechseln gelangte Wippra Mitte des 15. Jahrhunderts in den Besitz der Mansfelder Grafen, die es später in das Amt Rammelburg eingliederten.

Seit 1480 wird an dem heutigen Standort Bier gebraut. Zum Bau der Brauerei sollen auch Balken aus der St.-Veits-Kirche, der ersten Pfarrkirche Wippras, verwendet worden sein, wie Cyriakus Spangenberg in seiner Mansfeldischen Chronik berichtet. Nach einer weiteren Nachricht aus dem Jahre 1552 durfte im Amt Rammelburg nur Bier aus dem Brauhof Wippra ausgeschenkt werden. Die Brauerei gehörte dem Amt, bis sie Mitte des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz überging. Im Jahre 1905 wurde das Göpelwerk durch eine Dampfmaschine ersetzt. Seit 1919 firmierte sie als Brauerei König, bis sie 1970 zum Volkseigenen Betrieb wurde und der Mammut-Brauerei Sangerhausen angegliedert wurde. Nach der Wende scheiterten mehrere Versuche, die Brauereitradition aufrecht zu erhalten. Seit 2002 wird hier wieder Bier gebraut, neben Pilsner und Bock auch verschiedene Sorten Craft Beer. Heute werden wieder jährlich 2500 Hektoliter Bier hergestellt und wie vor 100 Jahren live gebraut. Das historische Sudhaus, das man 1905 erbaute, und die Transmissionsanlage, die alle Rührwerke und die Schrotmühle antreibt, erfüllen immer noch ihren Zweck (Abb. 1–2). Der historische Eiskeller, der direkt in den Fels getrieben und in dem im Winter Eis für die warme Jahreszeit eingelagert wurde, dient heute der Lagerung von Jahrgangsbieren (Abb. 3).

Abb. 2: Malzboden.
Abb. 3: Eiskeller.

Text: U. Steinecke
Fotos: G. Preuß
Redaktion: S. Meinel, U. Steinecke
Internet: J. Kruse