Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Mai: Die Konradsburg südlich der Stadt Ermsleben

Abb. 1: Die Konradsburg aus der Ferne

Die malerisch in den nordöstlichen Ausläufern des Unterharzes auf einem Bergsporn rund 1,5 Kilometer südlich der Stadt Ermsleben an der Selkeniederung gelegene Konradsburg gehört nicht zuletzt wegen der überkommenen Reste des ehemaligen Benediktinerklosters zu den Monumenten von nationaler kultureller Bedeutung.

Von dem 236 Meter ü. NN aufragenden Burgplateau schweift der Blick an klaren Tagen nach Nordwesten über die alte Reichsstadt Quedlinburg bis zum Brocken.

Von der um 1200 ins Werk gesetzten Klosterkirche St. Sixtus sind nur die Ostteile mit Presbyterium beziehungsweise Sanktuarium und Krypta sowie Teile der nördlichen Querhauswand in Folge der Besetzung und Plünderung am 2. Mai 1525 durch aufständische Bauern und späteren Teilniederlegung des zu dieser Zeit dem Kartäuserorden zugehörigen Klosters erhalten geblieben. Georg Dehio bezeichnete in seinem Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler die ornamentalen Schmuckformen der Pfeiler und Säulen in der reich gestalteten Krypta als »Prachtstücke blühendster romanischer Dekorationskunst«.

Die Entstehung der Benediktinerabtei zwischen 1120 und 1133 ist auf die Umwandlung des ehemaligen Stammsitzes der Herren von Konradsburg, den späteren Falkensteiner Grafen, zunächst in ein Kollegiatstift zurückzuführen. Einem für die salisch-staufische Epoche durchaus üblichen Stiftungsvorgang, der dem jeweiligen Grundherrn Eigenkirchenrecht und Vogteischutz sicherte. Der großartige Neubau der kreuzförmigen gewölbten Basilika im »Gebundenen System« steht in der baukünstlerischen Tradition der Sakralbauten »Sächsischer Provenienz«. In der Ausbildung des dreiapsidialen Chorschlusses und der dreischiffigen Anlage des Presbyteriums mit erhöhten Seitenschiffen finden sich typische Stilmerkmale der altcluniazensisch-benediktinischen Reformbaukunst. In der Bauornamentik der fünfschiffigen Hallenkrypta mit dreijochiger Längsstreckung, welche sich unter dem gesamten Chor ausdehnt, zeigt sich starker französisch-rheinischer Einfluss.

Von der ursprünglichen Ausstattung ist der lebensgroße frühgotische Triumphkruzifixus einschließlich Trägerkreuz von um 1230 erhalten.

Abb. 2: Blick ins Innere

1526 erfolgte die Aufgabe des Klosters sowie dessen Säkularisierung und Umwandlung in ein landwirtschaftliches Lehngut. Von 1712/13 bis 1945 diente die Konradsburg als Vorwerk der preußischen Domäne Ermsleben. Anschließend wurde der Domänenbetrieb aufgelöst und Neubauern angesiedelt. Mit der Übernahme der Gesamtanlage im Jahr 1996 durch die Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt setzten verstärkte Bemühungen zur kontinuierlichen Sicherung, Instandsetzung und Restaurierung aller baulichen Anlagen ein, deren museale Präsentation und Nutzung vom Förderverein Konradsburg e. V. wahrgenommen werden.

Als Teil der 1993 ins Leben gerufenen Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt, einem Abschnitt der europäischen Transromanica, genießt die Konradsburg ein hohes touristisches Ansehen.

 

 

Text: A. Huth

Fotos: G. Preuß

Redaktion: S. Meinel; U. Steinecke

Internet: M. Albrecht