Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Januar: Die ehemalige Benediktinerinnenklosterkirche St. Peter und Paul in Hadmersleben

Abb. 1: Hadmersleben, ehemalige Benediktinerinnenklosterkirche St. Perter und Paul, Türzieher in Löwenkopfform. Foto: Gunar Preuß © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Am Südportal der Klosterkirche Hadmersleben befindet sich ein bedeutendes Zeugnis romanischen Kunsthandwerks, ein Türzieher in Form eines Löwenkopfes. Dieser Türzieher ist kein dekoratives Accessoire oder lediglich Gebrauchsgegenstand, vielmehr handelt es sich um ein sakrales Ausstattungsstück mit ikonographischem Bedeutungsgehalt.

Der in Bronze gegossene Türzieher hat einen Durchmesser von 20 cm, der plastisch herausgearbeitete Löwenkopf steht etwa 10 cm vor. Der ohnehin stark modellierte Löwenkopf wird durch Gravuren und Schraffuren weiter belebt. Augenfällig sind die stark gepolsterte, pilzförmig ausgebildete Nase, die durch Schraffuren angedeutete gestauchte Schnauze, die stilisierten Barthaare, die durch radiale Linienpaare plastisch gestaltete Überaugenwulst und die großen Augen mit tief gebohrten Pupillen. Aus dem Maul, das den großen Ring hält, ragt mittig die ausmodellierte Zunge. Gerahmt wird der Löwenkopf von einer prächtigen Mähne in Form zweier gegeneinander versetzter Strahlenringe. Die Strahlenringe sind aus einzelnen, nach außen spitz zulaufenden Zotteln gebildet.

Der Löwenkopf als Element von Türziehern ist im Mittelalter weit verbreitet, er findet sich vorwiegend an Pforten sakraler Bauten. In der christlichen Ikonographie wird der Löwenkopf verschieden gedeutet. Der Löwenkopf kann als Wächter des Kircheninnenraumes dienen. Dem Löwen kann als Bestie ein negativer Symbolcharakter zugesprochen werden. Eine positivere Deutung des Löwen sieht diesen als ein Symbol Christi an. Verwiesen wird dabei auf eine Stelle im Physiologus, in der es heißt: Immer wenn der Löwe in der Höhle schläft, sind seine Augen wach. Analog dazu wird der Psalm 121,4 angeführt: Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Zu dieser Deutung kommt es vor allem auf Grund der zumeist überproportional groß dargestellten und offenen Augen bei den Löwenkopfskulpturen der Türzieher. Der Löwenkopf aus Hadmersleben streckt dem Betrachter die Zunge entgegen, dies kann als ein Zeichen von Hohn und Verachtung gedeutet werden, sodass hier eine apotropäische Symbolik wahrscheinlich ist.

Der Löwenkopf vom Südportal der Klosterkirche Hadmersleben wird durch stilistische und ikonographische Vergleiche auf das frühe 13. Jahrhundert datiert. Er könnte somit in der spätromanischen Umbauphase des Klosters um 1220/30 seinen Ursprung haben. Hergestellt wurde der Türzieher aus Hadmersleben vermutlich in der zu dieser Zeit äußerst produktiven Magdeburger Gießhütte. Das Original wird heute in der Pfarrei verwahrt, an der Tür findet sich eine Replik.
Das Kloster in Hadmersleben wurde 961 von Bischof Bernhard von Halberstadt als Benediktinerinnenkloster gegründet. Es handelt sich um eine äußerst großzügig angelegte bauliche Anlage mit Kirche, Kreuzgang, Klausur und Wirtschaftshof. An die Anlage schließt ein großflächiger Landschaftspark an.

Abb. 2: Unterkirche, südliches Seitenschiff. Foto: Gunar Preuß © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.

Text: Laura Onnertz
Fotos: Gunar Preuß
Redaktion: Sabine Meinel, Barbara Pregla, Uwe Steinecke
Internetredaktion: Georg Schafferer