Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Gröbern

Tod am See

Schon bei der Entdeckung des Waldelefanten in Gröbern im Jahre 1987 fielen zwischen den Knochen Steinartefakte auf, die eine Anwesenheit des Menschen an dieser Stelle belegen. Bei der Ausgrabung im Braunkohletagebau konnten die Mitarbeiter vom Landesmuseum in Halle insgesamt 27 Steinwerkzeuge bergen. Einige weitere kamen später noch hinzu, so etwa bei der Freilegung des Schädels. Es handelt sich bei diesen Funden ausschließlich um nicht präparierte Feuersteinabschläge. Diese sind in ihrer Einfachheit typisch für das archäologische Material, welches wir aus der letzten Warmzeit kennen. Die Eemwarmzeit, die vor etwa 125.000 Jahren das Klima in Mitteleuropa bestimmte, ist die vorletzte bekannte Wärmeperiode. Mit dem heutigen Holozän herrscht zwar auch eine recht günstige Phase der Erdgeschichte, in der Zeit des Eems waren die Temperaturen jedoch im Schnitt noch um ein paar Grade wärmer.

 

Inszenierung des Elefantenschlachtplatzes von Gröbern im Landesmuseum © LDA Sachsen-Anhalt (Foto: Juraj Lipták)
Inszenierung des Elefantenschlachtplatzes von Gröbern im Landesmuseum (© LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták)

Der Elefant von Gröbern erreichte eine ungefähre Höhe von 4,20 m und war ein ausgewachsener Bulle, der um die vierzig Jahre alt geworden ist. Wie kann man sich eine Jagd auf solch ein Tier vorstellen? Anhaltspunkte liefern hier ethnographische Beispiele von Elefantenjagden im zentralafrikanischen Regenwald. Einige der hier lebenden Pygmäengruppen praktizierten bis in das 20. Jahrhundert hinein eine traditionelle Jagd, bei der ausschließlich Stoßlanzen zum Einsatz kamen. Aus der Deckung heraus versuchten die Jäger das Tier entweder an der Blase oder im Bauchbereich zu verletzen, was zu schwerwiegenden Entzündungen und schließlich zum Tode führte. Um ihre Schmerzen zu lindern, suchen heutige Elefanten oftmals Gewässer auf. Vielleicht ist dieses Verhalten dann auch der Grund, warum der Waldelefant von Gröbern letztlich im flachen Uferwasser eines Sees verendete.

In der Ausstellung werden diese dramatischen Möglichkeiten durch die Gegenüberstellung lebensgroßer Rekonstruktionen eines Waldelefanten und dreier Neandertaler ausgedrückt, die durch eine Bildergeschichte verbunden werden. Dazwischen liegen die Ergebnisse des damaligen Geschehens, das uns letztendlich verschlossen bleibt: das Knochenbett, die Reste der vergangenen Umwelt und die Schlachtgeräte selbst.

Dabei handelt es sich um wenig aufwändig hergestellte Steinwerkzeuge. Wir haben es hier mit einer faszinierenden Momentaufnahme zu tun, die zeigt, dass die Werkzeuge nur für einen bestimmten Zweck direkt vor Ort, wahrscheinlich nur wenige Meter vom Kadaver entfernt, von Feuersteinkernen abgeschlagen und sofort zum Abtrennen von Fleischpartien eingesetzt wurden. Anschließend ließ man sie beim zerfallenden Tierkörper liegen und zog weiter.