Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Neumark-Nord

Leben und Sterben in den Jagdgründen des Menschen vor 200.000 Jahren

Freigelegte Überreste eines Waldelefanten im Jahre 1996 © LDA Sachsen-Anhalt
Freigelegte Überreste eines Waldelefanten im Jahre 1996 (© LDA Sachsen-Anhalt)

Mit dem Inventar der Fundstelle von Neumark-Nord ist in den1990er Jahren wieder ein wichtiger altsteinzeitlicher Fundkomplex in die Bestände des Landesmuseums zurückgekehrt. Seit seiner Bergung zwischen 1985 und 1996 waren die Funde beim Ausgräber Prof. Dietrich Mania in der Forschungsstelle Bilzingsleben gelagert und einer ersten Auswertung unterzogen worden. Der Fundplatz von Neumark-Nord wies einst eine abwechslungsreiche Umwelt auf: Lockere, mit Gebüsch, Gräsern und einer dichten Krautschicht durchsetzte Wälder bedeckten vermutlich das Seeufer. Darüber hinaus breiteten sich wohl hauptsächlich offene Wiesensteppen mit Federgras aus. Diese Vegetation hat in besonderem Maße große Pflanzenfresser begünstigt, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ein Hauptteil der Funde aus den Skeletten von Großtieren, die sich vegetarisch ernährten, besteht. Besonders am Süd- und Westufer fanden sich teilweise regelrechte Knochenfelder. Interessant ist dabei, dass sehr viele dieser Skelette vollständig sind und die Tiere weder von Menschen noch von Raubtieren erlegt wurden. Vielleicht sind sie auf der Flucht in den Schlamm des flachen Ufers geraten und konnten sich nicht mehr befreien. Man entdeckte ebenfalls größere Ansammlungen von Waldelefantenstoßzähnen, die anscheinend zusammengetragen worden sind.

Zahlreiche Hinweise auf menschliche Aktivitäten fanden sich im Umfeld des Sees. Hierbei lassen sich interessante Unterschiede zwischen der unteren und der oberen Uferzone feststellen: Nahe dem See bestanden wohl hauptsächlich die Schlachtplätze mit dementsprechend gestalteten Steingeräten. Ganz anders hingegen sind die Hinterlassenschaften auf der oberen Uferzone. Hier sind vermutlich die Rastplätze der Jäger zu lokalisieren, hier wurde die Nahrung zubereitet und verspeist, wurden Geräte hergestellt und repariert. Darauf deuten beispielsweise entsprechende Tierknochen, die man oft zerschlug, um an das Mark zu gelangen.