Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Mittlere Bronzezeit

Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends war hierzulande das vormals so prosperierende Wirtschaftsgefüge zerfallen. Zwar produzierte man im Vergleich zu den frühbronzezeitlichen Legierungen nun relativ standardisierte Zinnbronzen mit verbesserter Härte und Elastizität. Doch trotz dieses technologischen Fortschritts lässt die Fundarmut in den vormals reichen Gebieten eher einen kulturellen Niedergang am Übergang von Früh- zu Mittelbronzezeit vermuten. Mitteldeutschland fungierte nicht mehr als Drehscheibe zwischen Ostseegebiet und Alpenraum. Der profitable Fernhandel mit begehrten Gütern wie Bernstein und Bronze hatte sich auf Routen verlagert, die außerhalb des Machtbereichs der hiesigen Zentralherrschaften lagen. Der ökonomische Einbruch führte zur Auflösung der extrem hierarchisierten und überregional organisierten Gesellschaften. Festzustellen ist ein Bevölkerungsschwund sowie ein Aufsplittern in regionale und lokale Gruppen mit eigenem Trachtschmuck. Hierarchien gab es zwar weiterhin, doch flacher gestuft. Die zentralfürstlichen Monopole waren gebrochen. Größere Bevölkerungsteile hatten nun Zugriff auf Bronzegüter.

Blockbergung der Bestattung einer Dame mit aufwändigem Kopfputz aus Oechlitz (ca. 1.550–1.250 v. Chr.). Foto: Andrea Hörentrup © LDA Sachsen-Anhalt

Prinzipiell hielt man im Bestattungsbrauchtum weiterhin an der Einzelgrabsitte fest. Allerdings änderte sich die Körperausrichtung des Leichnams wie auch die Grabform grundlegend. Die Toten wurden nun ebenerdig auf dem Rücken unter einem Grabhügel bestattet, weshalb diese Phase auch Hügelgräberzeit (1550 – 1250 v. Chr.) heißt. Nur in Ausnahmefällen beherbergte ein Hügel mehrere Mitglieder einer Familie – den ranghöchsten Mann im Zentrum, umgeben von den weiteren Personen. Doch im Unterschied zur vorangegangenen Gepflogenheit erhielten nun nicht nur Fürsten und Häuptlinge, sondern weitaus breitere Teile der Bevölkerung Trachtschmuck oder Waffen mit ins Grab. Und anders als zuvor legte man auch Wert auf eine geschlechtsabhängige Grabausstattung. Mit diesen individuellen Beigaben ließ man noch im Tod sowohl seine kulturelle als auch gesellschaftliche Zugehörigkeit erkennen. Die Popularisierung der Waffenbeigabe ist aber auch ein Hinweis auf die notwendige Wehrhaftigkeit zu Lebzeiten. Offenbar ist es politisch unruhiger geworden.