Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Juni: Eine frühbronzezeitliche Grabgruppe mit Holz- und Steineinbauten aus Bad Lauchstädt (Saalekreis)

Einleitung - Die Ausgrabung an der ICE-Trasse bei Bad Lauchstädt

Im Zuge der geplanten ICE-Neubaustrecke Erfurt-Halle/Leipzig sind im Vorfeld des Baubetriebs archäologische Arbeiten erforderlich. Diese erstrecken sich im Bereich der Querfurter Platte auf eine Länge von ca. 22 km und betreffen im Abschnitt 2.4/X eine Fläche von über 15 ha Größe östlich des Ortskerns von Bad Lauchstädt im Saalekreis.
Die archäologischen Untersuchungen an der neuen ICE-Trasse haben Mitte September 2008 begonnen und werden bis Ende Juni 2010 andauern.

 

Befunde der Aunjetitzer Kultur in Bad Lauchstädt

Neben Befunden anderer Zeitstellung (Endneolithikum, jüngere Bronzezeit, Neuzeit) dominieren in Bad Lauchstädt Hinterlassenschaften der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur (ca. 2300-1600 v. Chr.), die sich aus Siedlungsbefunden und Gräbern zusammensetzen.
Auf einer abgeschlossenen Fläche südlich der Laucha konnte wenig entfernt von den Spuren eines Pfostenständerhauses eine frühbronzezeitliche Grabgruppe mit elf Bestattungen dokumentiert werden. Die Körpergräber waren in Form einfacher Erdgräber angelegt, lediglich in einem Befund waren deutlich die Spuren eines kistenartigen Holzeinbaus erkennbar. Steinerne Konstruktionsmerkmale konnten dagegen nicht festgestellt werden. Neben den regulären Aunjetitzer Bestattungen wurden auf der Südfläche mehrere Tote in ausgedienten Siedlungsgruben beigesetzt.
Nördlich der Laucha konzentrieren sich die Befunde der Aunjetitzer Kultur auf zwei Streifen nördlich und südlich der L 172. Sie bestehen aus Siedlungsgruben mit Keramikscherben, Tierknochen und Hüttenlehm, also Lehmbewurf von Hauswänden. Das keramische Inventar besteht vor allem aus grobem, gerautem, oft mit plastischen Leisten versehenem Gebrauchsgeschirr, enthält jedoch mehrfach auch klassische Aunjetitzer Tassen, die eine Einordnung in die jüngeren Stufen dieser Kulturgruppe ermöglichen. Außerdem konnten drei Körper- und zwei Siedlungsbestattungen dokumentiert werden, die ebenfalls der Aunjetitzer Kultur zugerechnet werden können. Zwei dieser Körpergräber waren einzeln liegende einfache Erdbestattungen. Das dritte lag ebenfalls vereinzelt und erbrachte erstmals den Nachweis eines kombinierten Holz- und Steineinbaus. Die nur partiell zu beobachtenden Verfärbungen des Holzeinbaus deuten - wie bei dem Beispiel von der Südfläche - auf eine kistenartige Konstruktion hin, bei der die Bretter der Längsseiten über die der Schmalseiten überstehen (Abb. 1). Die Anordnung der Steine zeigt, dass diese einerseits seitlich um den Holzeinbau gestellt wurden und andererseits den Einbau abdeckten. Parallelen zum Grabbau liefert eine seit Herbst 2009 in Arbeit befindliche Grabgruppe, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.

Abb. 1: Bef. 60203, Planum 6. Mit roten Pfeilen gekennzeichnet sind die Reste der Verfärbung des Holzeinbaus auf der Südseite. Die steinernen Konstruktionsmerkmale bestehen aus seitlich um den Totenschrein angeordneten, teilweise daran angelehnten Blöcken bzw. Platten einerseits und andererseits aus Decksteinen, die auf dem Holz auflagen.
Abb. 1: Bef. 60203, Planum 6. Mit roten Pfeilen gekennzeichnet sind die Reste der Verfärbung des Holzeinbaus auf der Südseite. Die steinernen Konstruktionsmerkmale bestehen aus seitlich um den Totenschrein angeordneten, teilweise daran angelehnten Blöcken bzw. Platten einerseits und andererseits aus Decksteinen, die auf dem Holz auflagen.

Die Aunjetitzer Grabgruppe mit bemerkenswerten Einbauten

Abb. 2: Die Befunde der Grabgruppe (Bef. 60480-60483, 60650) im 1. Planum. Bef. 60650 war aufgrund der hellen Verfüllung zunächst nicht erkannt worden und liegt hier noch nicht vollständig frei, sondern ist noch teilweise von der Schnittkante verdeckt.
Abb. 2: Die Befunde der Grabgruppe (Bef. 60480-60483, 60650) im 1. Planum. Bef. 60650 war aufgrund der hellen Verfüllung zunächst nicht erkannt worden und liegt hier noch nicht vollständig frei, sondern ist noch teilweise von der Schnittkante verdeckt.

 Die rechteckigen Verfärbungen direkt südlich der L 172 legten aufgrund ihrer Größe und Ausrichtung bereits von Beginn an eine Deutung als Körpergräber nahe (Abb. 2). Es handelt sich um eine kleine Gruppe mit mindestens fünf dicht beieinander liegenden Bestattungen. Etwa 60 m westlich der Grabgruppe wurde ein sechster, in gleicher Ausrichtung angelegter Befund angetroffen, dessen Ansprache als Grab aufgrund des Fehlens von Knochen zwar nicht gesichert, ob des Fundes einer bronzenen Nadel aber als wahrscheinlich einzustufen ist. Gut 40 m südöstlich des kleinen Gräberfeldes liegt eine Siedlungsbestattung, die ebenfalls in die Aunjetitzer Kultur zu stellen ist.

Bestattungssitte

Die Grabgruben liegen neben- und hintereinander in gleicher bzw. nur leicht abweichender Ausrichtung etwa auf dem höchsten Punkt des aufgezogenen Schnittes und nehmen somit offensichtlich Bezug zueinander. Kleine Grabgruppen, bestehend aus mehreren, allerdings selten mehr als zwanzig Bestattungen, sind für die Zeit der Aunjetitzer Kultur in dieser Region prägend. Darüber hinaus kommen - wie auch in Bad Lauchstädt - ferner einzeln gelegene Körperbestattungen ohne Anbindung an eine Grabgruppe und in Ausnahmefällen auch größere Gräberfelder vor.
Die Lauchstädter Bestattungen sind Südost-Nordwest oder Südsüdost-Nordnordwest orientiert. Die Toten wurden - soweit nachweisbar - mit dem Kopf im Südosten/Südsüdosten mit Blickrichtung nach Nordosten/Ostnordosten in gehockter Position auf der rechten Körperseite liegend beigesetzt. Auch bei den Befunden mit schlechter oder fehlender Skeletterhaltung lässt sich aufgrund der vorhandenen Zähne zumindest die Position des Schädels in der südlichen Hälfte nachvollziehen. Mehrfachbestattungen sind nicht überliefert, für jedes Individuum - auch für Kinder - wurde eine eigene Grablege errichtet. Die Befunde lassen sich in allen Punkten mit der Bestattungsnorm der Aunjetitzer Kultur in Einklang bringen, die leichten Abweichungen von der angestrebten Süd-Nord-Ausrichtung der Grabgruben und Skelette lassen sich auch andernorts in Mitteldeutschland immer wieder feststellen.

Die Grabgruben sind abgerundet rechteckig bis oval, in einem Fall trapezförmig. Die Längen liegen zwischen 1,40 m und 2,00 m, die Breiten zwischen 1,15 m und 1,50 m.
Die Knochenerhaltung ist überwiegend schlecht, lediglich in einem Fall war das Skelett so gut wie vollständig und die Knochensubstanz noch recht stabil. Vermutlich besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen verstärkter Knochenzersetzung und hölzernen Grabeinbauten, da das gut erhaltene Skelett als einziges nicht in einem Holzeinbau beigesetzt wurde.

Abb. 3: Der Napf aus Bef. 60483, Planum 6, in Fundlage.
Abb. 3: Der Napf aus Bef. 60483, Planum 6, in Fundlage.
Abb. 4: Lage der Ösenkopfnadel in Bef. 60481, Planum 2.
Abb. 4: Lage der Ösenkopfnadel in Bef. 60481, Planum 2.

Funde

Die Funde aus der Grabgruppe umfassen keramische und bronzene Gegenstände. In zwei Bestattungen wurden Keramikgefäße geborgen: In dem einen Fall handelt es sich um ein beschädigtes bauchiges Gefäß, von dem nur die Unterseite erhalten war, im anderen um einen vollständigen kleinen Napf mit leicht ausbauchender Wandung (Abb. 3).
In beiden Gräbern kamen zudem bronzene Ösenkopfnadeln zutage, die als Leitfossil des so genannten klassischen, jüngeren Abschnitts der Aunjetitzer Kultur gelten. In Bef. 60481 fand sich die Nadel im Bauchbereich des bestatteten Individuums (Abb. 4). In Bef. 60483 wurden sogar zwei Exemplare geborgen. Aufgrund der recht starken Korrosion aller Stücke ist nach derzeitigem Bearbeitungsstand (unrestauriert) nicht zu erkennen, ob die Nadeln eine Schaftverzierung aufweisen, was als tendenziell jüngeres Kennzeichen innerhalb der Laufzeit des Nadeltyps gilt. Grab 60480 enthielt eine Bronzenadel, bei der bedauerlicherweise der chronologisch relevante Kopf fehlt. Da das Fragment jedoch wie die drei Ösenkopfnadeln das Merkmal eines aufgebogenen Schaftendes aufweist, kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass auch diesem Grab eine Nadel des oben genannten Typs beigegeben wurde. Im unsicheren Grabbefund westlich der Gruppe wurde ebenfalls eine solche Gewandschließe gefunden. Demnach kann eine frühbronzezeitliche Datierung der Grabgruppe als gesichert gelten, aufgrund der Ösenkopfnadeln lässt sie sich zumindest für drei Gräber auf einen jüngeren Abschnitt der Aunjetitzer Kultur präzisieren. Die keramischen Beigaben sind nicht genauer einzugrenzen bzw. chronologisch eher unempfindlich. Auffällig ist, dass die einzigen Bestattungen ohne Beigabennachweis die Grablegen von kindlichen Individuen darstellen (Bef. 60482, 60650). Grundsätzlich wurden in der Aunjetitzer Kultur aber auch Kinder mit Gegenständen im Grab bedacht und die Tatsache, dass in Bad Lauchstädt auch für die Grablegen Minderjähriger relativ großer Aufwand betrieben wurde (s. u.), spricht gegen eine gesellschaftliche Geringschätzung oder Abwertung (zumindest im Tod).

Abb. 5: Holzverfärbungen in Bef. 60483, zwischen Planum 3 und 4. Es ist erkennbar, dass sich die Holzspuren nur teilweise und besonders in helleren Arealen abzeichnen. In der gesamten dunkel verfüllten Südosthälfte fehlt der Nachweis des Holzbaus.
Abb. 5: Holzverfärbungen in Bef. 60483, zwischen Planum 3 und 4. Es ist erkennbar, dass sich die Holzspuren nur teilweise und besonders in helleren Arealen abzeichnen. In der gesamten dunkel verfüllten Südosthälfte fehlt der Nachweis des Holzbaus.
Abb. 6: Bef. 60480, Planum 3. Die Spuren des Holzsarges sind nur im hell verfüllten, stärker sandigen Nordwestende der Grabgrube zu beobachten.
Abb. 6: Bef. 60480, Planum 3. Die Spuren des Holzsarges sind nur im hell verfüllten, stärker sandigen Nordwestende der Grabgrube zu beobachten.
Abb. 7: Bef. 60482, Planum 8. Mit Ausnahme der dunkleren Nordwestecke sind die Standspuren des Holzeinbaus fast durchgehend zu erkennen.
Abb. 7: Bef. 60482, Planum 8. Mit Ausnahme der dunkleren Nordwestecke sind die Standspuren des Holzeinbaus fast durchgehend zu erkennen.
Abb. 8: Bef. 60650, Planum 3. Die Holzverfärbungen sind außer in der gestörten Südostecke gut erhalten und zeichnen sich scharfkantig ab. Der größere Stein in der Nordhälfte muss auf der Holzkonstruktion aufgelegen haben. Die Grabgrube ist aufgrund ähnlicher Verfüllung in weiten Teilen kaum vom umgebenden Sediment abzugrenzen.
Abb. 8: Bef. 60650, Planum 3. Die Holzverfärbungen sind außer in der gestörten Südostecke gut erhalten und zeichnen sich scharfkantig ab. Der größere Stein in der Nordhälfte muss auf der Holzkonstruktion aufgelegen haben. Die Grabgrube ist aufgrund ähnlicher Verfüllung in weiten Teilen kaum vom umgebenden Sediment abzugrenzen.
Abb. 9: Bef. 60650. Das 4. Planum wurde nur innerhalb der schon in Planum 3 erkennbaren Holzverfärbung angelegt, da zu befürchten stand, dass sich die Spuren auf Höhe des Skelettes schon aufgelöst haben könnten. Es handelt sich um die Bestattung eines etwa 10-12jährigen Kindes.
Abb. 9: Bef. 60650. Das 4. Planum wurde nur innerhalb der schon in Planum 3 erkennbaren Holzverfärbung angelegt, da zu befürchten stand, dass sich die Spuren auf Höhe des Skelettes schon aufgelöst haben könnten. Es handelt sich um die Bestattung eines etwa 10-12jährigen Kindes.

Die Grabeinbauten

Die untersuchte Grabgruppe ist vor allem hinsichtlich ihrer Einbauten von wissenschaftlichem Interesse. Von den fünf gesicherten Grabanlagen beinhalten zwei einen kombinierten Holz- und Steineinbau (Bef. 60482, 60483) und zwei weitere eine hölzerne Konstruktion ohne komplexere steinerne Architektur, wobei Bef. 60480 möglicherweise sekundär geöffnet (Steine evtl. entfernt) und Bef. 60650 auf der Nordseite mit einem größeren rundlichen Findling abgedeckt wurde. Lediglich in einer, zudem sehr flachen Grabgrube (Bef. 60481) fanden sich weder Spuren eines hölzernen noch eines steinernen Einbaus.

Die Holzkonstruktionen lassen sich in Form schmaler, meist rotbrauner, streifenförmiger Verfärbungen fassen. Vom Holz selbst haben sich bis auf wenige, beim Bergen zerfallene Reste keine Rückstände erhalten. Die Einbauten zeichneten sich nicht immer im gesamten Grabinnenraum, sondern mitunter nur partiell ab (Abb. 5 und 6). In den Befunden 60482 und 60650 sind die Holzspuren hingegen sehr gut und fast durchgehend erhalten (Abb. 7 und 8). Die Innenmaße der hölzernen Totenschreine dieser beiden Befunde betragen etwa 0,80-0,90 m x 0,40 m und 1,00 m x 0,55 m. Die recht geringen Abmessungen zeigen, dass es sich um Kinderbestattungen handelt, was durch die Skelettreste (Abb. 9) bzw. Zähne untermauert wird. Bei den beiden anderen Befunden lassen sich nur die Breiten der Särge bestimmen, die bei ca. 0,50 m bzw. 0,75 m liegen. Bei Bef. 60483 lässt sich die Länge des Einbaus durch die Erstreckung der steinernen Abdeckung in etwa abschätzen und kann mit etwa 1,30 m angegeben werden.

 

Die Verfärbungen bezeugen, dass die Einbauten aus Brettern mit einer Stärke von 2 bis 3 Zentimetern gefertigt wurden. Alle vier Befunde mit hölzerner Konstruktion weisen das gleiche Merkmal auf: Die Längsbretter überragen den Abschluss der Schmalseiten um 5 bis knapp 10 Zentimeter. Dieses Kennzeichen wiesen auch zwei oben erwähnte, schon zuvor untersuchte Aunjetitzer Bestattungen auf (siehe Abb. 1), was für eine einheitliche, gewissermaßen normierte „Grabarchitektur“ spricht. Die Bauten wurden ohne Verwendung von metallenen Verbindungsstücken gefertigt, die Bretter wurden vermutlich eingezapft. Der Grund für diese Bauweise ist vermutlich in einer besseren Handhabung zu suchen. Dass diese Holzeinbauten nicht nur aus einem Rahmen bestanden, sondern eine geschlossene, sargartige Konstruktion bildeten, ist anhand des Befundes 60650 eindeutig abzulesen: Im Profil zeichneten sich sowohl die später eingestürzte Abdeckung (Abb. 10) als auch der Boden (Abb. 11) in wünschenswerter Klarheit ab. Die Befunde 60482 und 60483 bestätigen durch die Anordnung der Decksteine, dass eine Holzabdeckung vorhanden gewesen sein muss, auch wenn diese hier nicht durch Verfärbungen belegt ist.

Abb. 10: Im Profil von Bef. 60650 werden nicht nur die Verfärbungen der Seitenwände des Sarges, sondern auch diejenigen der später verstürzten Abdeckung sichtbar.
Abb. 10: Im Profil von Bef. 60650 werden nicht nur die Verfärbungen der Seitenwände des Sarges, sondern auch diejenigen der später verstürzten Abdeckung sichtbar.
Abb. 11: Bef. 60650. Zwischen Planum 3 und 4 sind ringsum die Spuren des Bodens der Holzkonstruktion zu beobachten. Zusätzlich lässt sich die Existenz eines Bodens an der rotbraunen Verfärbung im Bereich des Unterkörpers des Individuums ablesen.
Abb. 11: Bef. 60650. Zwischen Planum 3 und 4 sind ringsum die Spuren des Bodens der Holzkonstruktion zu beobachten. Zusätzlich lässt sich die Existenz eines Bodens an der rotbraunen Verfärbung im Bereich des Unterkörpers des Individuums ablesen.

Holz als in unseren Breiten weiträumig und fast jederzeit verfügbarer Bau- und Rohstoff hat wohl zu allen Epochen eine fundamentale Rolle innerhalb der jeweiligen materiellen Kultur eingenommen. Dies schlägt sich allerdings aufgrund der unter normalen Bedingungen relativ schnellen und in der Regel restlosen Zersetzung von Holz nur sehr lückenhaft in der archäologischen Überlieferung nieder. Der Nachweis von Holzeinbauten in frühbronzezeitlichen Grabbefunden ist in Mitteldeutschland daher auch nur relativ selten gelungen. In der bereits 1877 entdeckten, aufgrund seines außerordentlichen Reichtums als Fürstengrab in die Literatur eingegangenen Bestattung von Leubingen, Kr. Sömmerda, wurden Spuren einer zeltförmigen Totenhütte diagnostiziert. Bisweilen konnten in Aunjetitzer Gräbern anhand von Verfärbungen Särge wahrscheinlich gemacht werden; dabei wurden sowohl Baumsärge als auch geschreinerte Särge bzw. Kammern erwogen, jedoch waren die Spuren der Einbauten in der Regel nur unvollständig oder undeutlich und daher das genaue Aussehen sowie die Konstruktionsweise unsicher. Mitunter konnten Standspuren von Pfosten in den Ecken der Grabgruben konstatiert werden. Bei einigen Aunjetitzer Bestattungen mit Steinarchitektur wurde ein hölzerner Einbau aufgrund der Steinanordnung vorausgesetzt, aber nicht nachgewiesen.
Umso erfreulicher ist der Beleg von Holzeinbauten in gleich vier Befunden der Grabgruppe aus Bad Lauchstädt. Dies deutet darauf hin, dass die entdeckten Holzspuren nur die „Spitze des Eisbergs“ darstellen, sich entsprechende Verfärbungen also nur unter günstigen Bedingungen erhalten und mit einem ehemals erheblich größeren Umfang hölzerner Elemente in Aunjetitzer Gräbern zu rechnen ist, die sich aber schlichtweg spurlos aufgelöst haben. Zu den Faktoren, die sich positiv auswirken, scheint der Boden zu zählen, in den die Gräber eingebracht wurden und der hier teils aus Löss und teils aus Sand besteht, wobei die Holzverfärbungen sich ausschließlich in helleren, stärker mit Sand vermischten Arealen abzeichnen.

Steinerne Einbauten in Gräbern der Aunjetitzer Kultur sind vielerorts in Mitteldeutschland nachgewiesen und können mannigfaltige Formen haben. So sind neben Steinkistengräbern Befunde mit Decksteinen, Steinpflasterungen oder Steinpackungen belegt. Die zwei Befunde mit Steineinbauten stimmen hinsichtlich ihrer Konstruktion überein. Beide zeigen einerseits eine dichte Steinpackung an den Rändern und andererseits eine mittige Abdeckung des Holzeinbaus (Abb. 12-14).

Abb. 12: Bef. 60482, Planum 5. In diesem Planum wird ersichtlich, dass die steinernen Elemente aus einer Randeinfassung sowie einer Abdeckung des (noch nicht sichtbaren) Sarges bestehen.
Abb. 12: Bef. 60482, Planum 5. In diesem Planum wird ersichtlich, dass die steinernen Elemente aus einer Randeinfassung sowie einer Abdeckung des (noch nicht sichtbaren) Sarges bestehen.
Abb. 13: Bef. 60483, Planum 4. Zu den Steinen der Sargabdeckung in der Mitte der Grabgrube, die schon seit dem 2. Planum sichtbar waren, treten nun verstärkt die Einfassungssteine hinzu. In der Nordwesthälfte ist die Sargverfärbung fassbar. Es ist zu beobachten, dass die Einfassungssteine unmittelbar an die Holzspuren angrenzen.
Abb. 13: Bef. 60483, Planum 4. Zu den Steinen der Sargabdeckung in der Mitte der Grabgrube, die schon seit dem 2. Planum sichtbar waren, treten nun verstärkt die Einfassungssteine hinzu. In der Nordwesthälfte ist die Sargverfärbung fassbar. Es ist zu beobachten, dass die Einfassungssteine unmittelbar an die Holzspuren angrenzen.
Abb. 14: Bef. 60483, Planum 5. Mittig sind noch die untersten Steine der Abdeckung sichtbar, seitlich war die Grabgrube mit Ausnahme der nordwestlichen Ecke und Schmalseite mit einer Steinpackung versehen. In der Nordwesthälfte ist der Holzeinbau nur noch zu erahnen.
Abb. 14: Bef. 60483, Planum 5. Mittig sind noch die untersten Steine der Abdeckung sichtbar, seitlich war die Grabgrube mit Ausnahme der nordwestlichen Ecke und Schmalseite mit einer Steinpackung versehen. In der Nordwesthälfte ist der Holzeinbau nur noch zu erahnen.
Abb. 15: Bef. 60483, Planum 2. Zum Zeitpunkt des abgebildeten Bearbeitungsstandes waren fast ausschließlich die Steine der Abdeckung vorhanden, während die Randeinfassung erst unter Planum 2 allmählich einsetzte.
Abb. 15: Bef. 60483, Planum 2. Zum Zeitpunkt des abgebildeten Bearbeitungsstandes waren fast ausschließlich die Steine der Abdeckung vorhanden, während die Randeinfassung erst unter Planum 2 allmählich einsetzte.

Der Ablauf des Grabbaus kann folgendermaßen rekonstruiert werden: Zunächst wurde eine Grabgrube ausgehoben, in die der Holzsarg mit dem verstorbenen Individuum etwa mittig positioniert wurde. Dann wurden wohl zunächst Steine unmittelbar um den Sarg gestellt bzw. daran angelehnt und der Grubenrand mit vorwiegend aufrecht stehenden Steinen ausgekleidet. Im nächsten Arbeitsschritt wurde der gesamte Raum zwischen Holzkiste und Grubenrand (mit Ausnahme der Nordwestseite an Bef. 60583) mit einer dichten Packung aus kleineren und mittelgroßen Steinen gefüllt, die bis zur Oberkante des Holzeinbaus aufgeschichtet wurden. Anschließend wurde der Sarg mit im Vergleich zur Einfassung größeren, offenbar gezielt ausgewählten, etwa rechteckigen Steinen bedeckt, welche quer zur Holzkonstruktion lagen (Abb. 15). Da die Decksteine nicht bis an die randliche Einfassung heranreichen, ist - wie an Bef. 60650 durch Verfärbungen belegt (s. Abb. 10) - auch ein Deckel des Totenschreins vorauszusetzen. Danach wurde die Grabgrube weiter verfüllt, bis keine Steine mehr sichtbar waren.

Zusammenfassung und Ausblick

 

Die Lauchstädter Grabgruppe umfasst mindestens fünf Gräber eines jüngeren Abschnitts der Aunjetitzer Kultur, von denen vier einen Holzsarg enthielten und zwei zusätzlich mit Steinen abgedeckt und eingefasst waren. In den vorliegenden Befunden mit Grabeinbauten manifestiert sich ein nicht zu unterschätzender Arbeitsaufwand und damit verbunden wohl eine umfassende Totenfürsorge. Die guten Bedingungen für die Erhaltung von Holzverfärbungen im Bereich der Grabgruppe ermöglichen einen seltenen Einblick in die Nutzung von Holz als Baumaterial in frühbronzezeitlichen Grabanlagen. Über das konkrete Aussehen der Totenschreine und eine mögliche Dekoration in Form vom Bemalung, Schnitzerei o. ä. vermögen aber selbst die gut erhaltenen Holzspuren keine Aufschlüsse zu geben. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Aunjetitzer Bestattungen mit hölzernen Konstruktionsmerkmalen durch weitere Grabungen noch zunehmen wird, jedoch müssen dafür offenbar bestimmte Bodenbedingungen vorherrschen.

 

Literatur:

Faron-Bartels/Bartels 2006
R. Faron-Bartels/R. Bartels, Frühbronzezeitliche Befunde der Aunjetitzer Kultur. In: H. Meller (Hrsg.), Archäologie auf der Überholspur. Ausgrabungen an der A 38. Archäologie in Sachsen-Anhalt Sonderband 5 (Halle 2006) 108-123, bes. 110-111.

Simon 1985
K. Simon, Gräberfeld und Siedlung der Aunjetitzer Kultur bei Dresden-Gostritz. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 29, 1985, 35-85, bes. 52-58.

Spehr 1967
R. Spehr, Neue Aunjetitzer Gräber vom „Burker Berg“ bei Bautzen. Ausgrabungen und Funde 12, 1967, 60-73.

Voigt 1952
T. Voigt, Frühbronzezeitliche Gräber mit Holzverschalung von Wahlitz, Kr. Burg. Jahresschr. Mitteldt. Vorgesch. 36, 1952, 70-81.

Zich 1996
B. Zich, Studien zur regionalen und chronologischen Gliederung der nördlichen Aunjetitzer Kultur. Vorgeschichtliche Forschungen 20 (Berlin, New York 1996).

 

Text und Abbildungen: Dorothee Menke (LDA)
Redaktion und Internet: Tomoko Emmerling