Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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März: Silber in Sachsen-Anhalt – Bemerkungen zum Geld der Römer in Germanien

Seit 2010 werden im Baufeld Nord des Braunkohlen-Tagebaues Profen archäologische Untersuchungen durchgeführt. Während der Metallprospektion in den Wintermonaten ist inzwischen eine ganze Reihe von Funden der Römischen Kaiserzeit germanischer Prägung zusammengekommen. Die Siedlungsgeschichte aufgrund dieser Funde im Gelände ist in einigen Teilen schon recht gut beurteilbar. Germanische Funde, bislang an Fibeln erkennbar, konzentrieren sich besonders an einer Stelle. Sowohl die Fibeln als auch einige römische Münzen, ein Denar der Römischen Republik, ein Silberquinar (noch nicht eindeutig bestimmt) und ein Kupfer-As deuten daraufhin, dass hier mit einem Gräberfeld bzw. einer germanischen Siedlung zu rechnen ist. Gewissheit darüber werden die geplanten Ausgrabungen bringen. Trotz der Fundkategorie mit beschränkter Aussagekraft seien hier einige Überlegungen zur Interpretation von Münzen der Germania Magna vorgetragen.

Der Praetor Quintus Antonius Balbus und das römische Silber (Abb. 1)

Münzmeister: Quintus Antonius Balbus
Prägejahr: 83-82 v. Chr.
Münzstätte: Rom
Nominal: Denarius serratus
Metall: Silber
Größe: 1,95 x 1,75
Gewicht: 3,2675 g
Erhaltung: gut bis sehr gut; Körper bei Prägung oval deformiert; Randbereiche links und unten verprägt
Referenztyp: RRC 364/1

Vorderseite: Kreisrand mit Perlkreis, Kopf des Jupiter nach rechts; Lorbeerkranz; buschige Bartlocken; buschige Haarsträhnen, besonders im Nacken. Hinter dem Kopf <S ◦ C >auf Perlkreis stehend.

Rückseite: Victoria auf Quadriga nach rechts; Pferde im Sprung, Standbeine hinten. Victoria mit langem Hängeflügel, in der linken Hand Zügel und Palmzweig; in der rechten Hand Kranzgebinde. Unter basalem Teilstrich: <Q ◦ ATO ◦ BA[LB] [/PR]>

Abb. 1 Münze der Römischen Republik

Der Amtstitel legt die Aufgaben des Münzmeisters im Detail fest: IIIviri monetales aere argento auro flando feriundo (Münz-Triumviren zum Schmelzen und Schlagen von Bronze, Silber und Gold). Dies bedeutet die Überwachung der Münzedition, die Kontrolle des Gewichts (Abb. 2) und der Legierung.

Als niedere Staatsbeamte unterstanden die Münzmeister der Quästur. Das Amt wurde seit 289 v. Chr. vom Senat vergeben, was meistens auf dem Avers der Münzen angegeben ist (SC = senatus consulto), als offizielles Kennzeichen der Währungsemission der Römischen Republik. Auf dem Revers konnten die Meister ein persönliches Münzbild wählen. Außerdem trugen sie dort ihren Namen und oft auch ein Kontrollzeichen ein. Da das Amt des Münzmeisters drei Zyklen umfassen konnte, oft aber nur ein Jahr andauerte, ist die Prägezeit nicht immer genau festlegbar, zumal auch der römische Kalender zu berücksichtigen ist. Der Gehaltstitel des Münzmeisters ist der eines Prätors, wie auf manchen Münzen angegeben (Revers: PR = praetor). Die Amtszeiten und damit die Datierung der Prägezeit wurden in mühevoller Arbeit aus literarischen Quellen zusammengetragen und synchronisiert. Dennoch gibt es Lücken, Überschneidungen und Unklarheiten: die Tätigkeit des Q. Balbus wird auf 83/82 bzw. 82/81 v. Chr. datiert. Besonders bei den Legierungsmünzen (Bronze, Messing) bereitet der Erhaltungszustand mitunter Bestimmungsprobleme. Zur Datierung des Prägebeginns dienen nun neben dem Herrschernamen u. a. Titel, Kriegstriumphe, Zueignungen (z.B. für Mitregenten, Ehefrauen) und besondere Münzbilder.

Abb. 2: Statistische Ermittlung der Münzgewichte aus einer Münzserie des Q.A. Balbus

Quintus Antonius Balbus entstammte einem alten römischen Geschlecht (gens Antonia) mit mindestens zwei Linien, einer patrizischen und einer plebejischen. Als Praetor und mit dem Amt verbundener Statthalterschaft von Sardinien (82 v. Chr.) scheint Quintus als einziger „Plebeier-Antonius“, einen Beinamen angenommen zu haben. Vermutlich stammt der Name „Balbus“ von Münzen des Sulla aus dieser Zeit. L. Cornelius Sulla selbst hatte schon als Sieger im Krieg gegen Jughurta Münzen geprägt und war knapp vor Q. Antonius Münzmeister. Seit 91 v. Chr. befand sich Italien im Bundesgenossenkrieg, der zu zwei Heereseinmärschen in Rom führte, zuerst unter Sulla, dann unter Marius. Sulla war danach mit einem Kommando im Mithridatischen Krieg auf dem griechischen Schauplatz beauftragt. Seine Abberufung und Rückkehr führte schließlich Anfang 83 v. Chr. zur Diktatur. Bei den meisten Praetoren aus der gens Antonia endete die Karriere abrupt: sie wurden zum Tode verurteilt. Q. Antonius Balbus setzte sich mit einer Legion nach Sardinien ab und wurde dort von einem Legaten des L. Cornelius Sulla getötet.

Das Silber, das in dieser Zeit in Rom zur Münzprägung verwendet wurde, stammte aus Spanien und Sardinien. Nach dem Sieg im Zweiten Punischen Krieg verfügten die Römer über die reichen, schon von den Phöniziern ausgebeuteten Minen Castuló und Carthago Nova in Turdetanien (Baetica/Andalusien). Bis zum Frühmittelalter bildeten die spanischen Vorkommen die wichtigsten Silberquellen der Römer. Dazu kamen die Förderstellen Sisapon, Ilipa, und das Orospedagebirge mit dem Silberberg (Mons argentarius). Das Silber wurde im Tagebau gewonnen. Allein in der Mine von Carthago Nova (heute Cartagena) waren nach Polybios 40.000 Bergleute alias Sklaven tätig. Für die Mine von Sarrabus in Sardinien war mit Sicherheit Q. Antonius Balbus zuständig. Seit der 2. Hälfte des 2. Jh. wurden vermutlich die Vorkommen bei Karthago (Africa) und in Kilikien (wo sich u.a. Sulla bereicherte und mit Not einem Gerichtsverfahren entging) ausgebeutet. Mit Errichtung entsprechender Provinzverwaltung wurden die Vorkommen in der Provinz Moesia Superior (Serbien) zugänglich. Unter Caesar wurden Minen in der Gallia Narbonnensis aufgeschlossen. Marcus Antonius besserte seine Kriegskasse anscheinend mit Silber von Kleopatra aus ägyptischen Lagerstätten auf. In trajanischer Zeit kamen die Silberminen in Dakien hinzu; dort vor allem dann auch Goldminen. Von geringer Bedeutung ist Silber aus dem Odenwald, dem Südschwarzwald und Kraichgau sowie aus dem Rauriser Tal (Salzburg), aus Schwaz (Tirol) und aus Noricum, wo vor allem Eisenvorkommen durch die Römer ausgebeutet wurden (ab 37/54 n. Chr.). Der Bedarf an Silber war bekanntlich nicht nur für Münzen (Denar, Quinar), sondern auch für Geschirr und Schmuck in den gehobenen Haushalten der Römer gewaltig.

Schon früh bezogen die Römer Gold durch Handel mit den Tauriskern (Kärnten/Slowenien), wie Polybios berichtet. Auch Gold aus Kolchis wurde importiert. Doch hier besaßen die Römer wohl nur kurzzeitig direkten Zugriff. Dagegen befanden sich die Lager in Galizien (Mons Medullius/Las Médulas, Hispania Tarac.; Corcoesto/León), Dakien (Ampelum / Zlatna) und Makedonien direkt in römischer Hand.

Der Rohstoff für das Kleingeld aus Kupfer der Kaiserzeit (As, Quadrans) bzw. die Kupferlegierungen der Republik-Nominale stammte aus der Baetica (Minas de Riotinto), Tarraconensis (Cartagena), aus Zypern und im 1. Jh. n. Chr. auch aus den Provinzen Mauretania und Britannia Superior. Zinn kam aus Galizien, der Gallia Aquitania und Belgica und aus Britannien. Für die kaiserzeitlichen Messinglegierungen (Sesterz, Dupondius, Semis) wurde Zink benötigt. Das wurde u. a. aus der Belgica oder aus der Germania Superior an die die Münzstätten geliefert.

Germanischer und römischer Ex- und Import

Über Art und Umfang der Metallverarbeitung und somit auch genutzte Lagerstätten in der Germania Magna gibt es nur punktuelle Kenntnis. Indirekt können Schmelzöfen als Indikatoren gelten. Im norddeutschen Tiefland beschränken sich die Metallvorkommen auf Raseneisenerz. Erzlagerstätten in den Mittelgebirgen (Salzgitter-Gebiet, Harz, Wesergebirge, Südrandverwerfung des Thüringer Waldes, Spessart) waren zwar vorhanden, wurden aber nicht nachweislich in größerem Umfang ausgebeutet. Das Lahn-Dill-Gebiet und das Siegerland lieferten bereits keltisches Eisen. Selbstverständlich lagen Schwarzwald, Schwäbische Alb und Oberrheingraben im Interessengebiet der römischen Industrie, zumal die Vorkommen auf Reichsgebiet lagen. Römische Minen auf Zink und Blei sind im Hochsauerland (Brilon) nachgewiesen. Vermutlich wurden auch die Zink-, Blei- und Eisenvorkommen des Odenwaldes genutzt, die schon den Kelten bekannt waren. Die germanische Eisenproduktion östlich der Weser (bis nach Polen) hat zwar in Form von Ofenbatterien deutliche Spuren hinterlassen. Die Produktionskapazität reichte jedoch bis ins 2. Jh. hinein nicht aus, um ein Handelsprodukt für den Export ins römische Reich darzustellen.

In Germanien wurde intensive Naturalienwirtschaft betrieben, die auf Viehhaltung (Rinder, Schweine) und dem Anbau von Hülsenfrüchten beruhte. Die Römer bezogen landwirtschaftliche Produkte (Pferde, Gänse, Pelze, Häute) laut schriftlicher Quellen; auch von blondem Frauenhaar ist die Rede. Lebensmittel waren im Reich nicht teuer, höchstens Delikatessen, die in den Haushalten der obersten Schichten Roms geschätzt wurden. Einzig Bernstein stellte  ein Exportgut von höherem Wert dar. Er kam über die sogenannte Bernsteinstraße. Auf dem Seeweg über den Rhein gelangte auch Bernstein aus Südskandinavien. Ob die Germanen Sklaven als Handelsware anboten, kann wohl nicht eindeutig aus einigen Fesselfunden abgeleitet werden.

Römische Objekte sind in ganz Germanien verteilt. Einzelfundstücke kommen von Mittelschweden bis in die Ukraine vor, bei einem Ausdünnen der Funddichte Richtung Nordosten. In einigen Regionen sind Konzentrationen festzustellen: in Südskandinavien und dem Raum zwischen Warthe und Weichsel. Es handelt sich um Silber- und Bronzegefäße, seltener Gold- und Glasobjekte, um Bronzeschmuck, insbesondere Fibeln, und vor allem um Terra Sigillata. Der Zustrom wuchs erst in der mittleren Kaiserzeit an. Germanen interessierten sich mehr für Silber als für Gold, wie Tacitus für das 1. Jh. berichtet (Tac. Germ. 5,3). Grabfunde belegen, dass eine gewisse Romanisierung stattfand, die aber nur eine äußerliche Darstellung mit buntem, „exotischem“ Material betrifft. Mit ihrer luxuriösen Grabausstattung heben sich offensichtlich prominente Personen von der restlichen Bevölkerung ab, die jedoch nicht mit einer  Annäherung an römische Tischsitten oder gar Lebensweisen in Villen oder Palästen einherging. Die Anzahl der „Fürstengräber“ der frühen Kaiserzeit (Lübsow-Typ) ist sehr beschränkt. U. a. durch die Studie von Lund Hansen 1987 konnten differenzierte Untersuchungen zur Sozialstruktur vorgelegt werden). Diese archäologischen Analysen stehen zwischen den Angaben römischer „Ethnologen“ wie Tacitus und den ersten germanischen Quellen des Mittelalters (Gefolgschaftswesen), die in die Vergangenheit zurück zu projizieren sind.

Geld in Germanien – Bestand und Bedeutung – Westtangente

Die tatsächliche Beherrschung der cis-elbischen Germania durch die römische Kolonialmacht dauerte nur knapp 20 Jahre („Germaniam pacavi“). Sie hinterließ Holz-Erde-Kastelle, mitunter militärische Ausrüstung auf Schlachtfeldern und das Geld der Soldaten. Naturgemäß ist der Bestand an Wechselgeld (Kupfermünzen) in den Provinzen viel höher als in den Gegenden der Germania Magna.

Angesichts der spärlicher werdenden römischen Quellen im 2. Jahrhundert sind Überfälle und frühen Wanderungen der Germanen im Detail nicht mehr fassbar, müssenaber als Grund für den Ausbau des „trockenen Limes“ von Vespasian bis Antoninus Pius angesehen werden. Wenn die Überfälle nicht nur eine Spaßaktion oder Anlass zur Mehrung von persönlichem gesellschaftlichem Prestige waren, so ging es um den Raub von Wertgegenständen, die jedoch auch als Ware durch Händler nach Germanien gelangen konnten. Germanische Produkte konnten jedoch nur im Tauschhandel erworben werden. Selbst Geld, vor allem aus Edelmetall, wurde in Germanien nur als Warenäquivalent aufgefasst. Geld mit Umlauf benutzten dagegen die Kelten; es leitete sich von mediterranen griechischen Systemen ab. In den Randregionen der Keltike (Niederrhein, Wetterau, Franken, Thüringen und Sachsen) kommen keltische Münzen vor und sind dort auch geprägt worden. Damit haben die Germanen sicher nur in unmittelbarer Nähe zur Keltike eine Währung im engeren Sinn besessen. Denare der Römischen Republik sollen laut Berger (1992, 114) vermehrt mit römischer Militärpräsenz ins Innere Germaniens gekommen sein. Die zugehörige Fundkarte (Berger 1992, Abb. 42) ist inzwischen vollständig überholt. Die gegenwärtige Dichte der Einzelfunde von Denaren in Sachsen-Anhalt und Thüringen entspricht jener westlich der Weser.

 

Griechen

Kelten

Republik

Übergang

Augustus

Kaiserzeit

BRB

 

1

4

 

2

15

MVP

 

 

2

 

1

3

SAX

16+x

2+x

2

 

7

8

SAXA

 

17+x

11

 

18

25

THÜR

 

7+x

14+

 

8+

4

 Statistik der Einzelfunde von Münzen in den Gebieten östlich der Weser (ohne Niedersachsen; Stand LASER 1982).

 

 

Fst.

Münzen

Nördlich des Harzes

4

3

Saale/Thüringen

29

70

Neu (Tagebau Profen)

1

1

Sachsen

4

4

                                                        

                                                        

                                                        

                                                        

                                                        

 

Statistik der Fundstellen und Fundmenge von Münzen der Römischen Republik im Raum der Mittelgebirge (Barkowski 2012, Jordan 2011; ergänzt).                                     


Mit wachsender Kenntnis potenzieller Wegeverbindungen seit dem vor gut fünf Jahren begangenen Jubiläum des Varus-Ereignisses haben die Fundmeldungen zugenommen. Bei den Neufunden handelt sich um Einzelfunde. Diese sind bekanntlich schwer einzuordnen, wenn man nicht nur der Erwartung nachstrebt, römische Truppenbewegungen oder Handelsrouten aufspüren zu wollen und wenn man sich für ältere und jüngere Trassenverläufe nicht interessiert. Bei dem Hortfund von Niemegk im Fläming scheint es sich tatsächlich einen Straßenstützpunkt zu handeln. Er liegt an der Stelle, wo ihn das Flüsschen Plane den Fläming verlässt. Es handelt sich um einen klassischen Denar-Hort mit 74 Münzen, davon 50 republikanische Denare. Die Münzreihe beginnt um 136/133 v. Chr. und endet mit einer Schlussmünze des Hadrian (122 n. Chr.). In der Gemarkung fanden sich außerdem einzeln aufgefundene Münzen des Augustus, Tiberius und Nero. Im Fläming konnte kaum germanische Besiedlung nachgewiesen werden. Nördlich und östlich davon ist eine dichte Besiedlung auszumachen, die vom 1. bis zum 4. Jh. nach Christus reicht und durch Eisenproduktion gekennzeichnet ist (Leube 2009, Abb. 45f.). Es wurde aber sicher kein Eisen exportiert; eher ist eine Relaisstation auf einer Fernstrecke denkbar.

Die Beurteilung von Münzfunden als persönlicher Besitz und Eigentum ist in Gräbern kontextuell erkennbar. Aus der älteren Kaiserzeit ist im Raum der östlichen deutschen Mittelgebirge nur das Urnengrab von Bad Langensalza bekannt,das mindestens acht Münzen enthielt, darunter fünf Republikmünzen und Drachmen von Gela/Sizilien, von Dyrrhachium/Illyrien und von Corcyra/Epirus. Sowohl in den Horten als auch unter den Einzelfunden ist Kleingeld aus Kupfer und Messing vertreten, wobei das As-Nominal dominiert. Das meiste Geld wurde wohl einfach verloren. Für größere Fundmenge an einem Ort wurde der Begriff „Kollektivfund“ gewählt. Nur wenn bekannte Fundumstände Kontexte liefern (z.B. Behältnis, Gebäude), kann von einem Hort gesprochen werden. Weit über 80% der Hortfunde der Germania Magna wie auch in den Grenzprovinzen sind Altfunde. Sie sind für kontextuelle Analysen nur bedingt verwendbar, wie schon Laser 1982 ausführlich darlegte. Die Münzfunde gelangten in der frühen Neuzeit in die Kabinette von Grafen, Herzögen, Königen, von Beamten und Bildungsbürgern. 

Geld konnte also auf verschiedene Art nach Germanien kommen, als Beutegut, Tauschäquivalent oder als Geschenk oder Tribut an prominente Persönlichkeiten („Fürsten“), um politische Allianzen zu schließen, wie hinreichend in Quellen berichtet. Es gab vermutlich kaum Rückfluss, das Geld blieb in Germanien und wurde zu Tracht- und Schmuckgegenständen oder zu Bronzegefäßen umgearbeitet. Der Besitz von Edelmetall diente nicht zuletzt zur Mehrung des Viehbestandes und zur Abrundung von Landbesitz und zur Bildung von Abhängigkeitsverhältnissen, was ebenfalls aus Quellen ableitbar ist.

Aus den tieferen Teilen der Germania wurden niemals Truppen ausgehoben, wie die ethnischen Namen der Auxilia-Regimenter zeigen (Haynes 2013). Cohorten und Alen wurden aus Stämmen gebildet, die auf die linksrheinische Seite umgesiedelt wurden oder schon in augusteischer Zeit aus grenznah beheimateten Stämmen stammten. Für Militäraktionen in der Germania Magna wurden in erster Linie Legionen eingesetzt. Sowohl die Soldaten wie auch die Heeresleitung benötigten eine Menge Geld für diese Kriegseinsätze (Transportkosten für Lebensmittel, Waffen, Katapulte, Geschossköpfe). Münzen des Varus und Münzen mit Gegenschlagstempeln des Varus sowie bestimmte Münzen des Augustus konnten für die Interpretation der Belegungsdauer von Saison- und Projektkastellen und Schlachtorten entscheidende Datierungsansätze liefern (Lippelager, Kalkriese, Hedemünden, Augsburg-Oberhausen, Köln, Harzhorn etc.; Gaius/Lucius-Typ, Lugdumum II, Nemausus III).

Über die Entlohnung der Hilfstruppen wissen wir nur wenig. Zu Zeiten der Republik waren vor allem italische und griechische Bundesgenossen zur Verstärkung der römischen Infanterie im Einsatz, leichte Reiterei aus Afrika und schwere Reiter aus Gallien. Caesar nutzte vor allem Germanen in Gallien und auf dem Bürgerkriegsschauplatz des Balkans. Noch unter Claudius I. wurden solche ad hoc-Einheiten zur Grenzsicherungen am Oberrhein eingesetzt (Suebi nicretes). Vermutlich wurden die Germanien mit Bunt- und Edelmetall entlohnt. Die Verhältnisse am Rhein können teilweise vorzüglich durch Hortfunde datiert werden (Abb. 3).

Abb. 3: Karte der Münzhorte, die mit Augustus schließen (nach LOCKYEAR 2013).
Abb. 4: Karte der Münzhorte, die Münzen des Q. A. Balbus enthalten (LOCKYEAR 2013). Die Kartierung der Horte im Gesamtraum zwischen Rhein und Weichsel ist noch ein Desiderat.

Schon Theodor Mommsen erstellte auf der Basis der relativen Abfolge des Enddatums von Schatzfunden die Grundlage der Chronologie der Römischen Republik. Die aus dem LOCKYEAR-Projekt entnehmbaren Karten schließen die Horte der Republik mit Schlussmünze einschließlich Augustus auf. Die Horte der Kaiserzeit, die erst später abgeschlossen wurden, sind noch nicht vollständig verfügbar. Der Überblick über das kaiserzeitliche Germanien muss aus den Listen der FMRD entnommen werden. Einige der Bände geben einen alten Bearbeitungsstand wieder. Es gibt eine ganze Reihe von Hortfunden sowohl in der Germania Magna als auch in den Grenzprovinzen, die Republik-Münzen enthalten (Abb. 4) bzw. die erst nach Augustus beginnen. In Kombination mit den Münzreihen aus Kastellen, Städten und vici kann der Münzfluss regional eingeschätzt werden. So beginnen in Nordwest-Deutschland Horte mit Münzen des Tiberius. Horte und Einzelmünzen des Nero  gehören ebenfalls in diese Zeit der rechtsrheinischen militärischen Interaktionen. Ein Ansteigen des Münzenaufkommens in Raetien ist erst seit Vespasian bzw. mit dem Fortschritt des Limesausbaues in Verbindung zu bringen. Das Ende der keltischen Münzprägung ist hier ziemlich abrupt.

Böhmen – Sachsen und die Osttangente

Böhmen, Mähren und die Slowakei bilden eine Schlüsselstellung hinsichtlich der römischen Kontakte mit dem Raum zwischen Elbe und Weichsel. Hinsichtlich der Numismatik wurden diese Gebiete erst kürzlich aufgeschlossen und der interdisziplinären Forschung verfügbar (Militký 2013). In Böhmen lebten Kelten (Boii), die in ihren Oppida Münzen prägten und sie auch in keltische und nichtkeltische Nachbargebiete in Umlauf brachten Südbayerische Silbermünzen, Potin und Bronze aus Gallien und Silber aus Noricum wurden importiert. In den Oppida, allen voran im gut erforschten Stradonice, fanden sich auch griechische Münzen und sogar numidisches Geld (Masinissa + Nachfolger 208-148). Die Endphase des keltischen Münzumlaufes in der Slowakei korrespondiert mit den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Boiern und Dakern in der 2. Hälfte des letzten Jh. v. Chr. (Emissionsende der Münzstätte Bratislava 41/40).

Selbstverständlich trat auch Geld der Römischen Republik in Erscheinung, darunter auch viele AES-Nominale. Die Prägedaten der meisten römischen Münzen fallen in die Zeit vor der Blüte der Oppida-Kultur (D1, 1. Hälfte 1. Jh.). In den Oppida scheint es einen Abbruch des römischen Geldzuflusses zu geben, während im Umland weiter römische Münzen zu finden sind. Der interessanteste und lange bekannte Hort ist jener von Libčeves (Liebeshausen). Es handelt sich um einen Silberschatz in einem entfernt situlaartigen Gefäß. Die Niederlegungszeit ist nicht durch die 42 Denare (davon 42 serrati) mit Prägezeit von 140 bis 64 v. Chr. bestimmbar. Der Hort enthielt übrigens auch fünf Münzen (Droberjar 2002), eine Silbernadel mit abgeschnürtem Kugelkopf, einen Silberdrahtring von etwa 21bis 23 mm Durchmesser. Der Hort kann ziemlich genau ans Ende der Stufe B2 (150 n. Chr.) datiert werden, denn er enthielt zwei Silberfibeln vom Typ Almgren V/147c. Solche Fibel wurden im mittleren und unteren Elbegebiet getragen. Der Fund im Egertal ist vermutlich als Hinweis auf Migration zu interpretieren. Das elbgermanische Siedlungsgebiet reichte spätestens im 1. Jh. n. Chr. bis nach Böhmen. Alle Münzbilder und -ränder sind geplättet bzw. verschliffen: ein Hinweis auf einen wirklich langen Nutzungszeitraum der Bestandteile dieses Hortes.

Nach der Niederschlagung des Markomannenreiches setzte Drusus einen Klientelkönig (Vannius, 19 n. Chr.; Zeit ohne Münzbeleg) ein. Ähnlich wie in der Wetterau und an der Lippe scheint auch im March/Thaya- und Waag-Tal eine römische Kolonieplanung vorhanden. Über die Mährische Pforte sind Oder und Weichsel zu erreichen mit den Verbindungen ins Gebiet von Lodz und Góry Świętokrzyskie (Heiligkreuzgebirge), wo der bislang östlichste Hort mit Republikmünzen gefunden wurde (Kunisz 1970). Zwischen 40 v. Chr. und 40 n. Chr. treten Evarisker-Münzen und republikanische Denare immer vereinzelt in Horten (zeitnahe Niederlegung). Auffallend ist eine Gruppe von Horten mit Schlussmünzen vom Ende der Regierungszeit des Hadrian. Dies ist auch in dem Hort 1989 aus den Canabae des Lagers von Wien und Erla (Dembski/Zavadil 2004) und anderen Horten im österreichischen Raum festzustellen (Horizonte 160; 180 n. Chr.).

Schluss

Die Fundmünzen in der Germania Magna des 1. und 2. Jh. n. Chr. zeigen, dass hier kein Geldumlauf stattfand. Dies ist sowohl anhand der gefundenen Einzelmünzen, als auch der Horte nachweisbar. Dabei erscheint eine gewisse Währungsnatur nur für Westfalen anzunehmen, zumal der intensive Kontakt zum Römerreich hier in der geographischen Nähe begründbar ist. Der älteste Hort in Westfalen (Fröndenberg) hat eine Zusammensetzung der jüngeren Gruppe (= Schlussmünze um 160). Vermutlich an Wegetrassen gab es im Weserraum und an einigen Orten vor der Elbe Punkte, an denen in jüngerer Zeit angesparte Geld- bzw. Metallvorräte angelegt wurden (Schlussmünzhorizont 193/215–217; Denarabwertung um etwa 20%). Horte sind als Anzeichen von Handel oder als römische Zahlungen mit politischem Hintergrund anzusehen (z. B. als Tribut, zur Barzahlung von Hilfstruppen oder Gegenleistung für Nichtangriffspakte von Marc Aurel bis Caracalla), wie bei Cassius Dio nachzulesen ist. Die Tendenz, Schatzniederlegungen mit der Schlussmünze zu datieren und sie dann mit Kriegsereignissen oder Phasen der Münzverschlechterung bzw. Geldentwertung in Verbindung zu bringen, ist oft kritisiert worden. Dennoch gibt es Argumente dafür, wenn man die Zeithorizonte nicht ganz so exakt fasst, dass sie auf ein Jahresereignis passen.


Text: Robert Ganslmeier

Redaktion und Internet: Dorothee Menke

 

Literatur

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D. Backendorf, Römische Münzschätze des zweiten und ersten Jahrhunderts v. Chr. vom italienischen Festland. Studien zu den Fundmünzen der Antike 13 (Berlin 1998)

Barkowski 2012
M. Barkowski, Republikanische Münzfunde aus Mitteldeutschland. Auf den Spuren des Nero Claudius Drusus und Lucius Domitius Ahenobarbus (Merseburg 2012) <http://www.myheimat.de/beuna-geiseltal/kultur/neue-datierungsansaetze-der-gaius-lucius-serien-von-michael-barkowski-d1306388.html> (27.02.2015).

Berger 1992
F. Berger, Untersuchungen zu römerzeitlichen Münzfunden in Nordwestdeutschland. Studien zu Fundmünzen der Antike 9 (Berlin 1992).

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B. Borić-Breškovć/P. Popović, Coins of the Roman Republic. Collections of the National Museum in Belgrade and Belgrade University (Belgrad 2006).

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M. H. Crawford, Roman Republican Coinage (Cambridge 1974).

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Robert Forrer, Keltische Numismatik der Rhein- und Donaulande (Strassburg 1908).

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I. Haynes, Blood of the Provinces. The Roman Auxilia and the Making of Provincial Society from Augustus to the Severans (Oxford, New York 2013).

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J. F. Healy, Mining and Metallurgy in the Greek and Roman World (London 1978).

Jordan 2011
J. Jordan, Republikanische Fundmünzen aus dem Raum Leipzig. Archeo 8, 2011 (2012) 50.

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K. Kraft, Zur Rekrutierung der Alen und Kohorten an Rhein und Donau. Dissertationes Bernenses 1. Ser., Fasc. 3 (Bern 1951).

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A. Kunisz, Skarb rzymskich denarów z czasów republiki cesarza Augusta odkryly w Połańcu, powiat Staszów. Rocznika Muzeum Swietokrzyskiego 1970), 103–159.

Laser 1982
R. Laser, Die römischen und frühbyzantinischen Fundmünzen auf dem Gebiet der DDR. Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 28 (Berlin 1982).

Leube 2009
A. Leube, Studien zu Wirtschaft und Siedlung bei den germanischen Stämmen im nördlichen Mitteleuropa während des 1. bis 5./6. Jahrhunderts n. Chr. Römisch-germanische Forschungen 64 (Mainz 2009).

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L. Lind, Romerska denarer funna i Sverige (Stockholm 1988).

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Militký 2013
J. Militky, Nálezy řeckých, římských a raně byzantských mincí v Čechách (5. století před Kristem až 7. století po Kristu) Komentovaný katalog nálezového fondu (Prag 2013).       

Timpe 1987
D. Timpe, Wegeverhältnisse und römische Okkupation Germaniens. In: H. Jankuhn/W. Kimmig/E. Ebel (Hrsg.), Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit in Mittel- und Nordeuropa V: Der Verkehr, Verkehrswege, Verkehrsmittel, Organisation. Bericht über die Kolloquien der Kommission für die Altertumskunde Mittel- u. Nordeuropas in den Jahren 1980–1985. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Göttingen, Philosophisch-Historische Klasse, 3. Folge 180 (Göttingen 1989) 83–107.

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D. Timpe, Mitteleuropa in den Augen der Römer. Bonner Jahrb. 207, 2007 (2010) 5–32.

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L. Wamser (Hrsg.), Die Römer zwischen Alpen und Nordmeer. Zivilisatorisches Erbe einer europäischen Militärmacht. Katalog-Handbuch zur Landesausstellung des Freistaates Bayern, Rosenheim 2000 (Mainz 2000).

Wierschowski 1984
L. Wierschowski, Heer und Wirtschaft. Das römische Heer der Prinzipatszeit als Wirtschaftsfaktor (Bonn 1984).

Wolters 2006
R. Wolters, Die Römer in Germanien (München 2006).

 

Abbildungsnachweise:

1: K. Bentele
2: R. Ganslmeier
3-4: Lockyear 2013