Die Schlacht von Lützen

47 Tote in einem Massengrab – das sind die einzigen Opfer, die bisher von einer der bedeutendsten und verlustreichsten Schlachten des 30jährigen Krieges gefunden werden konnten. Sie gehören zu den 6 500 Gefallenen, die 1632 in Lützen bei Leipzig ihr Leben ließen – wie auch der schwedische König Gustav II. Adolf, die Lichtgestalt des Protestantismus. Die erste Hälfte der Sonderausstellung widmet sich ihren Geschichten, aufgedeckt durch neueste archäologische Forschung.

Funde vom Schlachtfeld Lützen. Foto: LDA, Juraj Lipták.
Ausschnitt aus dem Massengrab von Lützen. Foto: LDA, Juraj Lipták

Als tonnenschwerer Erdblock gehoben und im Labor präpariert, steht das Grab als ausdruckstarkes Antikriegsmonument im Lichthof des Landesmuseums. Der hervorragend erhaltene und weltweit einzigartige Befund bietet Dank modernster Untersuchungstechnik die Chance, jedem der namenlosen Toten wieder ein Gesicht und eine Identität zu geben. Sie erzählen von einer aus Not und Hunger geborenen Armee von Humpelnden und Versehrten, über die in Geschichtsbüchern kaum etwas zu finden ist.

Unvergessen sind dagegen der schwedische König Gustav II. Adolf und der kaiserliche General Albrecht von Wallenstein, die beiden fähigsten Heerführer ihrer Zeit, die sich in der Schlacht gegenüber standen. Sie bilden das Zentrum des zweiten Raumes. Die Lebensbedingungen dieser beiden prominenten Persönlichkeiten wichen stark von denen der einfachen Menschen und Soldaten ab, was anhand neuer archäologischer Funde aus mitteldeutschen Feldlagern und verwüsteten Orten illustriert wird

Degen Wallensteins, Foto: LDA, Juraj Lipták.
Reitjacke König Gustav II. Adolfs aus der Schlacht von Lützen (c) Livrustkammaren Stockholm

Der Ursprung des Krieges

Aber seit wann kennen wir überhaupt »Krieg«? Ausgehend vom Lützener Befund spüren wir mit archäologischen Methoden den Ursprüngen dieses Phänomens nach. Dieser Spurensuche ist die zweite Hälfte der Sonderausstellung gewidmet.

Sind Aggression und Gewalt ureigenster Teil unseres Wesens? Spuren an menschlichen Skeletten altsteinzeitlicher Jäger und Sammler scheinen das zu belegen. Von kriegerischen Auseinandersetzungen im weitesten Sinne können wir regelhaft jedoch erst ab der Jungsteinzeit sprechen, in der wir Menschen sesshaft wurden und an Land und Haus gebunden waren.

Im Laufe der folgenden Jahrtausende bildete sich schließlich ein eigener Stand von Kriegern heraus. Sie verfügten über ein besonderes Selbstverständnis und zeichneten sich durch eine spezialisierte Bewaffnung aus. Auch Kriegstechnik, Strategie und Taktik entwickelten sich stetig weiter, während das Leid der Menschen im Krieg zeitlos bleibt.

Jungsteinzeitliches Felsbild kämpfender Bogenschützen aus der spanischen Levante (nach Perello 1963)
Flintpfeilspitze im Gelenkende eines rechten Oberarmknochens vom bronzezeitlichen Schlachtfeld im Tollensetal, Foto: S. Suhr, LAKD M-V, Landesarchäologie