Themen der Ausstellung


Grundlagen zum Klima

Als treibende Kraft der Evolution stehen das Klima und sein Einfluss auf Pflanzen, Tiere und Menschen im Fokus der Ausstellung. Einführend in die Ausstellungsthematik werden die grundlegenden Prozesse und Zusammenhänge erklärt, die zum Verständnis natürlicher Klimaveränderungen erforderlich sind. Dazu zählen periodisch auftretende kosmische und irdische Faktoren sowie ihre Wechselwirkungen. In der Konsequenz kann das „Klima“ keine Konstante sein.

Einen recht genauen Einblick in die wechselvolle Klimageschichte der Erdgeschichte ermöglichen uns heute verschiedene Klimadaten, die vor allem aus Eisbohrkernen und Tiefseesedimenten gewonnen werden. Tatsächlich war es in den vergangenen 65 Millionen Jahren mehrheitlich wärmer als heute und die Temperaturen unterlagen zunächst nur geringfügigen Schwankungen. Erst mit einer extremen Abkühlung vor 2,7 Millionen Jahren und dem Einsetzen des Eiszeitalters auf der Nordhalbkugel sind mehrere Vereisungsphasen sowie eine sich schnell und drastisch verändernde Umwelt zu beobachten.

Vergleichsbeispiel für eine warmzeitliche Landschaft (Bao Sao im Cat Tien Nationalpark, Vietnam). © LDA Sachsen-Anhalt


Die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt

Mit Beginn der Erdneuzeit (Känozoikum) vor 65 Millionen Jahren erlebten die Säugetiere einen rasanten Aufstieg. Die Ausstellung illustriert beispielhaft die Bandbreite der Lebewesen in einem gelungenen Zusammenspiel aus fossilem und rezentem Material, Skeletten und Dermoplastiken. Wechselnde Umweltbedingungen bestimmten maßgeblich ihre Evolution und brachten für die jeweiligen Zeitabschnitte charakteristische Erscheinungsformen der gesamten Tier- und Pflanzenwelt hervor. Von winzigen formenreichen Meeresschnecken über ein von Krokodilen dominiertes Ökosystem bis zum Wollhaarigen Mammut, vom Pflanzensamen zum versteinerten Blattabdruck sind hierfür Zeugnisse im mitteldeutschen Raum zu finden. In dieser kompakten Gegenüberstellung werden die Ursachen des erstaunlichen Artenreichtums der Warmzeiten und der wesentlich geringeren Vielfalt der Kaltzeiten deutlich. Während sich in den lang andauernden Warmzeiten sehr unterschiedliche ökologische Nischen etablierten und ihre Bewohner unverändert überdauern konnten, wurde ihnen durch die schneller und stärker schwankenden Bedingungen der Kaltzeiten eine höhere Flexibilität abverlangt.  In diesem Zusammenhang ist nach biologischen Anpassungsstrategien, Wanderbewegungen und natürlichen Feinden zu fragen, die den evolutionären Wandel vorantrieben, aber auch zum Aussterben zahlreicher Arten führten. Nach den wenigen Millionen Jahren des Eiszeitalters mit seinen kurzfristigen Wechseln aus Kalt- und Warmzeiten hatten nur wenige Arten überlebt –  die uns heute bekannte Tier- und Pflanzenwelt und, als ein Schlüsselphänomen der Evolution, der Mensch.

Schädel eines Krokodils (Asiatosuchus germanicus), ca. 45 Millionen Jahre vor heute (Geiseltalsammlung/ZNS der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg); © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták.
Dermoplastik eines Eisfuchses (Zoologische Sammlung/ ZNS der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg); © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták.


Das Zeitalter des Menschen

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das nicht mehr mit biologischer Anpassung auf die klimatischen Veränderungen reagierte, sondern sich künstliche Hilfsmittel schuf, mit denen er seiner jeweiligen Umwelt begegnete. Diesen evolutionären Prozess illustrieren zum einen die Anfertigung von Bekleidung, die Nutzung von Behausung und Feuer sowie Werkzeug- und Waffengebrauch, die sich in erstaunlichen Details im archäologischen Befund nachvollziehen lassen. Mit diesen Überlebens­strategien, den technischen Errungenschaften und den somit veränderten Lebensbedingungen werden aber auch erste künstlerische Schöpfungen möglich. Diese gravierten oder plastischen Tier- und Menschendarstellungen erlauben einen faszinierenden Blick auf den damaligen Menschen, seine Lebenswelt und seine Vorstellungen.

Kielkratzer mit Lamellen aus Breitenbach, ca. 35.000 Jahre vor heute; © LDA Sachsen-Anhalt, Foto: Juraj Lipták.
Venusfigur aus Mal’ta (RU), 24.000-15.000 Jahre vor heute; © State Historical Museum, Moscow, Russian Federation.