Klimagewalten - Treibende Kraft der Evolution


In kaum einer anderen Region öffnen großflächige Bodeneingriffe so viele Fenster in die Vergangenheit wie in Mitteldeutschland. Der große Fossilienschatz gleicht einem erdgeschichtlichen Bilderbuch und eröffnet uns die Möglichkeit, einstige Lebensräume und ihre Bewohner zu rekonstruieren. Ganz deutlich wird hierbei: über Jahrmillionen hinweg waren die unterschiedlichen Lebewesen variierenden Umweltbedingungen ausgesetzt, beeinflusst durch eine stetige Veränderung des Klimas. Dabei führten etliche natürliche Prozesse und Konstellationen zu Klimaschwankungen ganz unterschiedlicher Intensität – in Mitteldeutschland verursachten sie warme subtropische Verhältnisse bis hin zu kalten arktischen Bedingungen.

Welche Ursachen liegen solch extremen Klimaschwankungen zugrunde? Und mit welchen Strategien reagierten die Lebewesen darauf? Ist der stetige Klimawechsel gar die treibende Kraft der Evolution und damit Grundlage unserer Existenz?

Um derartige Fragen zu beantworten, fokussiert die Ausstellung die Entwicklung der Säugetiere seit Beginn ihres Aufstiegs vor 65 Millionen Jahren. Während dieses langen Zeitraums war das Klima zumeist deutlich wärmer als heute und begünstigte damit die Entfaltung einer immensen Artenvielfalt. Die Evolution sorgte für einen permanenten Wandel in Fauna und Flora: Arten starben aus, andere passten sich an, neue entstanden. In den kühleren Zeitabschnitten und insbesondere mit dem Beginn des Eiszeitalters schwand dann die vormalige Vielfalt – was nun aber einigen Lebewesen die Chance zur besonderen Entfaltung bot und unsere heutige Tier- und Pflanzenwelt hervorbrachte. So ging aus der vielschichtigen Entwicklung der Primaten schließlich auch der heutige Mensch hervor. Seine Evolution lässt sich von den frühen Lemuren vor über 40 Millionen Jahren über die Hominiden bis zur Entstehung der ersten Menschenarten nachvollziehen.

Ungleiche Begegnung der besonderen Art(en): Präparat eines Galago aus dem ZNS der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und eine in Argentinien gefundene Säbelzahnkatze aus dem Naturhistorischem Museum Wien. (© LDA Sachsen-Anhalt, Foto: J. Lipták)


Zu Beginn noch hilflos gegen große Raubtiere wie Riesenhyäne oder Säbelzahnkatze, ist es der Mensch, der schließlich vom Gejagten zum Jäger wird. Als erstes Lebewesen verlässt er den Pfad der rein biologischen Evolution, indem er durch Feuernutzung, Behausungen, Werkzeugherstellung und funktionelle Bekleidung begann, die Umwelt aktiv nach seinen Bedürfnissen zu gestalten - die Kultur nahm ihren Lauf. Mit Erfindergeist und Kreativität bewältigte der Mensch so bisher alle Klimaveränderungen.

Aufgrund der Zunahme extremer Wetterereignisse kam in den letzten Jahrzehnten schließlich die Frage auf, in welchem Umfang auch der Mensch in die Klimaentwicklung eingreift mit all seinen regionalen und globalen Auswirkungen. Aus der Kenntnis der Vergangenheit endet die Ausstellung mit zwei hypothetischen Szenarien der Zukunft: Was würde es für uns bedeuten, wenn die Erwärmung andauert, was, wenn die nächste Kaltphase hereinbricht?