Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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2. Mitteldeutscher Archäologentag 2009

 Der Mitteldeutsche Archäologentag wurde im Jahr 2008 erstmals erfolgreich zum Thema Schlachtfeldarchäologie durchgeführt. Die jährlich in Halle stattfindende Tagung greift aktuelle Themen der Archäologie auf und diskutiert diese anhand verschiedener Vorträge. Thema des 2. Mitteldeutschen Archäologentages vom 08. bis 10. Oktober 2009 waren naturwissenschaftliche Methoden in der Archäologie, wie Isotopopenanalysen und Molekulargenetik.

Für Informationen, Downloads und einen Rückblick auf den 1. Mitteldeutschen Archäologentag im Jahr 2008 zum Thema Schlachtfeldarchäologie klicken Sie hier 

Abstractband (Klick zum Download)
Tagungsband

Tagungsband und Abstracts

Abstractband mit Kurzzusammenfassungen der Vorträge hier zum Download im pdf-Format (bitte auf das Bild rechts klicken)

Der Tagungsband "Anthropologie, Isotopie und DNA" ist seit Oktober 2010 erhältlich.

H. Meller, K. W. Alt (Hrsg.), Anthropologie, Isotopie und DNA. 2. Mitteldeutscher Archäologentag vom 08. bis 10. Oktober 2009 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 3 (Halle (Saale) 2010), 145 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, ISBN: 978-3-939414-53-7.

Den Band können Sie direkt über die Bibliothek des LDA (Frau Kuhlow, Tel. 0345/5247332, E-Mail: hkuhlow(at)lda.mk.sachsen-anhalt.de) zum Preis von 29,00 € erwerben.

 

 


2. Mitteldeutscher Archäologentag 8.-10. Oktober 2009

Anthropologie, Isotopie und DNA - biographische Annäherung an namenlose vorgeschichtliche Skelette?

 

Festvortrag von Dr. Thomas Tütken (Universität Bonn) im Audimax
Hörsaal im Melanchthonianum während der Tagung.
Die Referenten der Tagung v. l. n. r.: Prof. Dr. Peter Horn, Dr. Susanne Hummel, Dr. Wolfgang Müller, Corina Knipper, Dr. Wolfgang Haak, Dr. Ruth Bollongino, Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork, Prof. Dr. Renate Gerlach, Dr. Alistair W.G. Pike, Dr. Thomas Tütgen, Prof. Dr. Kurt Alt, Claudia Gerling, Dr. Elke Kaiser, Christine Schuh und Landesarchäologe Prof. Dr. Harald Meller.
Workshop: Probenentnahme für Strontium-Isotopie.
Workshop: Probenentnahme für DNA-Analysen.
Die Exkursionsteilnehmer in der rekonstruierten Kreisgrabenanlage von Goseck.

 

english version

zum Tagungsprogramm oder den  Flyer mit dem Tagungsprogramm als pdf zum download

Rückblick
Nach seinem zweiten Durchlauf und mit insgesamt über 200 Tagungsteilnehmern hat sich der Mitteldeutsche Archäologentag in der archäologischen Forschungslandschaft etabliert. Erneut wurden diesmal mit naturwissenschaftlichen Methoden in der Archäologie Grundsatzfragen in der Forschung thematisiert und diskutiert. Dabei war es vor allem der interdisziplinäre Ansatz, der Forensiker, Molekularbiologen, Chemiker, Anthropologen und Archäologen zusammenkommen und den Kongress zum Erfolg werden ließ. Die Teilnehmer der Tagung kamen aus Großbritannien, Australien, Tschechien, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Großes Interesse erfuhr auch ein Workshop bei dem unter Leitung von Prof. Dr. Kurt Alt von Mainzer Studenten und Doktoranden Anleitungen zur Entnahme von DNA- und Isotopieproben an Skelettmaterial vorgeführt wurden.

Überblick
Anthropologie, Isotopie und Molekulargenetik sind zentrale Wissenschaftsfelder für die Archäologie. Zunehmend gelingen dadurch nahezu biographische Annäherungen an vorgeschichtliche Skelette. So werden archäologische Entdeckungen gleichsam zu Kriminalfällen, die mit Indizienketten immer lückenloser aufgeklärt werden können. Dies ermöglicht, Ereignisse selbst einzelner Individuen detailliert nachzuzeichnen, wie etwa im Fall der Familiengräber von Eulau. Die Ergebnisse sind, wie im genannten Beispiel, so spannend und von solch allgemeinem Interesse, dass sie weltweite Aufmerksamkeit erlangen. So wählte das TIME Magazine die Eulauer Gräber aufgrund der Untersuchungsergebnisse unter die zehn wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse des Jahres 2008. 

Bei der Untersuchung der Skelette wurden verschiedene naturwissenschaftliche Methoden angewendet. Durch DNA-Analysen konnten die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt und somit erstmals eine Kernfamilie der ausgehenden Jungsteinzeit nachgewiesen werden. Darüber hinaus konnten durch Analyse der Sauerstoff-, Strontium- und Stickstoffisotopen detaillierte Aussagen zu Ernährungsgewohnheiten und Herkunftsregionen der Individuen gewonnen werden. Für das Neolithikum sind derart detaillierte Angaben zur Biographie einzelner Personen und Familienmitglieder bislang einzigartig. Methoden dieser Art finden in der Archäologie bisher keine allgemeine Anwendung. Sie haben durchaus das Potential, die archäologische Forschung in Teilen zu revolutionieren, wie dereinst die Dendrochronologie oder die C14-Datierung, doch ist hierbei in gleicher Weise mit Anfangsschwierigkeiten zu rechnen. Die Gräber von Eulau stehen beispielhaft für die Möglichkeiten, die solche Untersuchungen für die Archäologie bieten und waren deshalb Anlass, diese naturwissenschaftlichen Methoden zum Thema des zweiten Mitteldeutschen Archäologentages zu machen.

Ziel des dreitägigen Kongresses war es, anhand konkreter Beispiele in der internationalen Forschung gewonnene Erfahrungen mit Isotopen- und DNA-Analysen zu diskutieren. Eine kritische Auseinandersetzung bei der Anwendung und Auswertung dieser Untersuchungsmethoden wurde thematisiert und die Möglichkeiten, Probleme und Grenzen für die Archäologie stärker herausgearbeitet. Im interdisziplinären Diskurs wurden Fragestellungen der jeweiligen Fachdisziplinen ausgetauscht, um mögliche Fehlerquellen zukünftig zu vermeiden.


Veranstalter: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
beteiligt: Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg

Organisation und Tagungsbüro: Norma Literski M. A.