Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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3. Mitteldeutscher Archäologentag (2010)

 Der Mitteldeutsche Archäologentag wurde im Jahr 2008 erstmals erfolgreich zum Thema Schlachtfeldarchäologie durchgeführt. Die jährlich in Halle stattfindende Tagung greift aktuelle Themen der Archäologie auf und diskutiert diese anhand verschiedener Vorträge. Im Fokus des 3. Mitteldeutschen Archäologietages von 07. bis 09. Oktober 2010 stand die Umweltarchäologie.

Zum Rückblick auf den 2. Mitteldeutschen Archäologentag zum Thema DNA und Isotopie gelangen Sie hier

Für Informationen, Downloads und einen Rückblick auf den 1. Mitteldeutschen Archäologentag im Jahr 2008 zum Thema Schlachtfeldarchäologie klicken Sie hier 

Abstractband

Abstractband zu den Vorträgen und Posterprästentationen zum Download im pdf-Format bitte hier klicken

zum Tagungsprogramm gelangen Sie hier

Tagungsband

Der Tagungsband "Umweltarchäologie" ist seit Oktober 2011 erhältlich.

H.-R. Bork/H. Meller/R. Gerlach (Hrsg.), Umweltarchäologie - Naturkatastrophen und Umweltwandel im archäologischen Befund. 3. Mitteldeutscher Archäologentag vom 0. bis 09. Oktober 2010 in Halle (Saale). Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle 6 (Halle [Saale] 2011)

192 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, ISBN: 978-3-939414-64-3.

Den Band können Sie direkt über die Bibliothek des LDA (Frau Kuhlow, Tel. 0345 / 52 47 332, E-Mail: hkuhlow(at)lda.mk.sachsen-anhalt.de) zum Preis von 32,00 € erwerben.

Rückblick

Die Referenten der Tagung (v.l.n.r.) Hinten: Manfred Rösch, Helmut Brückner, Francois Bertemes, Stefan Dreibrodt, Heinrich Thiemeyer, Carlonie Lubos, Pieter Grootes, Oliver Nelle. Vorne: Eileen Eckmeier, Renate Gerlach, Hans-Rudolf Bork, Kurt W. Alt, Verena Winiwarter, Elisabeth Schnepp, Harald Meller
Festvortrag im Löwengebäude (l. Hans-Rudolf Bork, r. Harald Meller)
Workshop zur Anthrakologie
Demonstration der Schlämmanlage im Außendepot in der Brachwitzer Straße
Renate Gerlach beim Abgleich der verschiedenen Straten
Auch der Geoarchäologe greift statt zum Pinsel gerne zu den großen Werkzeugen

3. Mitteldeutscher Archäologentag 07. bis 09. Oktober 2010

UMWELTARCHÄOLOGIE - Naturkatastrophen und Umweltwandel im archäologischen Befund

Der Mitteldeutsche Archäologentag hat sich zur Aufgabe gemacht für die relativ jungen, noch wenig etablierten archäologischen Teildisziplinen im deutschen Raum eine internationale Plattform zu schaffen. So standen bereits im vergangenen Jahr die naturwissenschaftlichen Methoden der Antrophologie, Isotopie und DNA im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Umweltarchäologie, die ebenfalls auf einer breiten interdisziplinären Basis von archäologischen und verschiedensten naturwissenschaftlichen Herangehensweisen beruht, war in diesem Jahr Gegenstand des dreitätigen Kongresses. Der Festredner Hans-Rudolf Bork, der den Kongress gleichzeitig mit  Renate Gerlach fachlich betreute, gab eingangs einen Überblick über die verschiedenen Methoden und weltweiten Einsatzgebiete eines Umweltarchäologen.
Mit knapp 250 Teilnehmern verschiedenster Institute und Institutionen aus Deutschland und den Nachbarländern kann der Kongress auch in diesem Jahr wieder als voller Erfolg gewertet werden.

 

Überblick

Der Begriff „Umweltarchäologie“ ist im Vergleich zu bekannten archäologischen Disziplinen, wie beispielweise der Siedlungs-, Industrie- oder auch Unterwasserarchäologie eher weniger geläufig. Dennoch sollte, sobald der Spaten angesetzt wird der Boden mit Hilfe umweltarchäologischer Methoden analysiert werden. Die Bandbreite der zur Verfügung stehenden Analysemöglichkeiten aus Geo-, Bio- und Geschichtswissenschaften ermöglicht so den Boden als Archiv, also jenseits des artifiziellen, vom Menschen geschaffenen Befund zu erschließen.

Das primäre Anliegen der umweltarchäologischen Forschung ist die Rekonstruktion der Umwelt des prähistorischen Menschen; die drängendste Frage hierbei die demnach nach dem „wie“, „warum“ und „wann“, der Mensch sie verändert hat. Der Eingriff des Menschen in die Natur kann viele Gründe haben. In erster Linie ist der Mensch dazu veranlasst, sich die natürliche Landschaft nutzbar zu machen - also beispielsweise durch extensive Landwirtschaft, Brandrodung oder Abholzung, um nur einige Beispiele zu nennen. Doch nicht nur das Ressourcenmanagement der historischen und prähistorischen Gesellschaft war Thema der Tagung. Die Kehrseite der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt, nämlich dessen Abhängigkeit und Anpassungsfähigkeit an die sich ständig im Wandel befindende Umwelt ist ebenso Gegenstand der Forschung. Auch der prähistorische Mensch hatte bereits mit Klimawandel, extremen klimatischen Schwankungen und außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen zu kämpfen.

In Sachsen-Anhalt werden, um dem offenen Grabungsflächen solche Aussagen entlocken zu können, die Grabungen des Landesamts routinemäßig durch die Kollegen der Geoarchäologie beprobt und gemeinsam ausgewertet. Durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit gelang beispielsweise bei Sangerhausen der sensationelle Nachweis eines Siedlungshügles.

Um die interdisziplinäre, gemeinsame Forschung voranzutreiben war das Hauptziel des Kongresses die verschiedenen Methoden und Ergebnisse der umweltarchäologischen Forschung, zu denen neben der Geologie auch Geochemie, Makro- und Mirkomorphologie, Anthrakologie, Paläomagnetik und viele mehr zählen, anhand konkreter Beispiele, bis hin zur Experimentalarchäologie, zu diskutieren. Der drängendste Wunsch dabei war ein vernetzteres Arbeiten zwischen den einzelnen Disziplinen und zwar von Beginn der Ausgrabung an.
Da die Sicherung der Ergebnisse beginnt bereits bei der Probennahme beginnt, bestand im Rahmen des Workshops zur Anthrakologie unter der Anleitung von Oliver Nelle, Arne Paysen, Hannes Knapp (Universität Kiel) und Monika Hellmund (LDA) die Möglichkeit die gezielte Beprobung von Holzkohlefragmenten zur Analyse zu erlernen um mögliche Fehlerquellen zu vermeiden. In diesem Rahmen wurden die Teilnehmer auch in die mikroskopische Bestimmung der verschiedenen Holzarten  und -strukturen eingeführt.

Ergänzend zu den Vorträgen wurde im Rahmen der anschließenden Exkursion zu einem Grabungsabschnitt der B6n nahe Köthen das Archiv Boden an zahlreichen Beispielen diskutiert und analysiert. 

Wie die Bodenproben schließlich aufbereitet werden, wurde an der Schlämmeinrichtung des Landesamts in der Brachwitzer Straße auf beeindruckende Weise demonstriert.

 


Veranstalter: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
mit Unterstützung der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg

Organisation und Tagungsbüro: Franziska Knoll M. A.