Landesmuseum für Vorgeschichte Halle, 14. November 2013 - 18. Mai 2014

Blog
Vom Ausstellungsteam notiert

Danke für das Interesse

Die Ausstellung 3.300 BC ist an den Start gegangen.

Wir hoffen, unser Blog mit dem Blick hinter die Kulissen konnte die Wartezeit bis zur Eröffnung etwas verkürzen und hat Ihnen gefallen.

Bis bald in der Ausstellung?

Monika Bode
Urte Dally
Reinhard Kappler
Sven Koch
Sandra Müller
Michael Schefzik
Nicola Scheyhing
Anja Stadelbacher
Michael Strambowski

12.11.2013

Das Museum macht sich schick!

Nicht nur im Museum selbst, sondern auch in dessen Außenbereich werden letzte Verschönerungsmaßnahmen zur Eröffnung in zwei Tagen getroffen. Dazu gehört das frische Streichen des Hauptportals ebenso wie das gerade abgeschlossene Montieren des Riesenbanners, das schon von weitem auf die aktuelle Ausstellung aufmerksam machen soll. Zum Festakt am Mittwochabend wird noch neu beflaggt, dann sollte im Außenbereich soweit alles fertig sein.

Michael Schefzik

 

10.11.2013

Jericho in Halle

Soeben traf mit einer Leihgabe der Antikenverwaltung Jordaniens das am weitesten gereiste Exponat der Ausstellung ein. Nach monatelanger Vorbereitung der komplexen Leih- und Zollformalitäten und begleitet von einem jordanischen und einem Hallenser Kollegen trat das Stück am frühen Morgen seine Reise von Amman via Berlin nach Halle an. Es handelt sich um einen der  berühmten Menschenschädel aus der steinzeitlichen Siedlung von Jericho (Palästina). Der 9.000 Jahre alte skelettierte Kopf wurde mit aus Lehm modellierten Gesichtszügen versehen. Der Grund hierfür dürfte eine besondere Art der Ahnenverehrung gewesen sein. Ein ähnlicher Kult ließe sich auch für einige Befunde aus dem Erdwerk von Salzmünde vermuten.

Michael Schefzik

07.11.2013

Führung "à la blog"

Liebe Leserinnen und Leser,
heute wende ich mich mal direkt an Sie.

Schon nächste Woche ist es so weit! Das Bild von unserem Atrium zeigt, dass gerade alles in Bewegung ist: Die Objekte werden eingebaut, die großen hinterleuchteten Bilder aufmontiert und der Text auf die Vitrinen gedruckt - wir sind alle schon aufgeregt und freuen uns sehr auf die Eröffnung!

Als kleines Dankeschön für Ihr Interesse an unserem Blog möchte ich eine spezielle "Blog"-Führung durch unsere Ausstellung anbieten. Natürlich werden wir auch thematisch in 3300 BC eintauchen, aber zusätzlich würde ich gerne "à la blog" etwas aus dem Nähkästchen plaudern und einen Eindruck von der Arbeit hinter den Kulissen bieten.

Stattfinden soll die Führung am 14.12.2013 um 15:00
(Kosten: nur Eintrittspreis, keine zusätzlichen Führungskosten).

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter folgender eMailadresse an:
besucherbetreuung(at)lda.mk.sachsen-anhalt.de

Stichwort "Führung à la Blog"

Ich freu mich schon!

Herzliche Grüße,
Anja Stadelbacher

 

 

04.11.2013

Feinarbeit

 Nach langen Monaten der Objektauswahl ist es endlich soweit: Die Funde finden ihren Platz in den Vitrinen. Die Mitarbeiter von Fißler & Kollegen vermessen hierfür alle Exponate und fertigen individuelle Halterungen an. Das Team um Thomas Fißler ist bekannt für seine einzigartige Objektmontage, die die Exponate in den Vitrinen scheinbar schweben lassen. Mit viel Liebe zum Detail und einem ruhigen Händchen rücken sie so die Funde ins rechte Licht.

Sandra Müller

03.11.2013

Den Toten ein Gesicht geben, Teil 3: Die Gesichtsrekonstruktion

Nachdem die genaue Kopie des Schädels unserer jungen Frau in Paris angekommen ist, begannen dort im Atelier Daynès die Arbeiten zur Rekonstruktion ihres Gesichts.

Mit Hilfe von Erkenntnissen aus der gerichtlichen Forensik, die bei der Identifikation von Opfern von Gewaltverbrechen entwickelt wurde, können die Gesichtszüge einer Person rekonstruiert werden. 18 unterschiedliche Meßpunkte am Schädel erlauben es, Aussagen über die Form und Dicke der Muskeln und Haut im Gesicht zu treffen. Mit Hilfe dieser Marker, die direkt auf das Schädelmodell aufgebracht werden, kann so das Weichteilgewebe rekonstruiert werden.
Daneben fließen Erkenntnisse aus den anthropologischen und archäologischen Untersuchungen in die Rekonstruktion mit ein: Das Alter beim Tod und das Geschlecht finden selbstverständlich ebenso Beachtung wie Erkenntnisse zu möglichen Erkrankungen, zur Größe und Ernährungsstand. Archäologische Daten zum Klima oder zur Zusammensetzung der Bevölkerung zur jeweiligen Zeit können helfen, eine Aussage zur möglichen Haar- und Hautfarbe oder auch zur Körperbehaarung zu liefern.

So kristallisierten sich in einem langen Entstehungsprozess unter den erfahrenen Händen von Madame Daynès die Züge unserer jungen Frau heraus.

Nicola Scheyhing

(Foto: Atelier Daynès, Paris)
24.10.2013

Rinderopfer von Niederwünsch

In dem Zeitraum von sechs Monaten wurde in der Restaurierungswerkstatt des Landesmuseums eine Rinderdoppelbestattung aus der Jungsteinzeit präpariert. Als Blockbergung wurden die beiden Rinder im Jahr 2009 während der archäologischen Untersuchung der ICE Trasse Leipzig/Halle-Erfurt in der Nähe von Niederwünsch geborgen. Im Verlauf der Freilegung stellte sich heraus, wie reichhaltig und spannend der Befund wirklich ist. 

Indizien für ein komplexes Bestattungsritual lassen sich an den vielen Kleinfunden, von der verkohlten Knochenspitze über die beiden Steinbeile bis zum Keramikgefäß, ablesen. Warum werden an dieser Stelle Tiere wie Menschen mit Grabbeigaben bestattet?

Als besondere Herausforderung stellte sich der Zustand der Knochen im lockeren Lössboden heraus. Denn offenbar hatte auf den Rindern ein ausgedehntes Feuer gebrannt und die Substanz der Knochenoberseite stark angegriffen. Jedoch war es mit den Erfahrungen der Restaurierungswerkstatt möglich, diesen Befund in ein ausstellungsfähiges Objekt umzuwandeln. Dem Präparator Reinhard Kappler ist es gelungen, die vorgefundene Substanz der Blockbergung so heraus zu arbeiten, dass für den Betrachter nun ein Blick in diesen rätselhaften Fundkomplex geboten werden kann.

Reinhard Kappler

Foto: Juraj Lipták
19.10.2013

Die Rückkehr eines alten Bekannten (Teil 3)

Nach der Vollendung des Traggestells, das eigens für das Steinkammergrab aus der Dölauer Heide angefertigt wurde und selbst 3 Tonnen auf die Waage bringt, wurde in der letzten Woche mit dem Aufbau des Grabes begonnen.

Zum Beginn der Arbeiten war viel Muskelkraft notwendig – das Traggestell musste mit 3 Tonnen Sand gefüllt werden. Die Steine konnten nun mittels eines Portalkrans in diese „Sandbetten“ eingelassen werden. Diese Fixierung der Steine wurde zusammen mit den Mitarbeitern der Bauhütte und unserem Bauleiter Gerhard Lamm entwickelt. Diese Methode entspricht der ursprünglichen Aufstellung unter freiem Himmel und garantiert eine schadensfreie Aufstellung. Stein für Stein wächst das Grabmal wieder zusammen. Nun beginnt der knifflige Teil, denn die Steine müssen Zentimeter genau aufeinander ausgerichtet werden. Mit vereinten Kräften und viel Geduld werden die Steine gedreht und gewendet bis die richtige Position gefunden ist. Erst dann werden sie mit speziell dafür angefertigten Halterungen am Stahlrahmen befestigt. Für diese Arbeiten ist die Metallschlosserei Otto aus Halle stetig im Landesmuseum vor Ort. Mittlerweile konnten so alle Seitenwände des Steinkammergrabs aufgestellt und fixiert werden. Unser großes Ziel ist es, noch in dieser Woche das Steinkammergrab mit seinen Decksteinen zu vollenden.

Sandra Müller

18.10.2013

Veranstaltungsflyer

Eben ist unser Veranstaltungsflyer fertig geworden - eine gute Gelegenheit, diesen und den normalen 3300 BC - Flyer hier zum download reinzustellen:

Flyer 3300 BC

Veranstaltungsprogramm 3300 BC

Anja Stadelbacher

15.10.2013

Auf Muscheln gebettet

Bereits eine Berühmtheit und auf dem Titelblatt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Archäologie in Deutschland zu sehen ist eine weitere Dame, die in unserer Ausstellung zu bewundern sein wird.

Die junge Frau starb im Alter von etwa Mitte bis Ende zwanzig. In einer Zeit, in der eine große Anzahl von Frauen in der Folge von Komplikationen bei Schwangerschaften oder Geburten starben, keine Ungewöhnlichkeit. Ihr Leichnam wurde in einer Grube niedergelegt, die in einer wieder verfüllten Lehmentnahmegrube ausgehoben worden war. Den Boden der Grabgrube bedeckten Hunderte von Muscheln – ob sie Teil des Grabritus waren oder Teil der Verfüllung der Lehmgrube, ist unklar. Fest steht jedoch, dass hierdurch ein spektakuläres Bild entstand, dass mit Hilfe des Diplomrestaurators Hartmut von Wieckowski als Blockbergung in seiner ursprünglichen Form erhalten blieb und in unserer Ausstellung gezeigt werden kann.

Natürlich wurden vor der Sicherung und Aufarbeitung der Blockbergung in eine ausstellungsfähige Form umfangreiche Untersuchungen durch Anthropologen und Archäologen durchgeführt, um möglichst viele Details des Lebens der jungen Frau und ihrem Muschelbett herauszufinden und erzählen zu können.

Nicola Scheyhing

Foto: Juraj Lipták
10.10.2013

Knochenarbeit

Während in den Ausstellungsräumen die Aufbauarbeiten der Ausstellungsarchitektur laufen, bereiten wir bereits einige der Funde auf ihren Einbau vor.

Mit anthropologischer Unterstützung durch unsere Mitarbeiterin Isabelle Kollig wurde das Skelett eines etwa 30-40 Jahre alten Mannes in der anatomisch korrekten Lage angeordnet. Seine Knochen weisen auffällig viel Gewalteinwirkung auf: gleich drei der Beschädigungen am Skelett könnten auf eine tödliche Gewalteinwirkung hinweisen. Bedenkt man, dass im Schnitt nur 20 % aller tödlichen Verletzungen an Schäden an den Knochen abzulesen sind, eine erschreckend hohe Zahl.

Um unseren Besuchern einen guten Blick auf die menschliche Anatomie und auch auf die Verletzungen zu geben, wird das Skelett aufwändig nahezu dreidimensional auf einer Platte montiert.

Nicola Scheyhing

07.10.2013

Die Rückkehr eines alten Bekannten (Teil 2)

Nachdem nun die Restaurierung der Steine des Großsteingrabes aus der Dölauer Heide abgeschlossen ist, wurden diese Ende letzter Woche von der Bauhütte Naumburg GmbH in Schulpforte an das Landesmuseum überführt. Hier angekommen konnten sie jedoch noch nicht ihren endgültigen (angestammten) Platz einnehmen, da die Arbeiten für das Tragegestell noch andauern. Die Stahlkonstruktion hat die Maße von 4,42m Länge und 2,50m Breite und bietet im Zusammenspiel mit noch einzubringendem Sand die Möglichkeit das Grab – anders als in der damaligen Dauerausstellung - frei von zerstörenden Maßnahmen wie Beton und Stahlklammern aufzustellen.

In dieser Woche wird das Gerüst vollendet sein, so dass mit der Wiedererrichtung des Grabes begonnen werden kann…   

Michael Strambowski

28.09.2013

Toten ein Gesicht geben, Teil 2 – Stereolithografie

Für die Rekonstruktion des Gesichts der jungen Frau wurde das Ateliér Daynes in Paris ausgewählt. Frau Daynes hat bereits einige Rekonstruktionen für unser Museum hergestellt, unter anderem stammt unser „Denker“, die Neanderthalerdarstellung in unserer Dauerausstellung, von ihr.
Als Ausgangspunkt für eine solche Rekonstruktion ist es notwendig, dass die Künstlerin eine detailgenaue Kopie des Schädels hat, den sie nachbilden soll. In der Vergangenheit hatte man zu diesem Zweck einen Abguss der Knochen hergestellt. Neue Verfahren erlauben jetzt aber, auf diese Vorgehensweise, die die Erhaltung des Schädels gefährden kann, zu verzichten.
Stattdessen wurde der Schädel unserer jungen Frau im Universitätsklinikum Halle in einem Computertomografen dreidimensional aufgenommen. Die hierbei entstandenen Daten dienten als Grundlage, um bei einer Firma, die auf die Herstellung von Prototypen und Modelle spezialisiert ist, eine Stereolithografie herzustellen.
Bei diesem Verfahren werden die Computerdaten an einen Laser übertragen, der ein Pulver aus einem lichtempfindlichen Kunststoff, wie beispielsweise Epoxydharz, verdichtet. Dies geschieht in aufeinanderfolgenden Schichten in Schritten von 0,05 – 0,025 mm. Dadurch entsteht eine sehr genaue Kopie des vermessenen Objekts.
Und wir erhielten dadurch eine praktisch identische Kopie des Schädels unserer jungen Frau, die wir nach Paris auf die Reise schicken konnten. 

Nicola Scheyhing

22.09.2013

„Ausstellungsstücke mal anders“ (Teil 2)

Heute erreichten uns neue Bilder aus dem Stadtmuseum aus Lubljana. Die dortigen Restauratoren waren in den letzten Wochen damit beschäftigt, die Einzelteile der Kunststoffkopie des weltweit ältesten Rades und der dazugehörigen Achse zusammenzusetzen und zu kolorieren. Als direkte Vorlage dienten die Originalfunde, die 2002 bei Grabungsarbeiten im Laibacher Moor gefunden wurden und nun in der Dauerausstellung des Stadtmuseum in Lubljana in sensationeller Weise präsentiert werden. Mit geschultem Auge und ruhiger Hand ist es den Restauratoren gelungen, detailgetreue Kopien dieser wichtigen Funde herzustellen.

In den kommenden Wochen werden beide Objekte den Weg nach Halle antreten, um ab dem 14.11.2013 in unserer Sonderausstellung gezeigt zu werden.

Sandra Müller

14.09.2013

„Kost“probe

Auch in unserer Abteilung Besucherbetreuung/Museumspädagogik rauchen die Köpfe. Wie zu jeder unserer Sonderschauen entwickeln die Dipl. Museologen Monika Bode und Sven Koch ein eigens speziell auf die Ausstellung ausgerichtetes Veranstaltungsprogramm. Viele Ideen sind bereits gesammelt worden, deren Umsetzung momentan auf Hochtouren läuft. So auch das „Ahnenmahl“ – ein neolithisches Festessen - ein Highlight unserer Reihe „Museum Exklusiv“. Um ein neolithisches Ahnenmahl authentisch zu gestalten, hat uns die Dipl. Keramikerin und Plastikerin Beatrix Weißflog besucht. Sie wird typische Salzmünder Keramik nachfertigen, aus der dann nach Herzenslust gespeist und getrunken werden kann. Dafür hat sie die Salzmünde-Keramik genaustens unter die Lupe genommen. Gefäße wurden vermessen, Skizzen angefertigt und Ornamente fotografiert. All diese Fakten sind für Frau Weißflog notwendig, um funktionale Nachbildungen der typischen Keramikgefäße anzufertigen.

Wer Lust auf eine „Kost“probe neolithischer Speisen und Getränke hat, wird sich bald in unserem Veranstaltungsprogramm genauer darüber informieren können.

Monika Bode, Sven Koch

 

Alle Details des Originals werden genau notiert.
11.09.2013

Funde aus dem Norden

Schon jetzt holen wir Leihgaben zu uns ins Museum, um sie für die Ausstellung 3300 BC vorzubereiten. Wir sind nach Dänemark in die Nähe von Aarhus gefahren. Dort befindet sich das Moesgård Museum, eines der wichtigsten archäologischen Museen in Skandinavien.

Es ist für längere Zeit geschlossen, weil die alten Ausstellungs- und Zweckgebäude (Sammlung, Restaurierung, Verwaltung etc.) von Grund auf renoviert werden und ein beeindruckender neuer Museumsbau entsteht. Deshalb konnten uns die dortigen Museumsleute schon jetzt einige wichtige Funde für die Ausstellung übergeben. Mit Hilfe der befreundeten dänischen Archäologen haben wir die Funde unter ohrenbetäubendem Baulärm protokolliert und verpackt und die Kiste durch die Baustelle sicher hinaus gebracht und nach Halle gefahren.

Die ausgeliehenen Keramikgefäße und Steinwerkzeuge stammen aus dem Erdwerk von Sarup und werden im Atrium zu besichtigen sein. Dort werden wir vier bedeutende jungsteinzeitliche Erdwerke aus Mittel- und Nordeuropa mit ihren Besonderheiten zeigen und somit die Basis für den Ausstellungsbereich Salzmünde legen.

Urte Dally

Baustelle altes Museum
Baustelle Museumsneubau
Dolmengrab Poskær Stenhus bei Knebel/ Djursland
05.09.2013

Den Toten ein Gesicht geben

In unserer Ausstellung wollen wir spannende Einblicke in das Leben und die Weltvorstellungen der Menschen vor über 5000 Jahren geben.

Welche Sorgen und Ängste oder auch Hoffnungen diese Menschen hatten, wird uns jedoch verborgen bleiben. Schließlich kennen wir aus dem 4. Jahrtausend vor Christus keine schriftlichen Überlieferungen aus unseren Breiten.

Bei einer der Toten von Salzmünde konnten wir jedoch verschiedene, meist schlimme und dramatische Lebensphasen und Ereignisse rekonstruieren. Nur wenig mehr als zwanzig Jahre dauerte ihr Leben, das ein gewaltsames Ende fand. Die Knochen der jungen Frau zeugen von schwerster Arbeit, Spuren von diversen Knochenbrüchen deuten auf gewalttätige Übergriffe - die Analyse der Anthropologen zeichnet ein grausames, von Schmerz und Leid bestimmtes Schicksal.

Von keinem anderen Menschen, der vor über 5000 Jahren im Gebiet von Salzmünde lebte, kennen wir mehr Lebensdetails. Deshalb sollte anhand des Schädels versucht werden, mithilfe neuester Erkenntnisse, die auch in der Kriminologie zur Anwendung kommen, der jungen Frau wieder ein Gesicht zu geben.

Vom Schädel zum Gesicht – hierfür war ein langer Weg notwendig, den wir in weiteren Einträgen hier episodenweise vorstellen wollen.

Nicola Scheyhing

Befund 15814: Das Skelett der jungen Frau (Foto: Torsten Schunke, LDA Sachsen-Anhalt)
26.08.2013

Aktuelles aus dem Atrium

Es gibt schon wieder Neues im Landesmuseum zu entdecken. Ein Blick ins Atrium zeigt die aktuellen Arbeiten an der Zentralinstallation. Das Team um Herrn Thomas Fißler realisiert die künstlerische Installation und ist eifrig damit beschäftigt, die schwebenden Kartonstückchen zu ersetzen. Jede dieser sogenannten Wickelkarten wird durch einen originalgetreuen neolithischen Pfeilnachbau ersetzt.

Wir freuen uns schon auf die staunenden Augen der Besucher und die fragenden Gesichter: Wie haben die das nur gemacht?

Sandra Müller

23.08.2013

Die Rückkehr eines alten Bekannten (Teil 1)

Für über 40 Jahre war das Steinkammergrab aus der Dölauer Heide das bestimmende Exponat im Lichthof des Landesmuseums für Vorgeschichte. Durch notwendige Baumaßnahmen am Gebäude und der Umstrukturierung der Ausstellung wurde das Grab in der Mitte der 1990er Jahre demontiert. Vom Betonfundament befreit lagerten die einzelnen Steine für mehrere Jahre in einem Depot des Museums.

In der Sonderausstellung  „3.300 BC – Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt“ wird das Grab wieder seinen angestammten Platz im Lichthof des Museums einnehmen. Dafür wurden die einzelnen Steine von Mitarbeitern der Bauhütte Naumburg GmbH aus dem Depot abtransportiert um sie in Schulpforte für die Ausstellung restoratorisch aufzubereiten.

Im nächsten Schritt wird die Konstruktion eines Gestells erfolgen, um das Grab - sobald die Steine im Museum ankommen - in einem angemessenen Rahmen aufstellen zu können…


Michael Strambowski

Das demontierte Grab im Depot
Die Steinkammer im Lichthof des Museums: Das Grab wurde am 26.11.1994 abgebaut und ist hier im Rahmen der Sonderausstellung "Halle vor 961" im Jahre 1961 abgebildet .
21.08.2013

Mit Liebe fürs Detail

Die Arbeiten für die Sonderschau 3.300 BC laufen überall im Landesmuseum auf Hochtouren. Auch in der Restaurierung wird fleißig gewerkelt - Scherben werden gereinigt, angepasst und wieder zu Gefäßen zusammengesetzt. Diese Arbeit erfordert viel Erfahrung, Fingerspitzengefühl und vor allem Geduld.

Wir durften heute Friederike Hertel über die Schulter schauen. Die Diplom-Restauratorin (FH) ist gerade damit beschäftigt, ein typisches Salzmünder Keramikgefäß für die Ausstellung vorzubereiten. Und wie wir sehen, ist bereits wieder ein Gefäß fast fertig und wartet nur noch auf den letzten Schliff, um bald in einer Vitrine platziert zu werden.

Sandra Müller

19.08.2013

Bei uns demnächst zu Gast: Der ULI

Zu den auffälligsten Leihgaben unserer Ausstellung 3.300 BC wird sicherlich die eindrucksvolle Holzschnitzfigur eines sogenannten uli oder nalik gehören. Sie ist wunderbar farbig erhalten und stammt aus Papua Neuguinea. Die Figur ist durch den Privatsammler Julius Riemer vor langer Zeit erworben worden und kam mit seiner naturkundlichen und völkerkundlichen Sammlung durch Erbschaft im Jahre 2003 an die Lutherstadt Wittenberg.

Uli oder naliks spielten in vergangenen Jahrhunderten eine wichtige Rolle im Totenkult der Menschen von Neu-Irland (Papua Neuguinea). Sie vereinen in ihrem gedrungenen, kraftstrotzenden Äußeren sowohl männliche als auch weibliche Attribute. Im ethnologischen Teil unserer Ausstellung erfahren Sie mehr über diese eindrucksvollen Bildwerke, ihre Symbolik und wie sie verwendet wurden.

Noch befindet sich die uli-Figur in der Obhut der Städtischen Sammlungen in Wittenberg, die zurzeit ein neues Museum bauen, das im Mai 2014 eröffnet werden wird. Darin wird die Holzfigur ein highlight sein. Da bei Transport, Aufstellung und Präsentation eines solch prächtigen, aber auch empfindlichen Stückes viel zu berücksichtigen ist, haben wir unseren baldigen Gast in Wittenberg besucht. Herr Wurda und Frau Binder haben für uns die Kiste geöffnet, in der die prachtvolle Schnitzfigur auf uns wartet. Wir haben besprochen, was wir tun können, damit der uli sich auch in Halle für einige Monate wohlfühlen kann. 

Urte Dally

15.08.2013

Bilderrätsel Folge III

Der aktuelle Blick ins Atrium zeigt zumindest schonmal, dass es sich bei den schwebenden Kartonstückchen nicht um ein Einzelphänomen handelt. Wie Sie richtig vermuten, werden wir auch bei dieser Ausstellung das Atrium in seiner vollen dreidimensionalen Pracht für die zentrale Inszenierung nutzen. Jeden Tag entsteht ein Foto des Arbeitsstandes aus der gleichen Perspektive, so dass wir zum Abschluß der Arbeiten ein kleines Daumenkino der Entstehung präsentieren können. Wir finden aber, dass es sich jetzt schon lohnt, einige Bilder zu zeigen - so können Sie "fast" in Echtzeit den Ausstellungsbau mit erleben.

Anja Stadelbacher / Sandra Müller

14.08.2013

„Ausstellungsstücke mal anders“

Nicht immer ist es möglich, Funde externer Leihgeber im Original auszustellen. Meist sind herausragende Objekte bereits über Jahre hinweg von anderen Museen für deren Ausstellung gebucht oder bilden in den jeweiligen Dauerausstellungen ein derartiges Highlight, dass sie nicht entliehen werden können.

In ganz seltenen Einzelfällen entscheiden wir uns, eine Replik auszustellen. In der Ausstellung 3.300 BC haben wir so einen Fall:
Momentan wird eifrig an einer Nachbildung eines Holzrades und einer Achse gearbeitet. Es handelt sich dabei um das weltweit älteste Holzrad, das 2002 bei Grabungsarbeiten in der vorgeschichtlichen Pfahlbausiedlung Stare gmajne im Laibacher Moor (Ljubljansko barje) zusammen mit der dazugehörigen Achse entdeckt wurde. Die Achse ist eine wunderbar präzise Arbeit, die für uns auch als Nachbildung, vor allem im museumspädagogischen Bereich, eine Bereicherung der Ausstellung ist. Nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten in Mainz hat das Ensemble wieder seinen Weg nach Ljubljana ins dortige Stadtmuseum gefunden und bildet das Highlight der Dauerausstellung.

Da der Fund auf Grund seiner Bedeutung auch in unserer Ausstellung thematisiert werden soll, haben wir uns entschieden eine originalgetreue Nachbildung in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Ljubljana anzufertigen. Frau Irena Sinkovec, die Kustodin des Stadtmuseums, hat bereits Erfahrung mit der Anfertigung einer derartigen Kopie und unterstützte uns mit Rat und Tat.

Als Grundlage für die Erstellung der Nachbildung dienten 3D-Scans des ältesten Rads und dessen Achse, die nach Beendigung der Restaurierungsmaßnahmen in Mainz erstellt wurden. In einem aufwendigen Verfahren wurden die 3D-Scans durch die in Ljubljana ansässige Firma RPS d.o.o in Kunststoff umgesetzt. Bereits hier lassen sich kleinste Details des Originals erkennen.

Da der Fund auf Grund seiner Bedeutung auch in unserer Ausstellung thematisiert werden soll, haben wir uns entschieden eine originalgetreue Nachbildung in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Ljubljana anzufertigen. Frau Irena Sinkovec, die Kustodin des Stadtmuseums, hat bereits Erfahrung mit der Anfertigung einer derartigen Kopie und unterstützte uns mit Rat und Tat.

Als Grundlage für die Erstellung der Nachbildung dienten 3D-Scans des ältesten Rads und dessen Achse, die nach Beendigung der Restaurierungsmaßnahmen in Mainz erstellt wurden. In einem aufwendigen Verfahren wurden die 3D-Scans durch die in Ljubljana ansässige Firma RPS d.o.o in Kunststoff umgesetzt. Bereits hier lassen sich kleinste Details des Originals erkennen.

In einem nächsten Schritt werden die Einzelteile durch die Restauratoren des Stadtmuseum Ljubljana zusammengefügt und koloriert. Wir sind selbst schon auf das Ergebnis gespannt und freuen uns auf diese Repliken.

Sandra Müller

Die noch uncolorierte Replik des Rades (Foto: Matevz Paternoster, MGML).
Die Präsentation der Objekte in Ljubljana (Foto: Matvez Paternoster, MGML).
12.08.2013

Das Rätsel geht weiter...

Brandaktuell aus dem Atrium möchten wir Ihnen dieses Bild nicht vorenthalten! Sandra Müller, unsere Koordinatorin des Ausstellungsbaus, flitzt schon den ganzen Tag aufgeregt durch das Museum, da nun die Detailarbeiten an der Zentralinstallation beginnen. Der Schnappschuss stammt von ihr, das Rätsel der schwebenden Kartonstücke wird sie aber erst in den folgenden Tagen auflösen. Dann kommt der nächste Bericht zum Ausstellungsbau und vielleicht kann man da schon mehr erkennen...

as

12.08.2013

Think big

Das 4. Jahrtausend kann ja wirklich mit Monumentalem protzen: Nachdem die megalithische Bauweise im 5. Jahrtausend ihren Anfang nahm, verbreitet sie sich etwas später in alle möglichen Winkel Europas und brachte unterschiedlichste Bauwerke hervor.

Ein hervorragendes Beispiel für ganz außerordentlich bedeutende Megalithkultur in Kombination mit doch etwas entlegenem Fleckchen Erde sind die Orkney Inseln.

Man gehe nach Nordschottland und von dort aus nochmal etwas weiter in den Norden, dann erreicht man eine karge Inselschönheit und voilà: eine der beeindruckendsten Megalithlandschaften Europas. Dass auch dort noch nicht längst alles endeckt ist, zeigt diese Meldung von der Archäologin Angelika Franz in Spiegel Online.

Übrigens: Ganz in der Nähe, auf den äußeren Hebriden auf der Isle of Lewis, steht einer der berühmtesten Steinkreise Europas: Die Stones of Calanish (oder Callanais, wenn man gälisch bevorzugt). Da nicht jeder einfach mal in den hohen Norden fliegen und eines der imposantesten Erzeugnisse megalithischen Gestaltungswillens in Europa selbst erleben kann, haben wir Juraj Lipták gebeten, dieses Erlebnis für uns einzufangen.

Und nun raten Sie mal, wo Sie ab dem 14. November 2013 einen Hauch von Hebridenluft schnuppern können…

Anja Stadelbacher

08.08.2013

3.300 BC

Erst heute wurde ich wieder gefragt: „Aha, Steinzeittote. Und was ist das Spannende daran?“

Ja, es stimmt: Wieder einmal zeigen wir einen Schatz aus Sachsen-Anhalt, der seine Preziosen und Außergewöhnlichkeit erst auf den zweiten Blick preisgibt. Diesmal sind es keine 200.000 Jahre alten Elefantenknochen oder Abfälle eines Akteurs der Weltgeschichte. Der Schatz, den wir in der Ausstellung „3.300 BC – Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt“ präsentieren, ist nicht mit den Händen zu fassen.

Es sind Lebens- und Leidensgeschichten, die sich vor über 5000 Jahren zugetragen haben, Blicke in eine heute fremde Welt, in der das Zwiegespräch mit den Ahnen zum Alltag gehörte und große Innovationen Europa in Bewegung brachten. Auf einem Plateau bei Salzmünde in Sachsen-Anhalt finden wir einen Ritualort von europäischem Rang, nach dessen Namen eine ganze Kultur benannt wurde.

Die Befunde und Funde sind unglaublich und ermöglichen es Fachleuten verschiedenster Disziplinen, das Puzzle einer fernen Welt zusammenzusetzen, die uns zunächst durch rätselhafte Symbole, vielschichtig und kompliziert aufgebaute Gruben und monumentale Grabenwerke mit Schädeldeponierungen überliefert ist.

Uns war es sehr wichtig, diesen Detailreichtum und diese Fülle an Information nicht im luftleeren Raum stehen zu lassen. Deshalb erweckt der erste Teil der Ausstellung inklusive der Zentralinstallation die Welt des 4. Jahrtausends wieder zum Leben. Und ich denke, ich kann mit guten Gewissen versichern: Sie werden staunen!

Anja Stadelbacher

06.08.2013

Countdown – Noch 100 Tage bis zur Eröffnung der Ausstellung „3.300 BC“

Wie doch die Zeit vergeht – gefühlt gestern haben uns die Schwertransporter mit den Pompeji-Fresken gen Süden verlassen, und nun ist schon unser „interner“ Countdown bis zur Eröffnung der nächsten Sonderausstellung angebrochen.

Ganz nüchtern gesehen liegen zwischen den zwei Ereignissen knapp anderthalb Jahre, das mag auf den ersten Blick viel erscheinen für die Konzeption und Errichtung einer Sonderausstellung. Bei einer zu bespielenden Fläche (so heißt das im Museumsjargon) von um die 1000 qm wird die Verwunderung sicher kleiner. Und wenn man sich die ganzen einzelnen Vorgänge, von der wissenschaftlichen Erarbeitung über die Restaurierung, die gestalterische Konzeption bis zum Ausstellungsbau vor Augen führt, dann versteht man, warum die Zeit zwischen zwei großen Ausstellungen eigentlich immer zu kurz ist.

Einige dieser Vorgänge möchten wir bis zur Eröffnung etwas näher beleuchten. Wir Museumsleute sind von Natur aus ziemlich neugierig und lieben es, wenn wir z.B. in anderen Häusern hinter die Kulissen blicken dürfen. Ich hoffe einfach, dass diese Neugier ein weit verbreitetes Phänomen ist und einige Leute Freude an unseren kleinen Geschichten zur Entstehung der Ausstellung "3.300 BC - Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt" haben werden.

Und wer zurzeit durch das kühle Erdgeschoss des Landesmuseums schlendert, kann einen Blick auf die ersten Arbeiten an der Zentralinstallation im Atrium werfen (unten schonmal ein kleines Bilderrätsel als Vorgeschmack). Auch diesmal haben die Gestalter Juraj Lipták und Karol Schauer ein sehr beeindruckendes Eingangsbild entworfen, das wir in seiner Entstehung begleiten werden.

Anja Stadelbacher