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Vom Ausstellungsteam notiert

11/26/15

Ein letzter Gruß

Endlich ist soweit: Bereits seit dem 6. November, dem Todestag von Gustav II. Adolf, können Sie nun die neue Sonderausstellung im Landesmuseum besichtigen. Schon zahlreiche Besucher haben sich auf archäologische Spurensuche begeben. Wir hoffen, dieser Blog hat Ihnen mit vielen interessanten Hintergrundsinformationen zur Ausstellungsvorbereitung die Wartezeit bis zur Eröffnung etwas verkürzen können.

Mit diesen Impressionen von der Eröffnungsfeier möchten wir uns von Ihnen verabschieden. Wir bedanken uns für Ihr Interesse und freuen uns auf ein Wiedersehen im Museum. 

Ihr Ausstellungsteam

11/03/15

Ente gut!

Viele Gewerke sind mit dem Aufbau der Ausstellung beschäftigt. Überall wird gebohrt, gesägt, gehämmert oder Farbe auf die zukünftigen Ausstellungswände gebracht und elektrische Leitungen gelegt. Handwerk as its best!

Ganz wichtig für den optischen Eindruck einer Ausstellung ist am Ende der langen Kette der geschriebenen Texte und ausgewählten Bilder, der Ausstellungsgestaltung und der grafischen Bearbeitung der Siebdrucker. Er bringt unsere Texte und mitunter auch Bilder auf die Wände und an die Vitrinen.

Alle Texte und Bilder werden als durchlässige Stellen in einem feinmaschigen Sieb vorbereitet, welches dann in einen Rahmen gespannt wird. Mit einer Gummirakel wird dann die Farbe durch die engen Maschen des Gewebesiebes gedrückt, welches genau an der richtigen Stelle liegen muss. Hier sind absolute Präzision und ruhige Hände gefragt.

Heute war der kleine sehr filigrane Wasservogel aus Ugarit an der Reihe, liebevoll „Ente“ genannt.

A.G.

Der Siebrahmen wird von Uwe Tscheuschner und Friederike Vogelmann exakt auf die vorbereitete Markierung gesetzt.
Vier Hände für die Ente!
Außerhalb der Abbildung wird die Farbe aufgebracht.
Uwe Tscheuschner setzt den Rakel an und...
... so schnell kann man gar nicht auf den Auslöser drücken: der Rakel zieht mit einer kräftigen Bewegung über das Sieb.
Da staunt selbst die Ente, wie gut sie hier bei uns in Halle aussieht.

10/27/15

CSI am Massengrab

Bei der Untersuchung eines Massengrabes ist die Feststellung der Todesursache von besonderem Interesse. Angelegt wurden solche Gräber meist notgedrungen, um die zügige Bestattung einer hohen Anzahl Toter, die zur selben Zeit oder kurz hintereinander zu Tode kamen, zu gewährleisten. Massengräber treten nach Epidemien oder (Natur-)Katastrophen auf, oftmals sind sie auch das Resultat eines Kampfes oder einer Schlacht.

Untersuchen Archäologen und Anthropologen so einen Befund, sind sie besonders daran interessiert, herauszufinden, was genau passiert ist, welche Verletzungen zu beobachten sind. Die Art der Gewalteinwirkung und die Identifikation von Verletzungsmustern liefern wie bei einer modernen Tatortuntersuchung die gesuchten Informationen zum Tathergang oder wie hier beim Lützener Massengrab zum Ablauf der Kämpfe zu einem bestimmten Zeitpunkt an diesem Ort.

Die Männer aus dem Massengrab von Lützen weisen zahlreiche Schussverletzungen, insbesondere Kopfschüsse, auf. Einige der Schädel wurden für detailliertere Untersuchungen entnommen.

Vorbereitungen zur Bergung eines Schädels durch Restaurator Heiko Breuer.
Der Schädel wurde mit Wachs und Gips stabilisiert.
Schädel von Individuum 3 nach der Bergung.
Schädel 3 im frühen Stadium der Freilegung. Am linken Scheitelbein ist ein Einschussloch zu erkennen. Die Austrittswunde des Projektils konnte am gegenüberliegenden rechten Scheitelbein festgestellt werden. Eine Bleikugel durchschlug den Kopf des Soldaten mit hoher Geschwindigkeit, sie ist nicht erhalten.

Direkt nach der Bergung wurden von den noch mit Erde verfüllten Schädeln CT-Aufnahmen angefertigt und in einigen Fällen konnten die Bleigeschosse im Schädel noch festgestellt werden.

Wer wen erschoss und zu welchen Einheiten die Soldaten gehörten, erfahren Sie in der Ausstellung. In einer Medienstation kann man zu jedem Individuum alle Informationen wie in einem Steckbrief abrufen.

Nicole Nicklisch (N.N.)

10/22/15

Wie aus Scherben ein ganzes Fenster entsteht oder: Neues Berufsbild: der digitale Glaser

Ebenfalls noch nicht in einer Ausstellung gezeigt sind das Fensterglas und die zugehörige Bleiruten aus dem schwedischen Lager von Latdorf bei Bernburg, Salzlandkreis.

Es handelt sich um Fragmente von Wabenscheiben, die mit Bleiruten gefasst in die Fensterrahmen eingesetzt waren.

Die Untersuchungen der Fragmente im Zuge der Restaurierung ergaben einige interessante Ergebnisse. Alle Fragmente wurden gereinigt, damit die Kanten unter dem Mikroskop untersucht werden konnten. Hilfreich war, dass an etlichen Scheiben auch die ursprünglichen Kanten erhalten sind. So konnten Rückschlüsse auf die Form der ursprünglichen Scheiben gezogen werden.

Vollständige Wabenscheiben sind sechseckig, daneben sind die Formen einer senkrecht halbierten Wabenscheibe und die einer waagerecht halbierten vorhanden. Die beiden halbierten Scheibenformen wurden so zugeschnitten, um am Rand der Fenster passgenau mit dem größeren rechteckigen Fensterrahmen abzuschließen.

Dorothea Habel, Christine Leßmann, Jasmin Heinrich

Vollständige Wabenscheibe in drei Fragmenten.
Senkrecht zugeschnittene Wabenscheibe.
Waagerecht zugeschnittene Wabenscheibe.
Aber auch die Bleiruten wurden genau untersucht.
Da sie nicht im Original auseinandergefaltet werden können, wurden sie genau vermessen und digital aufgefaltet.
So war es möglich, die wabenartige Fensterstruktur zu rekonstruieren.

10/20/15

Das Massengrab

Endlich!

Von allen an der Ausstellung Beteiligten wurde der Tag herbeigefiebert und gleichzeitig mit einigem Bangen erwartet, an dem die beiden Blöcke des Massengrabes in die geplante senkrechte Stellung aufgerichtet wurden. Mitten im Atrium stehen sie, der Rahmen und das zugehörige Boden werden in den nächsten Wochen entstehen.

Wir sind schon alle sehr gespannt, wie die Inszenierung dann am Ende aussehen wird. Kalt lässt dieses Mahnmal des Krieges niemanden!

A.G.

 

 

10/13/15

Anthropologie – Ein Knochenjob

Die Anthropologin Dr. Nicole Nicklisch entnimmt Individuum 13 eine Zahnprobe (Foto: Andrea Hörentrup).

Bei der Untersuchung des Massengrabes sind die Anthropologen diejenigen, die den Skeletten am nächsten kommen, auch im übertragenen Sinne. Das war auch bei dem Lützener Massengrab der Fall. Dr. Nicole Nicklisch untersuchte die Skelette dabei ganz genau. Die Bestimmungen des Sterbealters der einzelnen Individuen, ihres Geschlechts oder ihrer Körperhöhe gehören dabei zu den „klassischen Untersuchungen“, hinzu kommt auch die Entnahme einer Vielzahl von Proben.

Nicole Nicklisch entnahm diese bereits bei der Freilegung, um die Qualität der Ergebnisse der genetischen Analysen sicherzustellen. Hand- und Mundschutz sind dabei Pflicht, denn nur die DNA der Skelette soll beprobt werden, nicht die der Probennehmerin. Zudem wurde Zähne zur Bestimmung der Herkunft und Rippenknochen zur Rekonstruktion der Ernährung entnommen.

Die klassischen anthropologischen Fragen drehen sich um die Basisdaten der Verstorbenen wie Alter und Geschlecht, aber auch Krankheiten, die Spuren an den Knochen hinterlassen haben.

Vor allem am Becken und am Schädel lässt sich unterscheiden, ob es ein männliches oder weibliches Individuum war.

Informationen zum Alter liefern u. a. die Schädelnähte, der Abnutzungsgrad der Kauflächen der Zähne oder spezielle Merkmale am Becken. Bei Kindern und Jugendlichen sind der Entwicklungsstand und Durchbruch der Zähne sowie der Verschluss von Wachstumsfugen den Knochen maßgeblich.

Der Schädel von Individuum 5 besitzt alle Merkmale eines Mannes. Besonders auffallend ist die ausladende Kieferwinkelregion mit den Ansatzpunkten für die Kaumuskeln (Foto: Klaus Bentele).
Bei dem Individuum 24 (16-20 Jahre) sind die Wachstumsfugen an Beckenkamm und Sitzbeinhöcker noch nicht verwachsen (rote Pfeile), der rechte Oberschenkelkopf aber bereits mit dem Schenkelhals (blaue Pfeile). Diese Analyse der Verknöcherungen ermöglicht die Altersbestimmung bei jugendlichen Individuen (Foto: Klaus Bentele).

Für die Körperhöhe werden die Langknochen vermessen und nach bestimmten Formeln hochgerechnet. Die Erhebung dieser Basisdaten fand auch an den Toten aus dem Lützener Massengrab statt. Bei den 47 Toten handelt es sich ausschließlich um Männer, überwiegend im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Auch einige Jugendliche befanden sich unter den Toten, aber nur wenige alt gediente Kämpfer. Die Männer waren im Durchschnitt mit etwa 171 cm ganze 7 cm kleiner als Männer im Jahr 2013. Der größte Soldat erreichte immerhin ca. 183 cm, der Kleinste war etwa 160 cm groß.

Aber die Knochen der Toten erzählen noch viel mehr… der nächste Beitrag hierzu ist schon in Vorbereitung!

A.G.

10/08/15

Der Gustav-Adolf-Tag in Lützen 2014

Der 6. November wird in Lützen jedes Jahr feierlich begangen, denn man gedenkt des Jahrestages der Schlacht von Lützen. Im Übrigen wird in Lützen als Datum der 6. November genommen, denn 1632 benutzten die Schweden noch den alten, julianischen Kalender, nicht wie im Rest des Reiches den gregorianischen, nach dem die Schlacht eigentlich der 16. November 1632 stattfand – eine Schlacht, zwei Daten.

Die Mitarbeiter der Besucherbetreuung unseres Museum machten sich an dem Tag auf, um das Schlachtfeld in Lützen einmal mit eigenen Augen zu sehen und zu Fuß zu erkunden. Wenn man uns heute eine Karte mit der Aufstellung der beiden Armeen an jenem Tag vorlegt, scheint uns alles klar, aber wie sah das im Gelände aus? Wie weit stand die schwedische Armee auseinander, wenn auf mehr als einen Kilometer Breite Tausende Fußsoldaten und Reiter standen und auf das Zeichen zum Angriff warteten. Wie weit mussten sie marschieren, um das erste Mal ihre Feinde zu sehen? Wo standen denn die Kaiserlichen? Diese Fragen sollen sie ja in den Führungen während der Sonderausstellung aus eigener Anschauung beantworten können.

Hier stand 1632 der linke Flügel der schwedischen Armee, bestehend aus sächsischen Reitern, schottischen Fußsoldaten und weiteren Soldaten aus aller Herren Länder.
Die Graugänse flogen dort auf, wo 1632 die schwedischen Kanonen standen.
Hier kamen wir gerade rechtzeitig zur feierlichen Kranzniederlegung.

Begonnen hatten wir diese Weiterbildung mit der Teilnahme am offiziellen Gottesdienst in der Kirche von Meuchen, zusammen mit Gästen aus den Nordischen Botschaften in Berlin. Die Wanderung führte uns danach zur Gedenkstätte für den König, die dort errichtet wurde, wo man seinen Todesort vermutete.

In Lützen schlossen wir noch einen Besuch des Museums im Schloss, dem ehemaligen Hauptquartier Wallensteins, an und freuten uns nachmittags sehr über die Einladung zur berühmten „schwedischen Kaffeetafel“.

A.G.

10/06/15

Der Schwedenschimmel von Ingolstadt

Mit dunklen Tüchern wird die Umgebung abgehängt, um die Umgebung optisch „auszublenden“.

Als Gustav II. Adolf von Schweden im Frühjahr 1632 Ingolstadt belagerte, ritt er noch nicht den berühmten „Streiff“. Das namenlose Pferd wurde von einem kaiserlichen Scharfschützen seinem königlichen Reiter unter dem Leib weggeschossen. Kurz darauf zogen die Schweden ab. Anstelle des Königs holten sich die Kaiserlichen und die Ingolstädter den Pferdekadaver und stopften ihn aus. Dieses Präparat ist bis heute im Stadtmuseum von Ingolstadt erhalten. Für unsere Ausstellung brauchten wir ein gutes Foto, da der Schwedenschimmel, wie er genannt wird, selber nicht mehr „reisefähig“ ist.

Unsere Fotografen Andrea Hörentrup und Gunar Preuß haben in Ingolstadt nun das ehemalige Reittier Schwedenkönigs ins rechte Licht gerückt.

Bei uns im Team gehen die Meinungen stark auseinander, ob man den „Schimmel“ in sein Herz schließen kann oder nicht. Ich habe es getan, denn dieser treue Blick den aus präparierten Augen ist doch herzig, oder?

„Mehr Licht!“ Mit Lampen und anderen Hilfsmitteln wird ein echtes Fotoshooting aus dem Fototermin.
Die Zeichen der Zeit sind zwar deutlich sichtbar, aber ich mag den „Schwedenschimmel“ trotzdem.

A.G.

Fotos: Andrea Hörentrup, LDA

10/01/15

Der Katalog zur Sonderausstellung

Ein weiterer dicker Brocken in der Vorbereitung der Ausstellung ist abgeschlossen: Am heutigen Freitag wurde die druckfertige Fassung des knapp 500 Seiten starken Begleitbandes beim Verlag eingereicht. Über hundert Autoren haben ein buntes Spektrum an Beiträgen zum Thema verfasst – vom Konfliktverhalten bei Ameisen und Primaten über den ersten Mord der Menschheitsgeschichte bis zu den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges in Mitteldeutschland.

M.S.

09/29/15

Es geht los: Tonnenweise auf den Wege gebracht

Nach fast zwei Jahren Vorbereitung und Planung ist es soweit: Die Sonderausstellung „Krieg“ materialisiert sich in der dritten Dimension; der Ausstellungsbau beginnt! Bevor es so richtig losgehen kann, müssen die beiden Massengrab-Blöcke aus der Restaurierungswerkstatt ins Museumtransportiert werden. Denn wenn erst einmal die Vitrinen in den Räumen stehen, ist kein Platz mehr, um die 2,30m x 3,60 m großen Blöcke an ihren Bestimmungsort zu bringen.

Wie transportiert man also 1,7 Tonnen Erde und Knochen verteilt auf zwei Blöcke unbeschadet von der Restaurierungswerkstatt ins Museum und dort die Treppe hinunter ins Atrium?

Eine willkommene Herausforderung für unseren Bauleiter Gerhard Lamm.
Unterstützt wird er von Fachleuten, die sich mit Schwergewichten gut auskennen: Eine Steinmetzfirma stellt ihr Know-how, eine Autofirma ihren Transporter mit Kran zur Verfügung, die Haushandwerker packen mit an.
Bangende Restauratoren und viele helfende Hände begleiten die Blöcke auf ihrem Weg zum Museum.
Dann die Erleichterung: Der erste Schritt ist geschafft! Die Restaurierungswerkstatt ist leer, die beiden Blöcke liegen im Museum bereit.

 

Bald muss jeweils eine Tonne Block in die Senkrechte gehoben werden.
Es bleibt also spannend...

I. K.

 

 

09/23/15

Die Affen sind los...

Foto: wikimedia commons

Ein ganz normaler Tag im Büro, die Vorbereitungen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit binden den Blick auf den Bildschirm.
Aber plötzlich: Was ist das für ein komisches Geräusch? Zunächst glaubt man an eine "akustische Täuschung". Aber da, nach einigen Minuten, schon wieder!
Ein fragender Blickkontakt des Kollegen zeigt, dass man das Geräusch nicht alleine hört und man ist sich schnell einig, dass es sich eigentlich um eine kreischende Horde von Affen handeln müsste, was ja aber nicht sein kann.

Doch in unregelmäßigen Abständen erschallt das laute Gekreische wieder, und nach ca. einer halben Stunde sind wir uns sicher, es kommt aus dem Hof - und es sind Affen!
Ob welche aus dem Zoo ausgebrochen sind? Langsam wird uns unheimlich, und wir gehen raus um die Lage zu sondieren - Ruhe. Vielleicht haben Sie uns entdeckt und sind deshalb mucksmäuschenstill?

Doch kaum sitzen wir wieder am Schreibtisch, geht das Affengebrüll weiter. Also wieder raus, und diesmal hören sie nicht auf, und uns wird schlagartig klar, dass der tierische Krach nicht von draußen kommt, sondern aus dem Büro der Kollegen!

Dort sehen wir, dass diese gerade Filmsequenzen für die kommende Sonderausstellung schneiden, es geht um die Frage, ob es "Krieg" oder ähnliche Phänomene auch bei unseren nächsten Verwandten gibt...

Ja, während so einer Ausstellungsvorbereitung kann man einiges erleben ;)

Anja Stadelbacher (A.S.)

 

 

09/22/15

Ufos über der Heunischenburg

Für gute Bilder tun wir alles: Um die außergewöhnliche Torkonstruktion einer bronzezeitlichen Befestigung so abzubilden, dass man deren Raffinesse auch wirklich versteht, müssen manchmal ungewöhnliche Wege gegangen werden. Diesmal war es die Fahrt nach Nordbayern mit einer Drohne im Gepäck. Sie surrte so lange über der Toranlage, bis Höhe und Winkel optimal passten. Das Ergebnis wird ab 6. November als hinterleuchtetes Foto in der Ausstellung zu sehen sein.

 

M. S.

 

 

09/17/15

Nordische Felsbilder

Beschäftigt man sich mit dem Thema „Krieg in der Bronzezeit“, kommt man um die skandinavischen Felsbilder kaum herum. Unzählige der Felszeichnungen zeigen Krieger, Waffen und Gewalt. In den meisten Fällen dürfte es sich dabei allerdings um die Darstellung ritueller bzw. abstrakter Szenen und nicht um reale Kämpfe handeln. Von unserer Recherchefahrt ins westschwedische Bohuslän, einem Hotspot der Felsmalerei, werden zahlreiche Bilder und Themen in der Ausstellung zeugen.

 

M.S.

 

 

09/14/15

The International Meeting at the Lützen battlefield 2009

Since September 2006, large scale surveys have been undertaken on the Lützen battlefield, conducted by André Schürger. From the beginning on, colleagues from Great Britain, Sweden, and the United States have been involved in the scientific discussion about finds, methods, and results. In 2008, the first international congress ever held in Germany on Battlefield Archaeology took place in Halle and the participants made a trip to the Lützen battlefield. It was on that occasion that the idea of a field meeting was born. In October 2009, Glenn Foard, Bo Knarrström, Tony Pollard, and Tim Sutherland showed up at Lützen. There was no Lützen fog on those golden October days, but metal detecting, plotting the finds in the field, discussing the finds, and much scientific fun.

Bo Knarrström is metal detecting while André Schürger is plotting finds with a hand-held GPS device.
All lead shots were measured in by total station. Tim Sutherland waits for Glenn Foard’s next find to set a measuring point.
Yes!! Bo Knarrström unearths one of the rare artillery shots of small calibre.
Tony Pollard and Tim Sutherland with Bo’s find.
A well fed army is absolutely necessary for success on the battlefield.

If you want to get to know more about the project, please follow the link and watch most of the colleagues mentioned above in the interviews: http://www.lda-lsa.de/filme/schlachtfeldarchaeologie/

 A.G.

 

 

09/08/15

Die Anprobe

Für den Veranstaltungskalender zur Sonderausstellung überlegen wir uns viele Dinge. Das Thema „Dreißigjähriger Krieg“ soll intensiv begleitet werden. Damit die Teilnehmer der Veranstaltungen auch ein wenig in jene Zeit eintauchen können, haben wir die Kleidung eines Soldaten und einer Frau aus dem Tross angeschafft. Die Sachen wurden bei einer auf die Zeit des 17. Jahrhunderts spezialisierten Schneiderin bestellt und wir warteten voller Erwartung auf die Lieferung. Endlich war es soweit: Zwei große Kartons kamen an, in dem einen die Kleidung, in dem zweiten das weitere Zubehör wie ein Tragekorb, Essschälchen aus Keramik und eine Feldflasche aus Steinzeug.

Schnell war das Klebeband aufgerissen und da: zwei Filzhüte, einer mit Feder sind zu sehen,...
...dann Schuhe, Strümpfe, Gürtel, Tasche.
Als nächstes werden die Miederweste...
und die Frauenjacke ausgepackt und anprobiert.
Das muss die Männerunterhose sein.
Frauen trugen ja im 17. Jahrhundert nur ein langes Hemd als Untergewand.
Das Männerunterhemd ist auf „Zuwachs“ geschneidert, je mehr Stoff, desto mehr Wärme im Winter.
Dann kommt noch die knielange Hose...
und die graue Jacke.
Zum Schluss kamen noch die beiden Mäntel aus dem Karton. Weitgeschnittene Umhänge aus gewalktem Wollstoff, der wärmt und nachts auch als Decke dient.

Das ist die Kleidung, die die einfachen Soldaten und ihre Frauen trugen. Was wir ausgepackt haben, ist neu, riecht nicht - wie damals - nach ungewaschenem Leib, hat keine blutsaugenden Mitbewohner wie Läuse und Milben. Zum Glück! Ein wenig kratzt die Wolle schon auf der Haut, ein ungewohntes Tragegefühl für uns heute. Die Freude über die schönen Sachen aus dem Karton ist ungebrochen, als wir sie zurück in die „Zeitschachtel 1632“ packen und unsere Kleidung anno 2015 wieder anziehen.

Vielleicht mögen Sie die Kleidung auch einmal anprobieren? Schauen Sie einfach in den Veranstaltungskalender, sobald unsere Ausstellung eröffnet hat und melden Sie sich bei Frau Bode und ihrem Team der Besucherbetreuung an.

A.G.

 

 

09/03/15

In Szene gesetzt

Unser Haus ist bekannt für seine eindrucksvollen Inszenierungen archäologischen Fundgutes. Jeglichen Schwerkraftgesetzen zum Trotz scheinen sie im Raum zu schweben oder regnen wie in der Dauerausstellung eine Wand hinunter.
Bis eine solche Objektinstallation wirken kann, bedarf es einiger Arbeit. Zuerst entwickeln unsere Gestalter Karol Schauer und Juraj Lipták eine Idee, die zentrale Aussagen und Assoziationen zu den gezeigten Objekten bündelt und in vielschichtigen Bild auf den Punkt bringt.


Hier entsteht eine dunkle „Wolke“ aus den ersten gezielt zur Tötung von Menschen entwickelten Artefakten- den Keulen. Jedes einzelne Fundstück muss seinen Platz im Ganzen finden und gesondert gehaltert werden. Die Spezialisten von der Firma Fissler & Kollegen arbeiten dafür auf Hochtouren.

A.K.

 

 

08/31/15

Annäherung

Wie groß ist das Schlachtfeld in Lützen? Wo standen die beiden Heere an jenem Tag? Das waren einige der Fragen, die sich auch das Ausstellungsteam stellte, als es an die Konzeption der Ausstellung ging. Natürlich kannten alle die Karten, die Anfahrtsrouten im Navigationssystem, das Luftbild im Internet und natürlich das Museum im Schloss in Lützen. Für mich als Kuratorin mit dem Faible für den Dreißigjährigen Krieg war das Schlachtfeld kein unbekanntes, hatte ich es doch schon häufiger besucht und kannte die Ausmaße aus der Perspektive eines Fußgängers. Für meine Kollegen war es jedoch etwas Neues.
So starteten wir an einem Maimorgen 2014 zu einer Landpartie nach Lützen und Meuchen.

Der Küster der Meuchener Gustav-Adolf-Kirche schloss uns auf und so betraten wir die kleine Kirche, in der der in der Schlacht am 6.11.1632 getötete König Gustav II. Adolf von Schweden vom Schmutz des Schlachtfeldes gereinigt worden war. An der Wand des Chores ist der Tisch befestigt, auf dem der Tote gelegen haben soll, von einem roten Vorhang geschützt.

Dann ging es über holprige Feldwege raus auf’s Schlachtfeld. Der Mais verstellte zwar den weiten Blick, das Wäldchen der Gustav-Adolf-Gedenkstätte ließ sich aber erahnen.
Nur der Blick nach Lützen Richtung Schloss und Kirche war unverstellt.
Von der Gedenkstätte aus gingen wir noch ein Stück den Feldweg entlang, der damals zur Landstraße nach Leipzig gehörte Schlachtfeld...
...und schauten vom Gedenkstein für „G A“ nach Norden über das Feld, wo 1632 Wallensteins Truppen standen.
Schmetterling heißt übrigens „fjäril“ auf schwedisch.

A.G.

 

 

08/25/15

Das älteste archäologisch nachgewiesene Schlachtfeld Europas

Aufsehenerregend sind die Ergebnisse der Kollegen, die das bronzezeitliche Schlachtfeld im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern) erforschen. Nichts auch nur annähernd Vergleichbares war aus dieser Zeit bislang bekannt und die Dimension mit geschätzt mehreren tausend Kämpfern lässt selbst erfahrene Forscher staunen. In Halle werden die Funde nun erstmals umfassend der Öffentlichkeit präsentiert. Zuvor wurden in Treffen mit dem Landesarchäologen Dr. Detlef Jantzen und weiteren Kollegen aus dem reichhaltigen Fundmaterial die interessantesten Exponate für eine Präsentation ausgewählt.

M.S.

 

Gemeinsame Fundauswahl (Foto: Juraj Lipták)

08/21/15

Fund für Fund

Steht das grundlegende Konzept einer Ausstellung erst einmal fest, macht sich das Team auf die Suche nach geeigneten Exponaten zur Verbildlichung zentraler Themen. Neben einer Fülle an Leihgaben renommierter Museen Europas wurden auch besondere Fundstücke des Landes Sachsen-Anhalt recherchiert. Aus dem über 11. Mio. Stücke umfassenden Fundschatz des Landesdepots suchten unsere Wissenschaftler die bedeutendsten Artefakte heraus. Der Landesarchäologe Harald Meller ist bei diesem zentralen Arbeitsschritt auch mit vor Ort und legt mit dem Team die endgültige Auswahl der Objekte fest . Da diese Stücke vermutlich nicht so schnell wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden, sollte man sich einen Besuch der Sonderausstellung auf keinen Fall entgehen lassen

A.K.

08/17/15

Blockbeitrag zum Blog

Die Arbeit hat sich gelohnt - fast 4 Jahre nach seiner Bergung sind die beiden Blöcke mit dem Massengrab für die Ausstellung bereit. Unzählige Hände von ArchäologInnen, AnthropologInnen, GrabungstechnikerInnen, RestauratorInnen und etlichen freiwilligen HelferInnen haben in den letzten Jahren die Blockbergung zu einem ausstellungsfähigen Museumsobjekt vorbereitet. Es wurde geschliffen, geschweißt, freigelegt, untersucht, wieder abgedeckt, gedreht, wieder freigelegt, gereinigt, geklebt, gefestigt, konserviert, präpariert und vieles mehr. Die Maßnahmen reichten von detailgenauen Feinarbeiten wie der Reinigung der Knochen bis zum Gebrauch von schweren Geräten für die Drehung des Blockes. Die Arbeiten erforderten fast immer vollen körperlichen Einsatz.

Nun ist es fast geschafft - der letzte Schritt steht an: Die Blöcke, bei der Bergung noch mehr als 50 Tonnen, nun nicht einmal mehr zwei Tonnen schwer, muss aus der Restaurierungswerkstatt in die Ausstellungsräume des Museums transportiert werden. Die Präparierung von Blockbergungen hat eine lange Tradition im Landesmuseum für Vorgeschichte, Ausmaße und Gewicht dieses Exemplars übertreffen jedoch alle bisherigen Erfahrungen. Darum freuen wir uns ganz besonders, wenn der Block unbeschadet und sicher im Atrium des Museums steht.

Dorothea Habel; Christine Leßmann

08/13/15

Ein Exponat entsteht

Die Bestattung eines jungsteinzeitlichen Kriegers wird in Szene gesetzt. Auf der Grabung in einem Erdblock geborgen, werden nun im Labor Schritt für Schritt die Knochen der eindrucksvollen Persönlichkeit freigelegt. Die Wissenschaftler entnehmen letzte Proben für naturwissenschaftliche Untersuchungen um die Lebensgeschichte dieses offenbar vom Kampf gezeichneten Mannes zu rekonstruieren. Später kommen speziell entwickelte Präparationsverfahren zur Anwendung, die den archäologischen Befund in seinem Urzustand konservieren und eine einzigartige Präsentation erlauben. Auf die Inszenierung des Kriegers in der Sonderschau darf man wie immer gespannt sein.

Mehr Informationen zu dem Befund gibt es auch im FUMO (Fund des Monats) August.

Anne Kokles (A.K.)

Dr. Jörg Orschiedt entnimmt den krankhaft veränderten Oberschenkel zur genauen Begutachtung.
Reinhard Kappler macht unseren Block für die Ausstellung schick.

08/09/15

Beschriften der Kugeln vom Schlachtfeld

Vom Lützener Schlachtfeld wurden im Laufe des Projektes „Lützen Schlachtfeldarchäologie“ mehr als 11.000 Funde geborgen. Jedes einzelne Stück wird aufgenommen, es bekommt einen Fundzettel mit den Angaben zum Fundtag, zum Fundpunkt und natürlich um was für ein Objekt es sich handelt. Außerdem werden Angaben zum Material und Abmessungen eingetragen. Das wichtigste ist aber die lange Ziffernfolge, die für jedes Stück separat vergeben wird. Sie setzt sich dem Fundortkürzel, der Befundnummer und der laufenden Fundnummer zusammen. So kommen bis zu 12 Ziffern zusammen, die auch auf das Fundstück in ordentlicher Schrift mit Tusche geschrieben werden müssen. So viel Platz ist aber nicht auf den sehr kleinen, 1632 auf dem Schlachtfeld zurückgebliebenen Bleikugeln. Daher gibt es eine Kurznummer mit nur vier Ziffern, immer noch recht viel Schreibarbeit bei 2758 Kugeln! Zuerst wird eine dünne Schicht Lack aufgetragen, nach dem Trocknen kommt die Beschriftung dran, dann noch eine Schutzschicht. Fast fertig!
Alle Kurznummern gehören noch auf den Fundzettel und in die Datenliste.
Noch mehr Schreiberei, die Philipp Herzog, unser Praktikant, in liebevoller Handarbeit erledigt hat.

Vielleicht finden Sie die Kugel mit der Nr. 0069 ja in der Ausstellung. Ein Tipp: sie liegt im Abschnitt zur Schlacht von Lützen.

A.G.

 

08/05/15

Amore mio

Eine der ungewöhnlichsten Leihgaben für die neue Sonderausstellung ist das dermoplastische Präparat von „Amore mio“, dem Leibross Wallensteins. Doch bevor das herzogliche Ross seine Reise nach Halle antritt, musste überprüft werden, ob es seinen angestammten Platz im Museum Cheb überhaupt verlassen kann. Dafür wurde von den tschechischen Kollegen ein maßstabsgetreues Holzmodell gefertigt. Mit diesem lotete man genau aus, ob der Hengst unbeschadet durch das enge Treppenhaus getragen werden kann. Wir finden, das ist die richtige Stelle, um das Engagement der Kollegen in den Museen zu würdigen, die unsere Ausstellung mit ihren Leihgaben bereichern.

Schon jetzt ein herzliches „Dankeschön“ vom Team aus Halle!

Michael Strambowski (M.St.)

08/02/15

Drehen mit Drohne

Wer in die Ferne schauen will, muss auf einen hohen Berg steigen, sich mit einem Flugzeug in die Lüfte erheben oder die örtliche Feuerwehr mit der langen Leiter rufen. Bei Foto- und Filmaufnahmen sind das fast schon „alte Hüte“, wenn man eine Drohne mit Kamera hat. Dann lassen sich tolle Kamerafahrten umsetzen, die für die Dokumentarfilme bislang noch neu waren. Vor einigen Wochen ergab sich die Gelegenheit, die abschließenden Aufnahmen für unseren Film, den wir in der Ausstellung zeigen, auf dem Lützener Schlachtfeld mit einer solchen Videodrohne zu machen. Filmemacher Thomas Claus aus Berlin war mit Arian Rassoul und Marcus Gelhard aus Berlin und deren Filmdrohne angereist. Thomas Claus hatte über die Jahre das Schlachtfeldprojekt Lützen mit seinen Kamerateams begleitet, nun sollte das „happy ending“ entstehen: Unser Landesarchäologe Harald Meller erläuterte an ausgesuchten Stellen mitten auf dem ehemaligen Schlachtfeld die Ergebnisse der Lützenprojekte „Schlachtfeld“ und „Massengrab“. Zunächst wurden die Szenen „am Boden“ gedreht, dann kam das Fluggerät zum Einsatz!

Am Übergang über den Floßgraben wird noch am Boden gedreht, Filmemacher Thomas Claus dirigiert die Szene aus luftiger Höhe von der Leitplanke aus.
Die Drohne umkreist das Gustav-Adolf-Denkmal.

Da viele Stellen des Kampfplatzes seit 1632 entweder vom modernen Lützen überbaut wurden oder von Baumgruppen verstellt werden, bietet der filmische Flug uns die Möglichkeit, die Ausdehnung von etwa 6 km² mit allen Aufmarschlinien und Zonen intensiver Kämpfe zu zeigen, sozusagen aus der Vogelperspektive, die auch in den historischen Kupferstichen immer wieder gewählt wurde.

So drehte die Drohne mit ihren beiden Piloten Marcus Gelhard (Steuerung Fluggerät) und Arian Rassoul (Steuerung Kamera) ihre Runden im abendlichen Licht der Gustav-Adolf-Gedenkstätte, im kleinsten Burghof Deutschlands im Lützener Schloss und über dem wogenden Weizenfeld der kaiserlichen Aufstellung.

Dort umkreiste sie am Ende eines langen und anstrengenden Drehtages über hitzeflirrenden Äckern ein letztes Mal Prof. Dr. Harald Meller.

Blick auf die Steuerung für die Kamera, eine Menge Fingerspitzengefühl und Erfahrung sind für schöne Bilder notwendig.
Letzte Einstellung im Abendlicht - fast Feierabend für den Landesarchäologen und die Filmdrohne.

Anja Grothe (A.G.)

 

 

07/29/15

Countdown: Noch 100 Tage bis zur Eröffnung der Sonderausstellung „Krieg – eine archäologische Spurensuche“

Nachdem unser „Online-Countdown“ zur Eröffnung der letzten Sonderausstellung „3.300 BC“ auf so viel Interesse stieß, soll auch für die kommende Ausstellung ein Einblick in die Vorbereitungen möglich sein. In den kommenden 100 Tagen möchten wir Ihnen die Wartezeit bis zur Eröffnung durch kleine Berichte und Geschichten verkürzen, die einen Blick hinter die Kulissen erlauben – und natürlich neugierig machen sollen auf das, was ab dem 6.November 2015 im Landesmuseum zu sehen sein wird.

Warum das Thema „Krieg“?

Fragen zu diesem Thema bewegen die archäologische und historische Forschung schon seit Jahrhunderten: Wo und wann kann man die Wurzeln dieses anscheinend unausrottbaren Phänomens finden? Gibt es kulturelle Rahmenbedingungen, die Krieg entstehen lassen? Oder ist das „Kriegerische“ in uns vielleicht seit Urzeiten biologisch vorprogrammiert?

Hinzu kommen die neuen Forschungen und Erfolge auf dem Feld der Schlachtfeldarchäologie, nicht zuletzt in Sachsen-Anhalt mit der internationalen Erforschung des Schlachtfeldes von Lützen (1632).

Diese archäologische Spurensuche in einer Ausstellung zu thematisieren halten wir mehr denn je für eine spannende Herausforderung, die auch aktuelle Fragestellungen berührt.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie in 100 Tagen unsere Ausstellung erkunden und sich mit uns auch die Spurensuche begeben.

Michael Schefzik (M.S.)