Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Germanische Siedlungen in Sachsen-Anhalt

 

Kooperationsprojekt
Römisch-Germanische Kommission Frankfurt (RGK) /
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
  

Gegenstand des Projektes, das von der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt (RGK) und dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) in Kooperation durchgeführt wird, ist die Untersuchung germanischer Siedlungen des 1. bis 4. Jh. im Mittelelbe-Saale-Gebiet. Die Struktur der Siedlungen, ihre Hausformen, Wirtschaftsweise und die mit den Siedlungen verbundenen Friedhöfe sowie mögliche Auswirkungen der römischen Präsenz an Rhein und Donau auf die Entwicklung der germanischen Besiedlung sind archäologisch weitgehend unerforscht und sollen an ausgewählten Beispielen untersucht werden. Ausgangspunkt bilden Luftbilder von befestigten Siedlungen. Ähnlich norddeutschen Befunden könnte es sich um umzäunte Gehöfte mit Wohnstallhäusern, Wirtschaftsgebäuden und Grubenhäusern handeln. 

Profilansicht Graben Pömmelte
Profilansicht des Grabens von Pömmelte (Foto: S. Conrad)

Aus den Luftbildern wurden für die ersten Untersuchungen morphologisch unterschiedliche Anlagen ausgewählt: Grabenwerke, die auf Grund ihrer spielkartenförmigen Grundrisse an römische Militärlager erinnern; rechteckige Anlagen unterschiedlicher Form und Größe mit Hinweisen auf kaiserzeitliche Datierung und Anlagen mit sichtbarer Binnengliederung.

In mehreren Grabenwerken (Lödderitz, Salzlandkreis; Pömmelte Salzlandkreis; Siegersleben, Ldkr. Börde; Beuna, Saalekreis) fanden geophysikalische Prospektionen statt, ebenso in der unbefestigten Siedlung von Großjena bei Naumburg, unter deren Fundmaterial sich römischer Import befindet.

Eine erste Untersuchung der Fundstellen dient zunächst der Klärung der Zeitstellung. Zwei Grabenwerke wurden im Herbst 2007 sondiert (Lödderitz, Pömmelte), zwei weitere (Siegers-leben, Beuna) 2008 untersucht.

Ein kleiner Schnitt im Torbereich des Grabenwerkes von Pömmelte (Salzlandkreis) erbrachte bisher keine kaiserzeitlichen, sondern mittelalterliche Scherben, die aber in einer nicht bis auf die Sohle reichenden Verfüllschicht lagen. Dagegen konnte der Luftbildbefund von Lödderitz (Salzlandkreis) in den Grabungsflächen nicht verifiziert werden. Die im Getreide sichtbaren Grabenstrukturen liegen vermutlich im Humusbereich verborgen und sind wohl weitgehend erodiert.

Magnetogramm Siegersleben
Magnetogramm des Grabenwerkes von Siegersleben (Messung C. Schweitzer)


Auch die anhand des spielkartenförmigen Grundrisses erwogene Datierung der Anlage von Siegersleben (Landkreis Börde) in die Römische Kaiserzeit kann nicht aufrecht erhalten werden. Den stratigrafischen Befunden zufolge wurde sie im Hochmittelalter errichtet. Bei der Grabung wurde zudem eine Siedlung des Frühmittelalters erfasst. Eine Terra Sigillata-Scherbe in einem mittelalterlichen Grubenhaus deutet aber zumindest darauf hin, dass sich in der Nähe des Grabungsschnittes auch eine germanische Siedlung befand.

Dagegen konnte bei der Anlage von Beuna (Saalekreis) anhand des zahlreichen Fundmaterials eine Datierung in die römische Kaiserzeit bestätigt werden, auch wenn sich darunter auch eine slawische Scherbe befand. Das germanische Material verweist in den Umkreis der spätkaiser-zeitlichen Haarhauser Keramik.