Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Neumark-Nord

 

Kooperationsprojekt
Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (RGZM)/
Universität Leiden, NL

Eiszeitjäger im Geiseltal

Bereits seit Mitte der 1980er Jahre wurden im nordöstlichen Bereich des Geiseltaltagebaus, im Bereich des Baufeldes Neumark-Nord, bedeutende archäologische Funde aus der Zeit der frühesten menschlichen Anwesenheit in Sachsen-Anhalt geborgen. Im Jahre 2003 wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt erneut Grabungen im Bereich des Baufeldes Neumark-Nord aufgenommen. Diese dauerten bis Mitte 2008 an.

Heute kennen wird aus diesem relativ kleinen Bereich von etwas mehr als einem Quadratkilometer insgesamt drei fossile Seebecken (Neumark-Nord 1 bis 3), die zu unterschiedlichen Perioden des Eiszeitalters existierten und während deren Bestehens eiszeitliche Jäger immer wieder das Geiseltal aufsuchten und sich an den Ufern der Seen niederließen. Wir wissen von Aufenthalten des Menschen vor etwa 375.000 Jahren, vor etwa 220.000 Jahren, vor etwa 130.000 und vor 100.000 Jahren. Neben ihren für die jeweiligen Zeitabschnitte typischen Steingeräten hinterließen die altsteinzeitlichen Jäger und Sammler tausende von sehr gut erhaltenen Knochenresten der von ihnen erlegten und genutzten Tiere. Die offenen mit lockeren Wäldern durchsetzten Landschaften mit dem Flusslauf der Geisel und den Seebecken zogen Waldelefanten, Waldnashörner, Steppennashörner, Wildpferde, Wisente, Auerochsen, Damhirsche sowie Rothirsche und in deren Gefolge die eiszeitlichen Jäger, den Höhlenlöwe, den Wolf, die Hyäne aber auch den Menschen an.

Die umfangreichen und langjährigen Untersuchungen im Tagebauareal Neumark-Nord ermöglichen es erstmals in der Archäologie des Eiszeitalters über einen Zeitraum von rund 300.000 Jahren sehr detailliert die Entwicklung einer Mikroregion in ihrer Geologie, Lebewelt, ihrer menschlichen Besiedlung durch Zeiten extremen Klimawandels zu rekonstruieren und zu erforschen.

 

 

Neumark-Nord
Arbeitsfoto aus der Endphase der Ausgrabungen am Seebecken Neumark-Nord 2. Deutlich sind die unterschiedlichen der Beckenfüllung zu erkennen. Unter der Gipskappe im Bildmittelpunkt befindet sich der Stoßzahn eines Waldelefanten.