Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Archäocoll

Ein Restaurator des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie erklärt spanischen Restauratoren auf der Leipziger Messe "denkmal 98" die Vorzüge von "Archäocoll"
Ein Restaurator des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie erklärt spanischen Restauratoren auf der Leipziger Messe "denkmal 98" die Vorzüge von "Archäocoll"

Archäocoll 2000

Der Anlass für die Entwicklung von Archäocoll waren schlechte Erfahrungen mit handelsüblichen Allesklebern. Die Rezeptur für Archäocoll entstand am damaligen Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt im Jahre 1996. Archäocoll wird nach der Rezeptur des Landesamtes von der Firma Kremer-Pigmente, Aichstetten, hergestellt und vertrieben.

Archäocoll enthält keine Weichmacher

Weichmacher werden vielen Allesklebern zugesetzt, um die Elastizität der Klebung zu erhöhen. Weichmacher haben den Nachteil, daß sie - wie z.B. Kampher in Celluloid - mit der Zeit entweichen. Damit geht die Zerstörung des Kunststoffes bzw. der Klebung einher. Weichmacher sind unnötig, wenn feste, nicht elastische Materialien geklebt werden sollen. Deshalb wurde bei der Rezeptierung von "Archäocoll" auf den Zusatz von Weichmachern gänzlich verzichtet. Der Kleber besteht aus einer Lösung von reinem Cellulosenitrat in einem schnellflüchtigen, ungiftigem Lösemittelgemisch. Der Kleber trocknet schnell zu einem dem spröden Keramikmaterial gut angepaßten, harten Film auf.

Archäocoll-Rezeptur ist kein Geheimnis

Die meisten industriell hergestellten Kleber kauft man gewissermaßen wie "die Katze im Sack". Die Rezepturen und Inhaltstoffe handelsüblicher Kleber sind meistens unbekannt und wechseln sogar gelegentlich. Dies ist ein großes Problem, wenn Restaurierungsvorgänge für die Nachwelt dokumentiert werden sollen. Die Rezeptur für Archäocoll wurde deshalb offengelegt. Eine Restaurierung mit "Archäocoll" ist daher für die Nachwelt nachvollziehbar.

Archäocoll enthält:

Cellulosenitrat alkohollöslich,
niedermolekular: 

15,0

Cellulosenitrat esterlöslich, hochmolekular

7,5

Aceton

37,5

Ethylacetat

40,0

(Angabe in Gewichtsteilen)

Archäocoll wurde speziell für die Restaurierung entwickelt

"Archäocoll" eignet sich zum Kleben spröder poröser Materialien, insbesondere vorgeschichtlicher Keramik. Zum Kleben glatter, gesinterter Ware (Steinzeug oder Porzellan) eignet es sich dagegen weniger.

Reversibilität: Nach bisheriger Erfahrung lassen sich gealterte Klebungen aus Cellulosenitrat mit Aceton oder vergleichbaren Lösemitteln relativ leicht wieder anlösen. Archäcoll trocknet besonders rasch, was für das zügige und sichere Arbeiten in der Restaurierungswerkstatt hilfreich ist. Die Lösemitteldämpfe sind nach heutigem Erkenntnisstand unschädlich.

Dabei taugt "Archäocoll" nicht nur zum Kleben. Verdünnt mit einem langsamflüchtigen Lösemittelgemisch (Propylenglykolmethylether/Aceton) ergibt "Archäocoll" einen Zaponlack, der sich z. B. auch zum Tränken (Festigen) archäologischer Keramik eignet.

Wo bekomme ich "Archäocoll 2000" ?

Archäocoll wird nach dem Rezept des LDA von der Firma Kremer-Pigmente, Aichstetten/Allgäu hergestellt und vertrieben.

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