Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
Sie sind hier: Startseite > Forschung > Weitere Projekte > Archäotypie > Archäotypie > 
Deutsch | English

Archäotypie

 

"Mein Freund und Kupferstecher"
Georg Meisenbach
Erfinder der Autotypie 1881

 

Noch lange Zeit nach Erfindung der Fotografie konnten Fotos nicht in den konventionellen Druckverfahren (Hochdruck, Tiefdruck, Lithografie) gedruckt werden. Dieser Notstand war eine gute Einnahmequelle für eine Vielzahl von Kupfer, - Holz- und Stahlstechern. Sie übertrugen in mühevoller Kleinarbeit Fotografien von Hand in Druckklischees. Halbtöne mussten mittels Schraffuren, Pünktelungen etc. in Strichvorlagen umgesetzt werden.  Dies war zeitaufwendig und mühevoll. Aktuelle Pressefotos umzusetzen war kaum möglich. Bis 1881 der Kupferstecher Georg Meisenbach (1841 - 1912) die Autotypie erfand.
Die Erfindung bestand  aus zwei Teilen:

1)  Bilder  wurden auf  mit Asphalt beschichteten Zinkplatten belichtet, wobei der Asphaltlack je nach Lichteinfall mehr oder weniger stark chemisch verändert wurde. Der belichtete Asphalt  wurde unter Lichteinfluß unlöslich, der unbelichtete Asphalt blieb löslich. Ihn konnte man nach der Belichtung mit Lösungsmitteln abwaschen. Zum Schluß wurden die Platten chemisch geätzt. Die unbelichteten, asphaltfreien Stellen wurden dadurch eingetieft. So erhielt man eine Druckplatte.

2) Ein Problem gab es dabei: E konnten keine Halbtöne damit dargestellt werden: denn je nach Lichtmenge wurde der Asphalt entweder löslich oder nicht. Es gab keine Zwischenstufen.
Meisenbach fand eine Methode mit der Halbtöne optisch in Raster (Schraffuren) aufgelöst werden können. Dazu bediente er sich eines zwischen Negativ und Platte geschalteten, unscharfen Gitternetzes.   

aus H. Krämer, das 19. Jahrhundert, München1903.
aus H. Krämer, das 19. Jahrhundert, München1903.

Die Dichte der unscharfen Gitterlinien addierte sich zu Dichte der Halbtöne der Vorlage. Je nach Tonwert der Vorlage wurden dadurch die Bereiche der Gitterlinien, die den "Grenzwert" der zum Ätzen notwendigen Helligkeit überschritten, breiter oder dünner. Konventionelle Autotypieverfahren funktionieren  noch bis heute so, nur daß der Prozeß auf die jeweils neuen Medien übertragen wurde (z.B. in den Offsetdruck, Xerografie oder in konventionelle "Dithering-Verfahren" in der elektronischen Bildbearbeitung und Druckvorstufe - bei den Letzteren ist dieses Prinzip allerdings nur noch virtuell in den mathematischen Algorithmen der Bildberechnung eingebaut).

Herr Meisenbach und die armen Schülerzeitungsredakteure...


In den 70er Jahren war der Druck von Halbtonvorlagen noch aufwendig und teuer.  Wenn wir als Schüler für unsere Zeitung Fotos drucken lassen wollten, verlangte die Druckerei einen hohen Aufpreis: 35 € für ein postkartengroßes Foto. Das Resultat war trotzdem eher bescheiden. Versuche, in der elterlichen Dunkelkammer nach dem meisenbachschen Verfahren Fotos selber zu rastern, schlugen fehl. Professionelle Anlagen waren teuer und standen nur in den Druckereien und Reproanstalten.

Heute hat sich die Welt verändert  und Dank grafikfähiger, preisgünstiger PCs, Scanner und nicht zuletzt auch des Internets ist die Verarbeitung und Publikation von Farb- und Halbtonvorlagen keine Frage des Geldbeutels mehr. Ein Blick in zeitgenössische Schülerzeitungen - wenn die nicht längst durch entsprechende Internet-Auftritte ersetzt worden sind - mag das verdeutlichen.

Zurück zur Autotypie: Wenn es überhaupt noch nötig ist Halbtonvorlagen in Strichzeichnungen umzusetzen (eigentlich nur noch in den Print - Medien), stehen dafür weitaus  raffiniertere Verfahren als die gewöhnliche Autotypie zur Verfügung.

Schon immer hat man versucht, mehr als nur einfache Punkt-  oder Linienraster zu erzeugen. Die reine Veränderung des Autotypie - Rasters bringt aber kaum mehr Qualität -  wenn man von den eher dekorativen und interessanten Sonder - Rastern absieht. Dekorative Raster stören meistens den Bildeindruck, da sie die Strukturen der dargestellten Objekte verunklären oder zerstören.

von links nach rechts: Raster nach dem Autotypie-Verfahren:
a) konventionelles Raster: Linien verbreitern sich nach beiden Seiten.
b) Linien verbreitern sich nur in eine Richtung. Dadurch ist bei vorgegebener Druckauflösung mehr Tondifferenzierung möglich.
c) ungeregeltes Streuverfahren, primitives frequenzmoduliertes Raster
d) Runzelkornraster, wie es beim traditionellen Lichtdruck entsteht.
Anwendungsbeispiele und Anleitungen zur "Simulation" von Autotypieverfahren finden Sie hier...
Die Anleitungen sind für das Programm Picture-Publisher 8.0 geschrieben. Die Verfahren lassen sich aber auch auf fast allen anderen gängigen Grafik-Programmen umsetzen.
Traditionelle Autotypie-Verfahren sind jedoch dann  interessant, wenn man mit unterschiedlichen Raster - Mustern unterschiedliche Materialgruppen darstellen will, wie das beim Zeichnen archäologischer Funde manchmal üblich ist. Um unterschiedliche Autotypie - Raster in einer Vorlage zu verwenden empfiehlt es sich, die zu rasternden Bereiche im Grafik-Programm mit der Masken - Funktion zu trennen.

Das moderne Schlagwort in der Druckbranche aber heißt derzeit "Frequenzmodulierte Raster". Diese neue Methode hat in vielen Bereichen schon die einfachen Autotypie - Raster abgelöst.