Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Archäolux classic

Die klassischen Lampen der Antike

Im 3. Jh. vollzieht sich die Entwicklung der Matrizenlampe. Hier handelt es sich um Lampen mit langer Schnauze, die Schale ist vollkommen geschlossen, bis auf ein kleines Loch zum Nachfüllen des Öls. Der Name "Matrizenlampen" rührt daher, dass diese Lampen nicht gedreht oder frei geformt werden, sondern aus einer zweiteiligen Form (Matrize) hergestellt werden. Insbesondere die Schalenoberseite erhält ornamentale Verzierung (deren Anfertigung sich lohnte, weil sie aus der Negativform in großen Stückzahlen hergestellt werden konnten). Die Oberseite der Schnauze ist häufig plan.

Eine ähnliche Lampe ist die Diskuslampe, sie tritt in Italien im 1. Jh. v. Chr. auf. Sie besitzt eine längere oder kürzere Schnauze, die am vorderen Ende breiter ausläuft, oft zeigt sie am Ansatz sowie am Ende volutenartige Ausprägung. Ob diese Ausformung nur rein dekorativer Funktion ist, muss noch untersucht werden. Auffällig ist, dass mit der axtförmigen Verbreiterung der Schnauzenabschlüsse auch die Dochtlöcher größer werden. Es ist denkbar, dass man aus den sehr großen Löchern mehrere einzelne Dochte herauszog, die dann rings um das Dochtloch seitlich zu liegen kamen, bevorzugt an der breiten Spitze, denn  dort gibt es die größte Lichtausbeute.
Die Lampenschale ist nun flach abgedeckt, der nicht abnehmbare Deckel ("Spiegel") trägt ein Loch zum Einfüllen des Öles. Er ist leicht nach innen zum Ölloch hin abgesenkt und mit einer begrenzenden Schulter versehen. Dies erleichtert das Einfüllen des Öls. Der Lampenspiegel  verhindert auch, dass das Öl beim Umhertragen überschwappt, und er macht die Lampe auch sicherer: er vermeidet, dass sich das Öl infolge Überhitzung im Vorratsbehälter  entzündet (eine Gefahr, die bei Keramiklampen weniger besteht als bei metallenen Lampen). Der Spiegel ist in aller Regel mit figürlichen oder ornamentalen Reliefs geschmückt.

Freier Nachbau einer römischen Lampe (Loeschke I b), mit einem beliebten Motiv im Lampenspiegel: die Büste des Gottes Pan, einem der grotesk fröhlichen, ständig zu groben Schabernack aufgelegten Begleiter des Dionysos. Als Vorlage für den Pan haben wir die Pan-Büsten des Dreifußes von Gommern verwendet.  

Exponat 17: Hellenistische Hängelampe aus Keramik (Nachbildung). Eine besonders praktische Hängelampe entsteht: aus der Mitte des Behältnis ragt ein langer Zapfen heraus, der durch einen ringförmigen, frei beweglichen Deckel stößt. Am oberen Ende läuft der Zapfen in eine Öse aus, die zum Aufhängen der Lampe dient. Der Schwerpunkt der Lampe gerät damit weit unter den Drehpunkt. Damit wird die Lampe im Gleichgewicht gehalten. Diese ausgereifte Konstruktion verhindert auch, dass der Deckel verloren gehen kann.
Exponat 17: Hellenistische Hängelampe aus Keramik (Nachbildung). Eine besonders praktische Hängelampe entsteht: aus der Mitte des Behältnis ragt ein langer Zapfen heraus, der durch einen ringförmigen, frei beweglichen Deckel stößt. Am oberen Ende läuft der Zapfen in eine Öse aus, die zum Aufhängen der Lampe dient. Der Schwerpunkt der Lampe gerät damit weit unter den Drehpunkt. Damit wird die Lampe im Gleichgewicht gehalten. Diese ausgereifte Konstruktion verhindert auch, dass der Deckel verloren gehen kann.
Das Motivspektrum ist vielseitig   - den heutigen "Sammeltassen" nicht unähnlich. Aus den Diskuslampen entwickelt sich im 1. Jh. die Volutenschnauzenlampe, sie zeichnet sich durch eine in der Mitte mehr oder weniger stark eingeschnürte Schnauze aus, die von Volutenspangen eingefasst sind. Diese Lampen sind - seit dem letzten Viertel des 1. Jh. n. Chr. bis hin in das 2. Jh. n. Chr. eines der gängigsten Lampentypen. Die Ausformung dieser Typen ist derart zeittypisch, dass sie seit den Arbeiten von Loesche zur Datierung wie ein "Leitfossil" immer wieder gerne herangezogen werden. Da in dieser Abhandlung jedoch versucht werden soll, vorgeschichtliche und antike Lampen hinsichtlich ihrer Funktionsweise - und Entwicklung zu untersuchen, sei  dieses Thema hier nicht weiter behandelt.
Das Motivspektrum ist vielseitig - den heutigen "Sammeltassen" nicht unähnlich. Aus den Diskuslampen entwickelt sich im 1. Jh. die Volutenschnauzenlampe, sie zeichnet sich durch eine in der Mitte mehr oder weniger stark eingeschnürte Schnauze aus, die von Volutenspangen eingefasst sind. Diese Lampen sind - seit dem letzten Viertel des 1. Jh. n. Chr. bis hin in das 2. Jh. n. Chr. eines der gängigsten Lampentypen. Die Ausformung dieser Typen ist derart zeittypisch, dass sie seit den Arbeiten von Loesche zur Datierung wie ein "Leitfossil" immer wieder gerne herangezogen werden. Da in dieser Abhandlung jedoch versucht werden soll, vorgeschichtliche und antike Lampen hinsichtlich ihrer Funktionsweise - und Entwicklung zu untersuchen, sei dieses Thema hier nicht weiter behandelt.
Exponat(e) 18: Freier Nachbau eines "römischen" Kandelabers mit diversen römischen Lampen des 1.-2. Jahrhunderts.
Exponat(e) 18: Freier Nachbau eines "römischen" Kandelabers mit diversen römischen Lampen des 1.-2. Jahrhunderts.
Der Nachbau ist eine Improvisation: als Ständer dient ein Teil einer gründerzeitlichen Treppe, der Fuß besteht aus bronziertem Gips. Die originalen "Vorbilder" der römischen Antike sahen ähnlich aus - sie bestanden allerdings meistens aus Bronze. Auf dem Kandelaberschirm standen die Öllämpchen, vermutlich in einem Sandbett, ähnlich wie die in griechischen Kirchen noch heute üblichen Kandelaber.
Der Nachbau ist eine Improvisation: als Ständer dient ein Teil einer gründerzeitlichen Treppe, der Fuß besteht aus bronziertem Gips. Die originalen "Vorbilder" der römischen Antike sahen ähnlich aus - sie bestanden allerdings meistens aus Bronze. Auf dem Kandelaberschirm standen die Öllämpchen, vermutlich in einem Sandbett, ähnlich wie die in griechischen Kirchen noch heute üblichen Kandelaber.
Das Formenspektrum römischer Lampen  ist vielseitig. Neben den Bildlampen entstanden auch figürliche Sonderformen, wie etwa die "Schuh-" oder "Kopflampen".
Das Formenspektrum römischer Lampen ist vielseitig. Neben den Bildlampen entstanden auch figürliche Sonderformen, wie etwa die "Schuh-" oder "Kopflampen".

Lampenfabrikation wie beim Brezelbacken

Die Bildlampen wurden, ähnlich wie die Matrizenlampen, in Serienfertigung aus tönernen Modeln  gedrückt. Ein Positiv-Modell (aus Gips, Holz, Keramik) wird dazu mit weichem Ton abformt. Dazu wird weicher Ton auf die Oberseite des Modells aufgedrückt. Will man besonders feine Reliefs abformen, kann man einen etwas weicheren, fast schlickartigen Ton zunächst dünn aufschmieren, und auf diesen dann den festeren, knetbaren Ton aufdrücken. Wenn man die erste Formhälfte aufgedrückt hat, lässt man sie ein wenig stehen, dann werden die Formschlösser eingeschnitten, und die Kanten (als Trennmittel) mit Fett oder feinem, trockenen Tonpuder behandelt. Anschließend wird in gleicher Weise der Ton für die Unterseite aufgedrückt. Wenn die Form bis zum lederharten Zustand getrocknet ist, können die Formschalen abgehoben, getrocknet und bei ca. 900 Grad gebrannt werden.

Zur Herstellung der Lampen wird der Ton in die Modeln in etwa 5 mm dicker Schicht gedrückt (am besten in Form bereits ausgewalzter, gleichmäßig dicker Tonlappen (1-2)). Anschließend werden die Modelhälften aufeinander gepresst (3-4). Für feine Oberflächen kann zunächst ein Tonschlicker oder "Firnis" dünn in die Form eingerieben werden, bevor man die Tonlappen einlegt. Nach etwa zwei Stunden kann die Lampe aus der Form genommen werden (5). Nun müssen nur noch kleine Nacharbeiten ausgeführt werden (Bohrung der Löcher, Verputzen der Nähte, Henkel anmodellieren (6)). Der Rohling wird nach völliger Trocknung wie gewöhnliche Keramik gebrannt.

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Antike Highlights - Eine Energiesparlampe wird zum Verkaufsschlager

Exponat 19: eine Firmallampe in Betrieb. Deutlich zu sehen die kammartige Flamme, die dadurch entsteht, dass der Docht wagerecht in die Rille der Schnauze gelegt wurde.
Exponat 19: eine Firmallampe in Betrieb. Deutlich zu sehen die kammartige Flamme, die dadurch entsteht, dass der Docht wagerecht in die Rille der Schnauze gelegt wurde.

Hightech aus Norditalien in funktionellem Design - Die Firmalampe

Aus den Betrachtungen über die Physik des Flammenlichtes haben wir gelernt: Will man die Lichtausbeute erhöhen, muss die Flamme heißer werden - und das gelingt durch Zufuhr von mehr Sauerstoff. Die theoretische Erklärung des Einflusses von Sauerstoff auf die Temperatur eines Feuers lieferten erst die Arbeiten des französischen Chemikers Lavoisier (1743 - 1794), einem der wichtigsten Begründer der modernen Chemie.   Zwei seiner Schüler (Ferdinand Leger   und  Francois Argand) gelten als die Erfinder der "modernen" Öl- und Petroleumlampen mit Flach- oder Röhrendocht.  Sie verbesserten die Sauerstoffzufuhr auf zweierlei Weise:

1. Indem sie die "Oberfläche" der Flamme vergrößerten, und zwar entweder unter Benutzung eines Banddochtes, was dann eine kammartige Flamme ergab, oder durch einen hohlen, röhrenförmigen Docht, dessen inneres zusätzlich mit Luft versorgt wurde. Der Banddocht war eine Erfindung Legers (Paris 1783), der Röhrendocht, im Prinzip ein ringförmiger Banddocht, eine Erfindung Argands (ebenfalls 1783) Trilux-Lenze 1987, S.  218)

2. Argand erfand außerdem den typischen Glaszylinder, wie man ihn heute noch von den "typischen" Petroleumlampen her kennt. Die Kaminwirkung des Glaszylinders sorgte für einen leichten Luftzug, die Flamme wurde besser mit Sauerstoff versorgt.

Ist die Kammflamme aber wirklich eine Erfindung Legers und Argands? Oder haben sie das Rad - ohne es zu wissen - neu erfunden ?

Aus dem vorrevolutionären Paris schalten wir deshalb 1700 Jahre zurück:

In Norditalien taucht im letzten Viertel des ersten Jh. n. Chr.  eine neue Lampenart auf. Der neue, innovative Typus wird rasch zum "Verkaufsschlager": Bald schon wird er auch in den Töpfereien in fast allen römischen Provinzen, zunächst in Gallien, dann im Rheinland produziert. Die - im krassen Gegensatz zu den reich geschmückten Bildlampen - schlichte und funktional gestaltete Lampe erinnert fast an ein Produkt der Bauhauszeit der 20er Jahre. Jedes Detail hat eine Funktion, nichts ist überflüssiger Zierrat. (Ausnahme: die "Knuppen" auf der Lampenschulter - sie waren anfangs noch durchstochen und dienten zum Aufhängen - später verkümmerten sie und besaßen nur noch "dekorative" Funktion). Ein neues, auffälliges Gestaltungs- oder Funktionselement taucht auf: die Kerbe oder Rille auf der lang ausgezogenen Lampenschnauze. Wozu diente diese Rille ? Bei einer so funktionalistischen Konstruktion darf man davon ausgehen, dass auch der "Schnauzenkanal" einen Zweck hat. Die frühen Firmalampen (Loeschke Typus IX) sind praktisch ausnahmslos mit dieser Kerbe ausgestattet. Im "Nachfolgemodell" ("Loeschke Typus X") wird der "Schnauzenkanal" dann noch zum Lampenspiegel hin geöffnet, das Prinzip bleibt ansonsten bestehen.

Der Autor hat am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Experimente mit Nachbauten dieser Lampen gemacht. Die Versuche zeigen, dass die Kerbe in der Firmalampenschnauze wohl kein sinnloser Zierrat oder Atavismus ist. Zieht man nämlich einen dünnen Docht aus der Tülle um einige Zentimeter heraus, und legt ihn um, so dass er waagerecht in der Kerbe zu liegen kommt, so entsteht eine kammförmige, lange, dünne, helle und nicht rußende Flamme. Und erstaunlicherweise ist diese lange Kammflamme sehr stabil, der Docht brennt mehrere Stunden lang (d. h., solange noch Öl in der Lampe ist) in dieser wagerechten Position auf voller Länge.

In der Firmalampe ist sogar die Luftzufuhr für die Kammflamme optimiert - antike Aerodynamik: Die schrägen Seitenwände der Schnauze lassen die aufsteigende Luft leicht zum Docht gelangen. Es entstehen weniger Luftturbulenzen, als wenn der Docht auf einer ebenen Fläche läge: die Flamme flackert daher kaum.  Außerdem vermindern die abgeschrägten Schnauzenwände den Eigenschatten der Lampe: die Flamme strahlt das Licht etwa im 270 Grad - Umkreis ab.

Lichtmessungen an Nachbildungen von Firmalampen zeigen, dass die Lichtausbeute mit ca. 0,2 Lumen/Watt bei einer Kammflamme fast doppelt so hoch wie bei gewöhnlichen Dochten mit gleich heller Flamme (im Durchschnitt ca.  0,1 Lumen / Watt) ist.  Haben wir es mit einer antiken Energiesparlampe zu tun ?

Andere, zunächst auch angenommene, und theoretisch nahe liegende Funktionen des Schnauzenkanals scheinen nämlich auszuscheiden. Beispielsweise, dass der Kanal dazu dient, vom Docht ausgeschwitztes, überflüssiges Öl wieder in die Lampe zurückzuführen. Dagegen sprechen die bisherigen Experimente des Autors:  Der Docht schwitzt beim Brennen nämlich (fast) kein Öl aus, keinesfalls soviel, dass man es in einem Schnauzenkanal sammeln könnte oder gar in die Lampe zurückführen müsste. Eine Rückflussmöglichkeit fehlt nämlich bei den Typen der ersten Generation (Loescke IX) fast immer - hin und wieder befindet sich nur ein kleines "Entlüftungsloch" in der Schnauze, ein kleines Löchlein, das bei den Bildlampen sogar sehr häufig ist. Und selbst wenn ein Docht Öl ausschwitzen würde - das Öl flösse auf der eben Fläche rings um das Dochtloch in alle Richtungen ab, und es sähe gar keine Veranlassung, sich in den Schnauzenkanal zu begeben. 

Was aber kann gegen die Kammflammentheorie sprechen? Da wäre anzuführen, dass bisher  eindeutige Schmauchspuren entlang des Kanals zu fehlen scheinen. Schmauchspuren an Lampen sind aber ohnehin sehr selten. Sie werden vermutlich bei der Bodenlagerung biologisch genauso abgebaut wie die Reste des Lampenöls selber. Bei den meisten der römischen Lampen fehlen Schmauchspuren nämlich komplett - und anzunehmen, dass fast alle der zahlreich erhaltenen römischen Lampen niemals gebrannt hätten, erscheint   abwegig.

Der Autor dieser Zeilen wird seine "Kammflammenhypothese" in Zukunft weiter verfolgen - ergebnisoffen. Diejenigen ArchäologInnen, denen mögliche Belege oder Gegenbelege für diese These einfallen, seien auf diesem Wege eingeladen, hiervon zu berichten. Das Internet soll schließlich auch dazu dienen, Diskussionen anzustoßen, und nicht nur festzementierte Ergebnisse zu verbreiten. Eine traditionelle Publikation in der üblichen Papierform wird selbstverständlich noch folgen...