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Out of Africa - Spätantike Lampen mit Canale Grande

Lampen im Afro-Look

Exponat 20: Nachbau einer typischen spätantiken nordafrikanischen Lampe.
Exponat 20: Nachbau einer typischen spätantiken nordafrikanischen Lampe.

Dieser spätantike Lampentypus taucht in Italien im vierten Jahrhundert auf, der Schwerpunkt seiner Verbreitung liegt in Nordafrika. Die nordafrikanischen Lampen sind in ihrer Form birnenförmig, Schnauze und Lampe sind wieder fast zu einer Einheit verwachsen. Ein breiter Schnauzenkanal verbindet das Dochtloch mit dem Einfüllloch.Diese Lampen sind eigentlich als eine Weiter-, teils auch Rückentwicklung der Firmallampen anzusehen. Sie scheinen vielleicht noch eine Kammflamme vorzusehen, zumindest ermöglichen sie diese. Der Kanal kann allerdings - (in völligem Gegensatz zu den Firmenlampen Löschke IX), auch eine andere praktische Funktion übernehmen: Wenn man einen neuen Docht eingesetzt hat, muss man ihn vor dem Anzünden mit Öl benetzen. Das kann man machen, indem man einige Tropfen Öl auf den Docht gießt. Öl, das dabei überläuft, fließt dann durch den Schnauzenkanal in das Öl-Einfüllloch ab.
Hinsichtlich Funktionalität sind sie allerdings dem Vorgängermodell "Firmalampe" unterlegen - bedingt durch die kurze Schnauze und die eiförmige, klobige Form ist die Lichtausbeute geringer, weil die Lampe mehr Eigenschatten wirft. Die eiförmige, kompakte Form vereinfacht allerdings die Herstellung, ebenso wie der schlichteren, gröbere Dekor.  

Exponat 20: Eine interessante Sonderform ist die knüppelförmige Lampe, die in gewisser Hinsicht starke Ähnlichkeit zur nordafrikanischen Lampe zeigt.
Exponat 20: Eine interessante Sonderform ist die knüppelförmige Lampe, die in gewisser Hinsicht starke Ähnlichkeit zur nordafrikanischen Lampe zeigt.
Ein großes Exemplar stammt aus Trier, man kann sie als eine Art doppelte nordafrikanische Lampe auffassen, die man stark in die Länge gezogen hat, so dass sich eine symmetrische, knüppelartige Form gibt. (Nachgebildet nach einer Matrize aus Trier, Goethert 1997, S. 181 (Nr. 138), 4. Jahrhundert n. Chr. ) Die Arme sind lang und boten neben  "Normalbetrieb" wohl auch die Möglichkeit, lange Kammflammen im Schnauzenkanal zu entzünden. Im Experiment am Nachbau funktioniert das jedenfalls recht gut. Die Lampe eignet sich auch als Hängelampe.
Ein großes Exemplar stammt aus Trier, man kann sie als eine Art doppelte nordafrikanische Lampe auffassen, die man stark in die Länge gezogen hat, so dass sich eine symmetrische, knüppelartige Form gibt. (Nachgebildet nach einer Matrize aus Trier, Goethert 1997, S. 181 (Nr. 138), 4. Jahrhundert n. Chr. ) Die Arme sind lang und boten neben "Normalbetrieb" wohl auch die Möglichkeit, lange Kammflammen im Schnauzenkanal zu entzünden. Im Experiment am Nachbau funktioniert das jedenfalls recht gut. Die Lampe eignet sich auch als Hängelampe.

"Und Gott sah, dass das Licht gut war"

Exponat 26: Postindustrielle Öllampe, Konservendosenblech, teilweise bemalt, C.-H. Wunderlich 1993. Eine kleine Konservendose, eine Blechschere, ein Docht (Baumwollstrick, Hanfbindfaden oder notfalls zusammengedrehte Watte), etwas Pflanzenöl - fertig ist die Universallampe für alle Gelegenheiten...
Exponat 26: Postindustrielle Öllampe, Konservendosenblech, teilweise bemalt, C.-H. Wunderlich 1993. Eine kleine Konservendose, eine Blechschere, ein Docht (Baumwollstrick, Hanfbindfaden oder notfalls zusammengedrehte Watte), etwas Pflanzenöl - fertig ist die Universallampe für alle Gelegenheiten...
Exponat 27: Nachtlicht "Filon"  C.-H. Wunderlich 2001
Exponat 27: Nachtlicht "Filon" C.-H. Wunderlich 2001

Licht in Religion, Mythologie und Psychologie

Licht und Lampen spielen in Religion und Mythologie eine zentrale Rolle. In allen Kulturen steht das Helle, Lichte für das Gute, den Fortschritt und das Leben (Lebenslicht), der Tod dagegen ist die Dunkelheit und die Mächte der Finsternis sind das Böse. In der Schöpfungsgeschichte (Genesis, Moses 1) schafft Gott am ersten Tag das Licht, und Licht ist das erste "Ding", das Gott selbst mit "gut" bewertet bzw. als "gut" erkennt. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis, und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag".

Fast alle Kulturen und Religionen bedienen sich der Lichtsymbolik - die christlich-jüdische Religion ist nur ein Beispiel: Man denke auch an den siebenarmigen Leuchter, das Gleichnis von den törichten und klugen Jungfrauen, die Parabel vom Licht, das man nicht unter den Scheffel stellen soll, an Altarkerzen oder das ewige Licht. Die aufwendig gearbeiteten romanischen Armleuchter zeugen von der hohen Bedeutung - und Kostbarkeit- des Lichtes in der hochmittelalterlichen christlichen Liturgie. Die imposanten Radleuchter müssen dem Gottesdienstbesucher als Abglanz des himmlischen Jerusalem vorgekommen sein, was auch die Formensprache der Leuchter unterstrich, mit ihren ädikula-artigen Laternen und Mauerzinnen.

Düstere Stimmung beherrscht die depressiv Kranken, und ihr Leiden wird erfolgreich sowohl mit chemischen "Stimmungsaufheller" therapiert, als auch mit "echtem" (physikalischen) Licht. Die Lichttherapie ist schulmedizinisch anerkannt und ihre Wirkung ist biochemisch begründet.

Ein "armes Licht" ist ein minderbemittelter Mensch, jedenfalls nicht gerade "eine Leuchte", und seine Steigerungsform ist die Tranfunzel. Licht ist das Symbol des Geistes, des Bewusstseins und des Lebens. Das neugeborene Kind erblickt das "Licht der Welt", "Geistesblitze" durchzucken unsere grauen Zellen, und wenn man jemanden "helle" nennt, so ist damit ein "strahlender Geist" gemeint.

Auch in gesellschaftlich - politischen Auseinandersetzungen bedient sich der Mensch der Lichtsymbolik. Mozarts Zauberflöte hat den Kampf des Lichtes gegen die Mächte der Finsternis zum Thema. Die Königin der Nacht repräsentiert das alte System, dem es zunächst gelingt, die Menschen irre zu führen und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren - bis den Getäuschten im wahrsten Wortsinne "ein Licht aufgeht". Das Licht sind die fortschrittlichen gesellschaftlichen Strömungen des 18. Jahrhunderts, in der Zauberflöte erkannten Eingeweihte darin die Freimaurerbewegung.

Der erste Vers der wohl bekanntesten Hymne der Arbeiterbewegung lautet: "Brüder zur Sonne, zur Freiheit, Brüder, zum Lichte empor - hell aus dem dunklen Vergangen leuchtet die Zukunft hervor". Im Lichte der Gegenwart müssen wir erkennen, dass sich leider auch finstere Mächte zu Propagandazwecken der Lichtsymbolik bedienen. Gerade autoritäre und diktatorische Systeme bzw. entsprechend orientierte politischen Gruppen inszenieren gerne Fackelumzüge von martialischem Charakter. Fackeln spenden nicht nur Licht, sie eignen sich hervorragend zur Brandstiftung. Das das dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit ist dafür das schrecklichste, aber nicht einzige Beispiel.  Lichterketten gegen Fremdenhass sind dagegen ein kleiner Hoffnungsschimmer und sicher mehr als nur Pfeifen im Dunkeln.

Das Ende des - hoffentlich letzten - autoritären Regimes im deutschsprachigen Raum hat die Bevölkerung schon in politischen Witzen vorweggenommen: "...der letzte macht das Licht aus". 1989 war es soweit: Kerzen brannten vor der Nicolaikirche, und kurz darauf gingen in Erichs Lampenladen die Lichter aus.  

Wunderlampen - Hell aus dem dunklen Vergangnen, leuchtet die Zukunft hervor.

Mit zwei Beispielen moderner Neuschöpfungen  möchte der Autor zum Spiel mit dem Feuer anregen. Dass, wie überall in der Pyro-Technik (Feuerkunst) alle Vorsichtsmassnahmen einzuhalten sind, versteht sich von selbst. Als Brennstoffe verwende man Pflanzenöle oder Fette, keinesfalls Petroleum oder käufliche "Lampenöle".  Und dass keine Lampe unbeaufsichtigt brennen darf, versteht sich von selbst, und wer sicher gehen will, verwende solche Lampen nur im Freien.