Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
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Sachsen-Anhalts älteste Lampe

Ein merkwürdiger Trichterbecher aus einem jungsteinzeitlichen Opferschacht gibt Rätsel auf

2700 v. Chr. Wir stellen uns vor: Ein jungsteinzeitlicher Töpfer erhält den Auftrag, eine Lampe  zu bauen. Die Lampe soll man aufhängen können - warum auch immer, vielleicht für eine religiöses Fest oder für eine geheimnisvolle Kulthandlung in einer tiefen, dunklen Opfergrube. So etwas hat er noch nie gemacht.  Lampen hat er schon einige Male gebaut - gewöhnliches Alltagsgeschirr nämlich. Denn in den seltenen Fälle, wo seine "Kunden" Lampen anzündeten, verwendeten sie dazu einfache Keramikschalen, gewöhnliches Gebrauchsgeschirr, das sie als Lampe  "zweckentfremdeten". Vermutlich war dann auch schon mal ein Trichterbecher darunter, ein sehr häufiger Gefäßtypen nach dem eben die Trichterbecherkultur benannt ist.

Ein - vielleicht auch "ausrangiertes" - geeignetes Gefäß wurde zu besonderen Anlässen, wenn  man Licht brauchte und es sich leisten konnte, mit Fett gefüllt, Dochte an den Rand der Schale gelegt und entzündet.

Nun aber der besondere Wunsch des Kunden, eine Lampe aufhängen zu wollen -  und das stellt unseren Keramiker vor Probleme : Die Flammen der Lampe sollen möglichst gut nach unten strahlen - also können sie nur am Rand der Lampe brennen. Eine Flamme in der Mitte der Schale wäre widersinnig - sie würde nur nach oben strahlen, nach unten wird sie von der Lampenschale völlig abgeschattet. Niemand will kostbares Lampenfett verbrennen, um ein paar verrauchte Deckenbalken oder den Nachthimmel zu beleuchten. Damit die Flammen  möglichst  weit außen brennen und viel Licht nach unten abstrahlen, soll der Rand der Schale dünn und flach sein.  Unser jungsteinzeitlicher Keramiker hat schon viele Gefäße zum Aufhängen gebaut - sie haben alle drei Ösen am Rand, durch die Stricke oder Lederriemchen gezogen werden, mit denen man das Gefäß aufhängen kann.  Diese Lösung scheidet aus - viel zu gefährlich, denn die Dochte könnten verrutschen, und einen der Haltestricke entzünden - die Folge: ein Brand, zumindest würde die Lampe voll heißem Fett herunterfallen, und dabei vielleicht jemanden verletzen.

Exponat 7: Rekonstruktion des Trichterbechers aus dem Opferschacht Alsleben, Baalberger Kultur (mittlere Jungsteinzeit)
Exponat 7: Rekonstruktion des Trichterbechers aus dem Opferschacht Alsleben, Baalberger Kultur (mittlere Jungsteinzeit)

Deshalb bleibt nur die Aufhängung in der Mitte der Schale, d. H. die Ösen werden innen angebracht.  Noch immer hat die Schale einen Konstruktionsfehler: Sie befindet sich nicht im Gleichgewicht. Abhilfe: der Schwerpunkt muss möglichst weit unter den Drehpunkt, den Ösen, zu liegen kommen. Nichts einfacher als das: die Schale wird nun trichterförmig nach unten verlängert.

Der entstandene Schaft kann außerdem noch mit Steinen oder etwas Wasser gefüllt werden, nun ist die Aufhängung stabil. Das Ergebnis: Ein Trichterbecher mit Innenösen.

Und solche Gefäße sind tatsächlich gefunden worden - sie stellen eine sehr seltene Sonderform der mittelneolithischen Keramik dar. Die meisten dieser raren Objekte stammen eindeutig aus kultischem und/oder paganem Zusammenhang. Eines der frühesten Beispiele dieser Gefäße ist  bei Alsleben in einem Opferschacht der Baalberger Kultur gefunden worden (Döhle/Wagner/Weigelt 1992). Es datiert in die Zeit um 2700 v. Ch. Ein ähnliches Exemplar fand sich in einem Galeriegrab in Calden (Hessen), weitere Exemplare stammen aus Mittelböhmen, Bayern, Niedersachsen und Oberöstereich. Der Trichterbecher aus Alsleben gilt als das älteste Beispiel dieser seltenen Gefäßform. Die Funktion dieses Gefäßtyps ist bislang nicht geklärt worden. Er eignet sich wegen seiner Innenösen nämlich für die meisten "gewöhnlichen" Zwecke kaum - ungeeignet als Vorrats- oder Trinkgefäß. Deshalb sei hier als neue Theorie die These aufgestellt, dass es sich möglicherweise um eine Lampe handelt. In die Vorstellung, dass am Boden des Opferschachtes "Kulthandlungen" vollzogen wurden, passt eine Lampe hervorragend, vielleicht ist sie sogar zwingend. Denn Licht spielt in allen bekannten Weltreligionen eine wesentliche Rolle. Dabei sei auch auf den Mithras-Kult verwiesen, der ebenfalls in unterirdischen bzw. eingetieften Kulträumen vollzogen wurde, und bei dem Lampen eine wichtige Rolle spielten. Selbstverständlich ist ein solcher Vergleich problematisch, da der Mithras-Kult in einen ganz anderem zeitlich/kulturellen Zusammenhang gehört.

In der Präsentation zur Museumsnacht kann man sich davon überzeugen, wie hervorragend der Innenösentrichterbecher aus Alsleben als Lampe funktioniert...

In diesen heiligen Hallen

"Und Gott sah, dass das Licht gut war..." - Licht in Religion, Mythologie und Psychologie

Licht und Lampen spielen in Religion und Mythologie eine zentrale Rolle. In allen Kulturen steht das Helle, Lichte für das Gute, den Fortschritt und das Leben (Lebenslicht), der Tod dagegen ist die Dunkelheit und die Mächte der Finsternis sind das Böse. In der Schöpfungsgeschichte (Genesis, Moses 1) schafft Gott am ersten Tag das Licht, und Licht ist das erste "Ding", das Gott selbst mit "gut" bewertet bzw. als "gut" erkennt. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis, und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag".

Fast alle Kulturen und Religionen bedienen sich der Lichtsymbolik - die christlich-jüdische Religion ist nur ein Beispiel: Man denke auch an den siebenarmigen Leuchter, das Gleichnis von den törichten und klugen Jungfrauen, die Parabel vom Licht, das man nicht unter den Scheffel stellen soll, an Altarkerzen oder das ewige Licht. Die aufwendig gearbeiteten romanischen Armleuchter zeugen von der hohen Bedeutung - und Kostbarkeit- des Lichtes in der hochmittelalterlichen christlichen Liturgie. Die imposanten Radleuchter müssen dem Gottesdienstbesucher als Abglanz des himmlischen Jerusalem vorgekommen sein, was auch die Formensprache der Leuchter unterstrich, mit ihren ädikula-artigen Laternen und Mauerzinnen.

Eine Online-Recherche im Volltext des Alten- und neuen Testamentes nach Stichworten wie "Leuchter", "Lampe" oder "Licht" ergibt darüber interessante Aufschlüsse.

Düstere Stimmung beherrscht die depressiv Kranken, und ihr Leiden wird erfolgreich sowohl mit chemischen "Stimmungsaufheller" therapiert, als auch mit "echtem" (physikalischen) Licht. Die Lichttherapie ist schulmedizinisch anerkannt und ihre Wirkung ist biochemisch begründet.

Ein "armes Licht" ist ein minderbemittelter Mensch, jedenfalls nicht gerade "eine Leuchte", und seine Steigerungsform ist die Tranfunzel. Licht ist das Symbol des Geistes, des Bewusstseins und des Lebens. Das neugeborene Kind erblickt das "Licht der Welt", "Geistesblitze" durchzucken unsere grauen Zellen, und wenn man jemanden "helle" nennt, so ist damit ein "strahlender Geist" gemeint.

Auch in gesellschaftlich - politischen Auseinandersetzungen bedient sich der Mensch der Lichtsymbolik. Mozarts Zauberflöte hat den Kampf des Lichtes gegen die Mächte der Finsternis zum Thema. Die Königin der Nacht repräsentiert das alte System, dem es zunächst gelingt, die Menschen irre zu führen und für ihre Zwecke zu instrumentalisieren - bis den Getäuschten im wahrsten Wortsinne "ein Licht aufgeht". Das Licht sind die fortschrittlichen gesellschaftlichen Strömungen des 18. Jahrhunderts, in der Zauberflöte erkannten Eingeweihte darin die Freimaurerbewegung.

Der erste Vers der wohl bekanntesten Hymne der Arbeiterbewegung lautet: "Brüder zur Sonne, zur Freiheit, Brüder, zum Lichte empor - hell aus dem dunklen Vergangen leuchtet die Zukunft hervor". Im Lichte der Gegenwart müssen wir erkennen, dass sich leider auch finstere Mächte zu Propagandazwecken der Lichtsymbolik bedienen. Gerade autoritäre und diktatorische Systeme bzw. entsprechend orientierte politischen Gruppen inszenieren gerne Fackelumzüge von martialischem Charakter. Fackeln spenden nicht nur Licht, sie eignen sich hervorragend zur Brandstiftung. Das das dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit ist dafür das schrecklichste, aber nicht einzige Beispiel.  Lichterketten gegen Fremdenhass sind dagegen ein kleiner Hoffnungsschimmer und sicher mehr als nur Pfeifen im Dunkeln.

Das Ende des - hoffentlich letzten - autoritären Regimes im deutschsprachigen Raum hat die Bevölkerung schon in politischen Witzen vorweggenommen: "...der letzte macht das Licht aus". 1989 war es soweit: Kerzen brannten vor der Nicolaikirche, und kurz darauf gingen in Erichs Lampenladen die Lichter aus. 

Candle light - Als Wachskerzen noch Luxus waren

Exponat 11: Fränkischer Kerzenhalter mit Bienenwachskerze, Nachbildung nach einem Original, 6. Jahrhundert n. Chr., Niederrhein, Holz, Kerze aus Bienenwachs
Exponat 11: Fränkischer Kerzenhalter mit Bienenwachskerze, Nachbildung nach einem Original, 6. Jahrhundert n. Chr., Niederrhein, Holz, Kerze aus Bienenwachs

Um Kerzen herzustellen, benötigt man relativ hoch schmelzendes Brennmaterial. Je höher der Schmelzpunkt liegt, um so schlanker kann die Kerze werden. Die Übergänge von "Kerze" (in einer geeigneten Mulde als "Halter") zur primitiven Talg- bzw. Öllampe ist daher im wahrsten Sinne des Wortes "fließend".

Bienenwachs, mit einem Schmelzpunkt um 86 Grad C, eignet sich hervorragend  als Kerzenmaterial. Es besteht aus langkettigen, gesättigten Kohlenwasserstoffestern - das bedeutet, es brennt hell und rußt kaum. Bienenwachs ist aber zu allen Zeiten ziemlich teuer gewesen  - man kann es zwar nicht essen, es ist aber stets Nebenprodukt der Honigerzeugung, und Honig war selten und teuer. Also kann auch nicht viel Wachs angefallen sein, dass jedermann täglich Bienenwachs verbrennen konnte.  Wachskerzen sind der Inbegriff des teuren Lichtes gewesen - sie sind das bevorzugte Leuchtmittel in den Kirchen Nord- und Mitteleuropas seit dem Mittelalter (Dexel 1943, Abb. 121 - 144)

Davon künden die wenigen bildlichen Darstellungen aus dem Mittelalter und vor allem die imposanten bronzenen Leuchter, die schon in der Romanik (beispielsweise Hildesheim, Braunschweig) gewaltige Höhen erreichten.  Ob die riesigen Leuchter allerdings immer mit Wachskerzen bestückt gewesen sind, sei dahingestellt. Gerade die für das Mittelalter typischen dicken Zapfen und die breite Auffangschale auf den Leuchtern sprechen dafür, dass auch weichere Talgsorten verwendet worden sind - ggf. sind die Leuchter mit den dicken Zapfen auch multifunktional zu sehen - mit deutlicher Nähe zu der sehr ähnlichen Fett- Schalenlampe mit Turmdocht.

Exponat 12: Talgkerzen in mittelalterlichen Kerzenhalter (Nachbildungen nach einem Original aus Böhmen, 13. Jahrhundert, Privatzbesitz Dr. Ulrike Binding, Halle)

Neben  Wachs eignen sich auch hochschmelzende Talgsorten zur Kerzenherstellung. Talg ist ein wachsartiges, hartes Fett aus dem Bindegewebe zwischen den Gedärmen von Säugetieren. Dieses Gewebe nennt man "Flomen". Zur Talggewinnung wird es ausgeschmolzen, so wie man Speck auslässt. Der Nachteil von Talgkerzen ist am Exponat zu sehen: Die Talglichter schmelzen leicht in sich zusammen, müssen daher sehr dick gebaut sein. Rinder- und Hammeltalg eignet sich am besten, Schweinetalg weniger, weil es zu weich ist bzw. leicht schmilzt. Talg ist nicht besonders wohlschmeckend, aber ebenso nahrhaft wie andere tierische Fette auch - zumindest in Notzeiten hat man es gegessen. Das Problem der "Nahrungskonkurrenz" ist daher bei Kerzen nicht anders als bei Fett- oder Öllampen.

Kerzen werden erst im 19. Jahrhundert erschwinglich, als man aus den Rückständen der Erdöldestillation Paraffin, einen gesättigten, rein aliphatischem Kohlenwasserstoff  gewann. Die heutigen billigen Teelichter bestehen aus Paraffin. Kaum jemand ahnt, dass gute Tafelkerzen im allgemein halbe Talgkerzen sind. Sie enthalten neben Paraffin auch das teurere Stearin, einem der Hauptbestandteile des Rindertalgs. Stearin wird seit dem Anfang des 19. Jahrhundert aus Talg gewonnen. Es ist Ergebnis eines Raffinationsprozesses, bei dem Talg und andere hochschmelzende tierische Fette in hoch- und niedrigschmelzende Komponenten zerlegt werden.

Funzel-Evolution: Wenn Schalen eine Schnauze ziehen und Lampen zu Fröschen werden

Exponat 13 : Nachbau einer "typischen" mediterranen frühen Schnauzenlampe (Keramik)
Exponat 13 : Nachbau einer "typischen" mediterranen frühen Schnauzenlampe (Keramik)

Einfache Schalenlampen  haben einen Nachteil: will man die Dochte an den Rand legen, damit sie möglichst wenig abgeschattet werden, so kann es passieren, dass sie vom Rand herabrutschen. (Aus Archäologensicht haben sie auch einen anderen Nachteil: sie lassen sich nämlich nicht eindeutig als Lampen identifizieren - es sei denn, sie haben eindeutige Schmauchspuren) 

Im mediterranen Raum entwickelte sich erst in der späten Bronzezeit ein neuer, praktischer Lampentyp. Eine einfache, meist auf der Töpferscheibe gedrehte Tonschale wird an einer oder mehreren am Rande so zusammengekniffen, dass Schnauzen entstehen, in die man den Docht sicher einlegen kann. Vorteil: der Docht liegt außerhalb der Schale, die Lichtausbeute wird höher, da die Leuchte weniger Eigenschatten wirft. Das zuströmende Brennmaterial wird in der engeren Schnauze durch die Flammhitze auch etwas stärker vorgewärmt als in der einfachen Schalenlampe. Luft kann besser an die brennenden Flamme gelangen, die Flamme wird (wenn auch nur geringfügig) heißer, und damit heller.  Erste Lampen dieser Art werden in das 9. Jahrhundert n. Chr. datiert (Mlasowskky 1993, S. 16).

"Der Steiger kommt und hat sein helles Licht in der Hand..."

Seit dem Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein benutzte man in den Erzgruben einfache, offene Lampen, in denen meistens Talg ("Unschlitt") verbrannt wurde. Das Bauprinzip des "offenen Frosches"  unterscheidet sich nicht von den frühen Fett/Öllampen, wie sie in der Bronzezeit aufgekommen waren. Die Lampenschüssel bestand aus Keramik (erst später aus Metall), als Docht diente ein Strang Pflanzenfasern, oft auch ein kleiner, kurzer Kienspan. Die Beschaffung der Leuchtstoffe (d. h. der Fette) für die Gruben war ein erheblicher Kostenfaktor, und Engpässe bei der Fettbeschaffung (z.B. in Hunger- und Notzeiten) konnten den Betrieb der Gruben zum Erliegen bringen (vgl. Palme 1997). Die Lampen hingen an einem hölzernen, ca. 60 cm langen Stiel (später an einer Metallkette). Der Bergmann trug die Lampe an diesem Stiel so, dass die Lampe knapp über dem Boden hing. Das verhinderte, dass die Lampe den Bergmann blendete und gewährleistete einen sicheren Tritt.

Aus G. Agricolas De re Metallica von 1556, Ausschnitt aus dem Holzstich "Feuersetzen"
Aus G. Agricolas De re Metallica von 1556, Ausschnitt aus dem Holzstich "Feuersetzen"
Exponat 14: (freie) Nachbauten  nach Abbildungen in  Agricola, de re metallica. Keramik, Holz; Brennmaterial: Rindertalg
Exponat 14: (freie) Nachbauten nach Abbildungen in Agricola, de re metallica. Keramik, Holz; Brennmaterial: Rindertalg

Licht am Ende des Tunnels. Das finstere Mittelalter neigt sich dem Ende zu.

Exponat 15: Nachbildung einer glasierten
Exponat 15: Nachbildung einer glasierten
einfachen spätmittelalterlich/frühneuzeitlichen  Talg/Öllampe (Steinzeug, bleiglasiert)
einfachen spätmittelalterlich/frühneuzeitlichen Talg/Öllampe (Steinzeug, bleiglasiert)

... und im archäologischen Fundmaterial lassen sich hin und wieder bleiglasierte Schalen mit kurzer Schneppe finden. Dazu sei ein kurzer Link zur "Konkurrenz", dem Landesamt für Archäologie in Dresden, auf den Fund des Monats Dezember 2000, verwiesen. Selten sind diese glasierten mittelalterlichen Schälchen mit Schneppe allerdings noch, und erst in der frühen Neuzeit nimmt das Fundmaterial deutlich zu...

Nachteil der "Frösche": Ölverlust. Erst in der frühen Neuzeit wird Abhilfe geschaffen.

Der Leuchter von Schwerzau, von dem bereits an anderer Stelle die Rede war, ist in lichttechnischer Hinsicht noch kein besonderer Fortschritt. Hierin ist er den 1300 Jahre älteren römischen Öllampen noch weit unterlegen. Der Leuchter stammt aus dem 16. Jahrhundert, besteht aus Steinzeug und ist mit einer grünen Bleiglasur überzogen. Konstruktiv handelt es sich um eine der üblichen offenen Frösche, allerdings auf einen hohen Ständer gestellt.  Eindeutig ist, dass der Leuchter mit Öl betrieben wurde, nicht mit Talg. Brennmittel war vermutlich Raps- oder Rüböl, wie an anderer Stelle ausgeführt wurde. Wenn der Docht, der in der wenig ausgezogenen Schnauze lag, brannte, lief immer wieder Öl vom Docht über die Schnauze nach außen ab. Dieses Problem ist allen derartigen einfachen Schalenlampen mit schneppenartiger Schnauze gemein. Interessant ist, wie in dem frühneuzeitlichen Leuchter das Problem Ölverlust gelöst wird: Das Öl, das von der Schnauze her entlang des Ständers ablief, wurde in der unteren ringförmigen Schale aufgefangen, von wo es durch zwei dafür angebrachte Löcher in das Innere des hohlen Fußes lief. Hatte sich genug Öl im Fuß angesammelt, konnte man es wieder aus der unteren kleinen Tülle herausgießen und wieder verwenden. Die Konstruktion zeigt auch, dass die Lampe für Öl und nicht für Talg vorgesehen war: Talg wäre beim Ablaufen erkaltet, und hätte die Lampe ähnlich aussehen lassen, wie die Chiantiflaschen mit Tropfkerzen, wie sie in den 70er Jahren in keiner "Teestube" fehlen durfte.