Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Schlachtfeldarchäologie Lützen

Schlacht bei Lützen
Historische Ansicht der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 von Merian

 

1632 fand bei Lützen eine der folgenschwersten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges statt, da in deren Verlauf der Schwedenkönig Gustav II. Adolf sein Leben verlor. Bei den Gefechten wurden auf beiden Seiten mehr als 9000 Soldaten getötet.

Historischen Karten zufolge standen sich das schwedische und das kaiserliche Heer nordwestlich von Lützen gegenüber. Beide Heere trennte die Straße nach Leipzig, deren ursprünglicher Verlauf von dem heutigen abwich und in einen noch streckenweise erhaltenen Hohlweg mündete. Dabei war das kaiserliche Heer nördlich, das schwedische südlich der Straße aufgestellt. Die Straßengräben wurden von Wallenstein zu Schützengräben ausgebaut, in denen sich Musketiere verschanzten. Während sich die eigentliche Schlacht beidseits und nördlich der Straße entfaltete, schlossen sich rückwärtig Tross und Lager an, so dass sich das für die Prospektion relevante Gebiet vom Ortsrand im Westen und der Gemarkungsgrenze im Norden bis zum Floßgraben im Osten und Süden erstreckt und darüber hinaus auch noch die Flächen nördlich und westlich von Meuchen einschließt.

Kartierung Bleikugeln
Kartierung der Bleikugeln getrennt nach Kalibern (A. Schürger)

Ziel des Projektes ist die Prospektion des gesamten umrissenen Gebietes mit Metallsonden. Dabei wird jedes Objekt mit dem GPS eingemessen. Anhand der typenmäßigen Kartierung der Funde (Gewehrkugeln, Uniformteile, Ausrüstungsgegenstände, Münzen usw.) sind Hinweise auf den Schlachtverlauf (Truppenbewegungen, Aufeinandertreffen der Verbände, Lage der gegnerischen Lager, Lazarette usw.) zu erwarten. Darüber hinaus finden an besonderen Stellen archäologische Sondierungsgrabungen statt. Eine solche gilt dem Nachweis der Schützengräben, in denen auch gefallene Soldaten bestattet worden sein könnten. Flankierend werden auch geophysikalische Methoden durchgeführt, etwa zur Kartierung des Straßenverlaufs sowie der Windmühlenstandorte, die in den historischen Karten festgehalten sind und als Referenzpunkte dienen können.

Die Erforschung des Schlachtfeldes von Lützen wird durch das finanzielle Engagement der Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG), vertreten durch die Stiftung zur Förderung der Archäologie in Sachsen-Anhalt, in großzügiger Weise unterstützt und in Kooperation mit der Stadt Lützen und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg durchgeführt.

Weitere Informationen zur archäologischen Prospektion auf dem Schlachtfeld von Lützen können Sie der jüngsten Pressemitteilung zu diesem Thema entnehmen.

Im Oktober 2008 waren die Forschungen auf dem Lützener Schlachtfeld der Anlass, die Schlachtfeldarchäologie zum Thema des 1. Mitteldeutschen Archäologentages zu machen. Der Kongress mit internationaler Beteiligung war ein voller Erfolg. Erstmals in Deutschland war die Schlachtfeldarchäologie Thema einer Tagung. Weitere Informationen, Downloads und einen Rückblick finden Sie hier.

Zu einem Audiobeitrag des DRadio Wissen über die Schlachtfeldarchäologie in Lützen gelangen Sie hier.