Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Rohstoffherkunft

Vergleich der Spurenelementmuster von Kupfererzen aus dem Ostalpenraum (Mitterberg und Kitzbühl, schattierte Flächen) mit den Funden von Nebra (Punkte).
Der Mitterberg: Herkunft des Kupfers im Hortfund von Nebra.
Bleiisotopenverhältnisse in den Funden von Nebra und in mehreren prähistorischen Kupferbarren von Kuchl im Salzachtal, nahe Mitterberg. Diese Barren werden allgemein als Rohkupfer aus der prähistorischen Produktion auf dem Mitterberg angesehen.

Um die Herkunft des Kupfers zu ermitteln, kombiniert man zwei Verfahren: Spurenelementanalyse und Bleiisotopenanalyse. Jede Lagerstätte enthält ein charakteristisches Spektrum von Neben- und Spurenelementen, die bei der Verhüttung der Erze in das Metall übergehen. Sie sind dann ein Fingerabdruck der jeweiligen Lagerstätte im Produkt. Voraussetzung ist dabei, dass kein Altmetall oder Mischungen unterschiedlicher Rohstoffquellen verwendet wurden. Für die Frühbronzezeit darf man das regelmäßig voraussetzen. Die Spurenelementanalyse darf sich nur auf diejenigen Elemente beziehen, die beim Verhüttungsprozess weitgehend in die metallische Phase übergehen und nicht wesentlich durch die Prozessführung beeinflusst werden. Viele chalkophile Spuren- und Nebenelemente erfüllen diese Bedingung.

Die Analyse der stabilen Bleiisotope ist die zweite wichtige Säule in der Lagerstättencharakterisierung. Blei ist in praktisch allen Kupferlagerstätten als Nebenbestandteil vorhanden, und gelangt als Verunreinigung des Kupfers mit in die Bronzelegierung. In vielen Lagerstätten unterscheidet sich das Blei durch seine Isotopenverhältnisse. Da sich die Isotope des Bleis in der Folge bei der Metallgewinnung und -Verarbeitung identisch verhalten, verändern sich deren Verhältnisse auf dem Weg vom Erz zum Metall nicht. Sie bilden daher - neben den Spurenelementen - einen weiteren "Fingerabdruck" der Lagerstätte. Zwar ist der nicht einzigartig für jede Lagerstätte, aber bei Nichtübereinstimmung der Bleiisotopenverhältnisse zwischen Artefakt und Lagerstätte lässt sich diese als Rohstoffquelle mit Sicherheit ausschließen. Im Idealfall bleibt nur eine mögliche Lagerstätte übrig.

Die chemische und isotopische Analyse der Himmelsscheibe und ihrer Beifunde ergab, dass sowohl Scheibe als auch Beifunde aus einem Kupfer gefertigt wurden, das dem aus dem Ostalpenraum sehr ähnlich ist. Besonders gut ist die Übereinstimmung mit Rohkupferbarren, wie sie in direkter Nähe des berühmten prähistorischen Kupferbergwerkes auf dem Mitterberg (Salzburger Land) gefunden werden. Das verwundert nicht. Der Ostalpenraum mit seinen noch heute sichtbaren prähistorischen Bergwerken versorgte in der frühen Bronzezeit einen Großteil Mitteleuropas mit Rohkupfer.

Entgegen ursprünglicher Vermutungen, dass das Gold aus Rumänien stamme aufgrund des für die dortigen Lagerstätten typischen Silberanteils von 20% konnte im Sommer 2010 mit neuen geochemischen Verfahren und einer vorangegangenen umfangreichen Lagerstättenanalyse nachgewiesen werden, dass das Gold der Himmelsscheibe aus Cornwall stammt.