Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Tauschierung

Übersicht über polychrome Metalltechniken der frühen Bronzezeit.
Um die Goldbleche auf der Himmelsscheibe zu befestigen, wurden tiefe Rillen in das Bronzeblech geschlagen,....
... das Gold mit den Rändern hineingelegt und mit Punzenschlägen festgeklemmt.
Hier wird ein Kupferstreifen eingelegt, wie bei den Schwertern aus dem Hortfund von Nebra.

- eine sehr seltene Technik der frühen Bronzezeit

Die Himmelskörper bestehen aus Goldblechen in einer Stärke von ca. 0,2-0,4 Millimeter. Sie sind mit einer speziellen Technik auf dem bronzenen Firmament befestigt worden. Ohne ein spezielles Klebe- oder Lötmittel sind sie auf der Unterlage befestigt. Ihre Ränder sind tief in das Scheibenmaterial eingelassen und darin verklemmt. In technischer Hinsicht handelt es sich um die Kombination zweier neuer dekorativer Metalldekorationsverfahren, die im ostmediterranen Raum ihren Urprung haben: Plattieren, das Überziehen mit Goldfolien, und Tauschieren, Metalleinlegearbeiten.

Tauschierungen sind im frühbronzezeitlichen Mitteleuropa ausgesprochen selten. Aus dem schwedischen Vretakloster (Östergotland) kennen wir erst seit kurzer Zeit eine tauschierte Schwertklinge. Eine weitere, unklarer Herkunft aus Marais de Nantes (Frankreich) sowie eine Beilklinge aus Thun-Renzenbühl (Schweiz) sind dagegen schon seit einiger Zeit bekannt. Im ostmediterranen Raum waren Tauschierungen verbreiteter, und hier dürften auch die Ursprünge dieser raffinierten Technik zu suchen sein. Bekannt sind die sehr kunstvoll ausgeführten mykenischen Arbeiten oder die noch früheren Werke aus dem nahen Osten.

Die Art und Weise, wie die "Plattiertauschierung" auf der Himmelsscheibe ausgeführt wurde, unterscheidet sich aber wesentlich von den ostmediterranen Arbeiten, so dass hier allenfalls die bloße Idee mehrfarbiger Metallarbeiten transportiert wurde, nicht aber die Technologie an sich. Um die Goldbleche zu befestigen, wurden zunächst, den Umrissen der Motive folgend, stark unterschnittige Rillen in die zuvor weich geglühte, erkaltete Bronze geschlagen. Als Werkzeug dienten Hartbronzemeißel mit einem höheren Zinngehalt. In diese Rillen wurden die zurechtgeschnittenen Goldbleche eingelegt, und die Bronzegrate, die beim Aufmeißeln der Rillen entstanden waren, über die Goldblechränder getrieben. Damit waren die Goldbleche dauerhaft fixiert.

Ob der Seltenheit frühbronzezeitlicher Tauschierung erscheint verblüffend, dass auch die Schwerter des Nebra-Hortes tauschiert sind. Hier wurden Streifen aus reinem Kupfer in die Klingen eingelegt. Obwohl diese Technik sehr aufwändig ist, erscheint das optische Ergebnis zunächst kaum befriedigend, solange man das Metall blank lässt. Das rötlichbleiche Kupfer bildet kaum einen Kontrast zu dem bleichgoldfarbenen Grundmetall des Schwertes.

Um den Farbkontrast zu erhöhen, kann man das Material allerdings künstlich patinieren, d.h. mit einer gefärbten, oxidierten Schicht versehen. Dies gelingt mit Wärme, einfacher jedoch z.B. mit gärendem Urin, wobei sich die Kupfereinlagen dunkelbraun verfärben, während die Bronze nahezu unverändert golden glänzt. Auch die Himmelsscheibe dürfte ursprünglich dunkel patiniert worden sein, um die Kontrastwirkung zu den goldenen Himmelskörpern zu steigern. Patinierung ist zudem auch notwendig, um zu verhindern, dass das Objekt unkontrolliert, fleckig anläuft.

Tauschierung im Experiment

Im Gegensatz zum heutigen Erscheinungsbild dürfte die Himmelsscheibe eine dunkel patinierte Oberfläche besessen haben, aus der die goldenen Himmelskörper eindrucksvoll heraus leuchteten.
Der letzte Arbeitsgang nach Rohguß (links) war bei den Schwertern nach Tauschieren, Ziselieren und Polieren (Mitte) die künstliche Patinierung (rechts), um die Tauschierung wirken zu lassen.