Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Restaurierung

Entfernen von Bodenanhaftungen und Korrosion

Eines der ersten Bilder der Himmelsscheibe nach ihrer Beschlagnahmung: Die Oberfläche ist noch stark verschmutzt, auf den Goldblechen befinden sich fest anhaftende Korrosionsschichten.
Restaurator Heiko Breuer entfernt Bodenanhaftungen von der Rückseite der Himmelsscheibe.
"Archäoplex" ist eine Komplexierungspaste, bestehend aus chemischen Reagenzien, die mit einem Kieselgel zu einer Paste angedickt wurden. Mit diesem Material konnten die Korrosionsauflagerungen auf den Goldblechen gezielt angelöst werden, ohne die Malachitpatina der Bronzeoberfläche anzugreifen.

Die Restaurierungsmaßnahmen an der Himmelsscheibe von Nebra begannen wenige Wochen nach ihrer Sicherstellung im Jahre 2002. Nach gründlicher fotografischer und mikroskopischer Untersuchung wurden zunächst die Bodenanhaftungen entfernt, um die Originaloberfläche genauer untersuchen zu können.

Vorwiegend auf der Rückseite hatten sich noch umfangreiche Reste des Bodens vom Fundort erhalten. Er war intensiv mit der Korrosion des Metalls verwachsen ("zementiert") . Teils mechanisch, teils mit einer Mischung aus Ethylenglycol, Ethanol und Wasser wurden die tonig-sandigen Bodenreste in wochenlanger Arbeit abgenommen. Die Bodenreste wurden sorgfältig verwahrt, um sie später auf geologische Herkunftsmerkmale zu untersuchen.
Erhebliche Schwierigkeiten bereiteten die Goldoberflächen. Sie waren mit grünlichen, glasharten Korrosionsschichten aus Malachit überzogen. Sie entstammten nicht den Goldblechen direkt, sondern waren von den bronzenen Partien der Oberfläche dorthin diffundiert und hatten sich auf dem Edelmetall niedergeschlagen. Mechanisch hätten sie sich nur entfernen lassen, wenn man leichte Beschädigungen des darunterliegenden, weichen Goldes akzeptiert hätte. Da das nicht in Frage kam, wurde ein chemisches Verfahren gewählt. Nach längeren Versuchen an Modelloberflächen fiel die Wahl auf eine eigens entwickelte Wirkstoffpaste. Sie enthielt den Komplexbildner EDTA, einen Ameisensäure/Formiatpuffer, Ethanol und Wasser und wurde mit pyrogener Kieselsäure zu einer Paste eingedickt.  Das  Mittel konnte mit dem Pinsel an die zu reinigenden Stellen gezielt aufgetragen werden, dort einwirken und anschließend, mitsamt den blauen Reaktionsprodukten der Korrosion, wieder entfernt werden. Damit war gewährleistet, dass das Malachit nur auf  den Goldoberflächen, nicht aber auf der Bronze, angegriffen wurde. Dort sollte es bestehen bleiben: denn bei der langen Bodenlagerung sind einige Stellen der Scheibe komplett, unter Erhaltung der Form, durchkorrodiert. Diese Korrosion zu entfernen hätte einen massiven Eingriff in die Substanz bedeutet.

Beheben von Beschädigungen

Die Fehlstelle vor der Restaurierung. Deutlich ist die geriefte Spur der Hacke zu sehen.
Das neu angefertigte Goldblech wird eingesetzt.
Die Himmelsscheibe direkt nach Abschluss der letzten Restaurierungsarbeiten.

Bei der unsachgemäßen Raubgrabung sind Teile der Himmelsscheibe erheblich verletzt worden. Unter den Hieben des Grabewerkzeug, einer umgebauten Feuerwehrhacke, ist ein Teil des oberen Randes umgebogen worden, wobei ein Stern herausfiel. Die Hacke hatte auch einen Zwickel aus dem Goldblech des großen Sonnen- oder Vollmondmotivs herausgerissen. Sowohl Stern als auch das Goldblechfragment konnten später geborgen werden.  Während der Stern kaum beschädigt war, lag das Goldblech nur noch in einem stark zerknitterten und verdrillten Zustand vor.  Es wieder einzusetzen hätte wenig Sinn gehabt. Es wird zu Studienzwecken verwahrt. Um die Himmelsscheibe in einem ästhetisch befriedigenden, geschlossenen Zustand präsentieren zu können, wurde ein neues Goldblech gleicher Zusammensetzung angefertigt. Exakt zugeschnitten, mit einem speziellen Kleber aus Silikonkautschuk passgenau in die Fehlstelle eingesetzt, kann es bei Bedarf trotzdem jederzeit wieder entfernt werden.