Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Glocken und Orgeln

Glocken

In Sachsen-Anhalt haben sich, wie kaum sonst irgendwo, viele historische Glocken und Geläute erhalten. Ungewöhnlich ist die hohe Anzahl an frühen Glocken des 11. bis 13. Jahrhunderts. Diese Instrumente in Bienenkorb-, später in Zuckerhutform zählen zu den Besonderheiten der hiesigen Glockenlandschaft. Bedeutende Bienenkorbglocken hängen u. a. in Drohndorf bei Aschersleben, im Merseburger Dom oder in Theissen bei Zeitz.

Glocken des 14. Jh., in der Regel mit kunstvollen Majuskelinschriften versehen, verraten die Kenntnis zeitgenössischer Buch- und Schriftkunst. Dazu gesellen sich oft hervorragende Ritzzeichnungen, wie in St. Nicolai in Quedlinburg. Die Spätgotik als Höhepunkt der Glockengießerkunst kennt Namen wie Gherd van Wou aus den Niederlanden, Hinrich van Campen oder Heinrich Ciegeler aus Erfurt. Sie stehen für künstlerische wie klangliche Höchstleistungen und demonstrieren zugleich das geographische Einzugsgebiet. Natürlich gab es auch lokale Gusshütten, so in Halle und Naumburg, deren Zahl in der Barockzeit noch zunahm. In Laucha etablierte sich im 18. Jh. die Familie Ulrich, deren Glocken bis ins 20. Jh. deutschlandweit Verbreitung fanden.

Glocken sind nicht nur selten authentische Musikinstrumente, sondern auch Dokumente für die historische Metallverarbeitung, begünstigt besonders im Harzraum durch vorhandene reiche Lagerstätten. Sie sind dank ihrer Verzierungen und Inschriften unerschöpfliche Quellen für den Kirchenhistoriker, Liturgiewissenschaftler, Heraldiker, Sphragistiker, Paläographen, Volkskundler und Kunsthistoriker. Kaum eine Denkmalgruppe ist derartig vielseitig, gehören doch auch Glockenstühle und Türme untrennbar dazu. Gerade dadurch ergeben sich vielfältige denkmalpflegerische Ansatzpunkte. Oft wurde in späteren Zeiten die Einheit aus Glockenstuhl, Glocke und Technik aufgehoben. Besonders das Umhängen der Glocken an gekröpfte Stahljoche hat zu schweren Schäden an den Instrumenten selbst und an den Tragwerken geführt. Schäden, die nun sukzessive behoben werden müssen.

Marienglocke in Stendal
Marienglocke in Stendal
Detail der Glocke von Gerhard van Wou
Detail der Glocke von Gerhard van Wou
Detail der Marienglocke
Detail der Marienglocke
Detail der Marienglocke
Detail der Marienglocke

Orgeldenkmalpflege

In den Orgellandschaften Europas ist das Orgelland Sachsen-Anhalt durch berühmte Namen wie Zacharias Hildebrandt und Friedrich Ladegast repräsentiert. Als Orgelbauer von epochaler Bedeutung hatten sie auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit. Hildebrandts größte und am besten erhaltene Orgeln befinden sich in Naumburg und in den Dörfern des „Hildebrandt-Dreiecks“ am Südharz. Das Gros der Werkstattproduktion Friedrich Ladegasts steht in Kirchen der Region um Weißenfels, Halle und Naumburg. Sachsen-Anhalt verfügt über einen außergewöhnlich reichen und vielfältigen Schatz von nahezu 2000 historischen Orgeln.

Die Situation der historischen Orgeln in Sachsen-Anhalt ist zwiespältig: ausgezeichnet restaurierte Orgeln stehen nicht minder wertvollen Instrumenten gegenüber, die von Nutzungsverlust und Verfall akut bedroht sind. Ihre Rettung sowie angemessene liturgische und konzertante Nutzung sind von existenzieller Bedeutung für die Kulturlandschaft und das Musikland Sachsen-Anhalt, nicht zuletzt auch für seine kulturtouristischen Perspektiven.

Wenzelskirche Naumburg
Wenzelskirche Naumburg
Dom Merseburg
Dom Merseburg

Der Schwerpunkt des Denkmalbestandes liegt in Sachsen-Anhalt bei Orgeln des 19. Jh. als einer Hauptblütezeit von Orgelbaukunst und Orgelkomposition. Neben den großen Namen wie Ladegast, Sauer und Reubke stehen auch die Orgeln weniger bekannter Werkstätten wie Rühlmann, Lütkemüller und Strobel im Blickpunkt der Denkmalpflege.

Das Landesamt berät in Zusammenarbeit mit kirchlichen Sachverständigen Kirchengemeinden, Fördervereine und Orgelbauer bei der Entwicklung von Restaurierungskonzeptionen und Förderstrategien. Orgel-, kunst- und baudenkmalpflegerische Belange finden dabei im Kontext Berücksichtigung. Das Landesamt unterstützt und koordiniert Forschungen, die sich auf den Orgelbestand Sachsen-Anhalts erstrecken. In Presse- und Medienarbeit sowie eigenen Publikationen ist es bestrebt, das Thema „Orgel“ im öffentlichen Bewußtsein nachhaltig zu verankern und durch entsprechende inhaltliche Akzentsetzung orgeldenkmalpflegerische Erfordernisse der Zukunft deutlich zu machen.

 

Kirche Kleinwangen
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Stadtkirche Derenburg
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Schlosskirche Wittenberg
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