Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Januar: Fensterrose in der Klosterkirche Schulpforte

Das Zisterzienserkloster St. Marien zur Pforte wurde im Jahr 1137 gegründet, in der Mitte des 13. Jahrhunderts wurde seine romanische Kirche zur hochgotischen Basilika umgebaut. Aus der Zeit um 1300 stammt die für eine Zisterzienserkirche ungewöhnlich reich geschmückte Westfassade der Kirche, auch weite Teile des romanischen Baubestandes sind erhalten. 1543 wurde das Kloster durch Erlass des Kurfürsten Moritz von Sachsen in die Landesschule Pforta umgewandelt, die noch heute besteht.

Das ehemalige Zisterzienserkloster St. Marien zur Pforte nahe Bad Kösen im Burgenlandkreis zeichnet sich nicht nur durch seinen nahezu vollständig erhaltenen, mittelalterlichen Architekturbestand aus, sondern auch durch höchst bedeutende Ausstattungselemente, die die Jahrhunderte teils seit romanischer Zeit überdauert haben. Selbst unter diesen sind, neben dem hölzernen, farbig gefassten Triumphkreuz aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, die original erhaltenen mittelalterlichen Grisailleglasfenster der ehemaligen Klosterkirche besonders bemerkenswert.

Die Fenster gehören zur ursprünglichen reichen Ausstattung des Chores, der zwischen 1251 und 1268 im Zuge des Umbaus der romanischen Abteikirche zur wichtigsten hochgotischen Zisterzienserkirche Deutschlands entstand. Sie sind in der als »Grisaille« (Malerei in Grau/Schwarz) bezeichneten, zeittypischen mittelalterlichen Maltechnik hergestellt und zeichnen sich durch einen für die zisterziensische Kirchenkunst überaus bemerkenswerten darstellerischen Reichtum aus. Neben ornamentalen Mustern zeigen sie vor allem pflanzliche Motive, wie etwa Weinlaub, das an die Bedeutung des gerade durch die Mönche des Klosters Pforte in der Region zur Blüte gebrachten Weinbaus erinnert. Eine überraschende Besonderheit sind der akzentuierte Einsatz von runden farbigen Gläsern sowie vor allem die Darstellung von drachenköpfigen geflügelten Fabelwesen (Abb. 1).

Abb. 1: Detail der Fensterrose

Ihr authentischer Erhaltungszustand, ihre herausragende künstlerische Qualität, vor allem aber ihr großer Seltenheitswert – in ganz Europa sind nur wenige Zeugnisse zisterziensischer Glaskunst erhalten – begründen die überregionale Bedeutung der Glasfenster der Pfortaer Kirche. So ist die aus insgesamt 33 Feldern bestehende Fensterrose im Nordchor, die nun wieder an ihrem ursprünglichen Platz bewundert werden kann, europaweit die einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Fensterrose in Grisailletechnik; nicht einmal im französischen Ursprungsgebiet des Zisterzienserordens ist Vergleichbares bekannt (Abb. 2).

Abb. 2: Fensterrose in der Gesamtansicht

Seit ihrem kriegsbedingten Ausbau in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts waren die Fensterrose sowie die übrigen Gläser auf dem Gelände der Landesschule eingelagert, gerieten aber, nach einer ersten umfangreichen Restaurierung in den 1970er Jahren, erst in jüngerer Zeit wieder ins öffentliche Bewusstsein. Umfangreiche Voruntersuchungen der Gläser konnten auf Anregung des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im Rahmen einer Diplomarbeit an der Fachhochschule Erfurt durchgeführt werden. Die jüngst erfolgte Rückführung der restaurierten Fensterrose ging einher mit der Instandsetzung des Maßwerks, der Reinigung der angrenzenden Wandflächen sowie dem Einbau einer außenseitigen Schutzverglasung und damit der beispielhaften Restaurierung einer ersten raumhohen Wandfläche des Chores. Als erster Schritt hin zur geplanten und dringend notwendigen Inneninstandsetzung der Kirche vermittelt diese nun gewissermaßen als »Musterachse« einen ersten Eindruck von der künftigen Raumgestaltung.

 

Text: Walter Bettauer

Redaktion und Internet: Dorothee Menke

 
Abbildungsnachweis:

Abb. 1 und 2: Andrea Hörentrup