Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

März: Leinwandtapete aus dem "Eichenkranz" in Wörlitz

Schon im ausgehenden 18. Jahrhundert zählten die Wörlitzer Anlagen mehrere Tausend Besucher im Jahr. Um die zum Teil hochgestellten Gäste angemessen unterbringen zu können, ließ der Schöpfer des weiträumigen Landschaftsparks, Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, in den Jahren 1785 bis 1787 den Gasthof »Zum Eichenkranz« errichten (Abb. 1).

Abb. 1: Außenansicht des "Eichenkranzes" in Wörlitz

Die aus Richtung Dessau kommenden, die Wörlitzer Anlagen streifenden Reisenden empfing der Eichenkranz wie ein kastellartig aufgeführtes Stadttor. Der Entwurf dürfte auf den Architekten des Fürsten, Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, zurückgehen. Genaue Vorbilder sind nicht bekannt, doch meint man, von den Wörlitzer Anlagen aus betrachtet, in den wie Türme wirkenden Seitenflügeln andere Erdmannsdorffbauten wiederzuerkennen. Auch die von der damals neu entdeckten Gotik inspirierten spitzbogigen Fenster des Verbindungsbaus sind an anderen seiner Gebäude zu finden.

Um den Bedürfnissen der nicht selten von weither angereisten Kundschaft gerecht zu werden, waren an die Ausstattung der Gesellschaftsräume und Gästezimmer gehobene Ansprüche zu stellen. So bespannte man die Wände des als Fachwerkbau errichteten »Eichenkranzes« oberhalb der kniehohen Wandvertäfelung mit Leinwandtapeten. Die mit Nägeln fixierten Leinwände wurden verleimt, grundiert und schließlich, um eine matte Oberflächenwirkung zu erreichen, mit Leimfarbe bemalt.

In motivischer Hinsicht wurde dabei differenziert vorgegangen. Soweit heute noch nachweisbar, war jeder Raum anders gestaltet. Figürliche und ornamentale Darstellungen auf neutralem Hintergrund wechselten sich ab. In den Gästezimmern bildete die Bemalung den Rahmen für Stiche mit den Ansichten berühmter Städte, die den Zimmern ihre Namen gaben.

Der dargestellte Kopf, möglicherweise eine maskenhaft ausgeführte Minerva (Abb. 2), gehörte zu einem Raum mit an römische Fresken erinnernder Bemalung und steht für die Antikenbegeisterung der Goethezeit. Welchen Städtenamen das Zimmer trug, ist nicht überliefert.

Abb. 2: Detail der Leinwandtapete.

Die noch erhaltenen Leinwandtapeten im »Eichenkranz« wurden herausgenommen, von den Überklebungen mit Papiertapeten befreit und werden, soweit vom Erhaltungszustand her vertretbar, restauriert und wieder eingebracht.

Nach der abgeschlossenen Sanierung der Gebäudehülle bedeutet die Restaurierung der Leinwandtapeten die Wiedergewinnung eines der Leitbauten der UNESCO-Welterbestätte Gartenreich Dessau-Wörlitz.

 

Text: Christoph Bosch

Redaktion und Internet: Dorothee Menke

 

Abbildungsnachweis:

Abb. 1-2: G.Preuß