Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Oktober: Eine Stuckdecke im »Simonettihaus« in Coswig (Anhalt), Zerbster Straße 40

Johann Friedrich von Meder, eine Art Gouverneur des Fürsten von Anhalt-Zerbst, war 1699 höchstwahrscheinlich der Bauherr des repräsentativen Anwesens vor den Toren Coswigs. Auf Grund seines reichen Bestandes an künstlerisch einzigartigen, hochbarocken Stuckdecken gehört das Gebäude zu den wertvollsten Baudenkmalen im historischen Anhalt. Drei Decken zeigen szenische Darstellungen antiker Themen: »Perseus rettet Andromeda«, »Apollon tötet Python«, »Hermes mit dem Haupt des Argos«. Im oberen Flur halten plastische Putti an der Decke theatralisch einen Vorhang. Die Stuckaturen werden stilistisch dem aus Graubünden stammenden anhaltischen und kurbrandenburgischen Hofstuckateur und Baumeister Giovanni Simonetti (1652–1716) zugeordnet und haben dem Haus zu seinem einprägsamen Namen verholfen. 2007 erwarb der Verein Simonetti Haus Coswig (Anhalt) e. V. das abbruchgefährdete Baudenkmal und setzte es mit beispielhaftem Engagement und großer öffentlicher Wirksamkeit denkmalgerecht instand (Abb. 1).

Abb. 1: Das »Simonettihaus« in Coswig (Anhalt).

Seit 2011 werden die Stuckdecken restauriert. Dabei sind neben der Befestigung der Stuckelemente am Träger und der Schließung weniger Fehlstellen vor allem die unter zahlreichen Anstrichen verborgenen originalen Oberflächen freizulegen. Die bislang nur zu ahnende technische Feinheit und künstlerische Qualität der Stuckaturen kommt nun wieder eindrucksvoll zur Geltung (Abb. 2) und rechtfertigt überzeugend den Aufwand für die Rettung des Denkmals.

Abb. 2: Detail einer Stuckdecke.

Im angrenzenden historischen Tanzsaal der im 19. Jahrhundert als Gasthof genutzten Anlage, dessen Erhaltung parallel zum Simonettihaus in Angriff genommen wurde, organisiert der Förderverein regelmäßig Benefizkonzerte zur Erwirtschaftung des finanziellen Eigenanteils.

Im benachbarten Baudenkmal Zerbster Straße 42, einem leerstehenden gründerzeitlichen Wohnhaus, das der Verein aus eigenen Mitteln erworben hat und seit 2011 saniert, plant er zukünftig ein Forschungszentrum für historische Stuckdekoration. Seit 2013 informiert eine Ausstellung über Stuck als Raumdekoration.

 

Text: Mario Titze

Internet: Julia Kruse

 

Abbildungsnachweise:

Abb. 1-2: R. Ulbrich