Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte

Januar: Die kaholische Kirche Christkönig in Leuna

Am östlichen Rand der Gartenstadt Leuna befindet sich die katholische Kirche Christkönig. Der Saalbau wurde 1929/30 nach Entwürfen des Magdeburger Architekten Bernhard Lippsmeier errichtet und ist ein eindrucksvolles Beispiel des Neuen Bauens. Mit der Errichtung des Ammoniakwerkes durch die BASF ab 1916 auf einem bis dahin ländlich geprägten Areal südlich von Merseburg wurden viele Arbeitskräfte aus anderen Teilen des Landes nach Mitteldeutschland gezogen. Für die Katholiken unter ihnen wurde bereits 1917 von Werksseite eine Kirchenbaracke für liturgische Zwecke zur Verfügung gestellt. Es sollte aber noch bis 1930 dauern, ehe die Gemeinde – mit finanzieller Unterstützung der Leunawerke – eine neue Kirche ihr Eigen nennen konnte. Gleichzeitig entstand das nordwestlich der Kirche gelegene Pfarrhaus.

Die Kirche präsentiert sich in der umgebenden Gartenstadt als schlichter unverputzter Baukörper auf längsrechteckigem Grundriss mit sehr flachem Walmdach (Abb. 1). Die kubischen Baumassen werden in ihrer Monumentalität durch das bossierte Natursteinmauerwerk in der Wirkung unterstrichen, gleichzeitig vereint die offene Präsentation der Betonpfeiler Tradition und Moderne. Die Fassade wird durch die Vertikale geprägt. Erreicht wird dies durch schlitzförmige Fenster und die entfernt an gotische Strebepfeiler erinnernden Außenstützen, die an die Fassade anschließen und das Raster für die dazwischen liegenden Fenster vorgeben. Ein schlanker, hoch aufragender und auf quadratischem Grundriss stehender Glockenturm befindet sich an der südöstlichen Ecke des Gebäudes.

Abb. 1: Außenansicht der Kirche Christkönig in Leuna.

Der leicht gedrungen wirkende Haupteingang liegt im Westen und erstreckt sich – aus einer Doppeltür und zwei flankierenden Einzeltüren bestehend – über die gesamte Front. Auch hier wird die Fassade mittels Betonpfeiler gegliedert. Über dem Eingangsbereich befinden sich drei überlebensgroße steinerne Skulpturen auf Würfelpodesten, die Hildegard Wiegel geschaffen hat. Es handelt sich um Christus mit den Aposteln Petrus und Paulus. In der Mitte, über der Christus darstellenden Figur, ist ein Rundfenster mit profilierter steinerner Rahmung angebracht, das nach außen hin die Christusfigur betont und heraushebt, gleichzeitig aber auch zur Belichtung der Westempore im Inneren dient.

Der Innenraum besteht aus einem großzügigen Saal mit eingezogenem Chor, zu dem seit der Renovierung in den 1950er Jahren drei breite und zwei schmale Treppenstufen führen (Abb. 2). Der Chor besitzt nach Norden und Süden hin je drei schmale raumhohe Rundbogenöffnungen. An der nördlichen Seite schließt sich eine Empore an, die durch drei Fenster belichtet wird. Gegenüber befindet sich der Zutritt zur Sakristei und der Turm schließt sich hier an die Kirche an, sodass auf dieser Seite nur ein Fenster zu finden ist, während die anderen beiden Öffnungen Blendnischen sind. Die Fenster der gesamten Kirche sind farbig gestaltet. Über dem Eingang befindet sich eine schlicht gehaltene Orgelempore, die die gesamte Breite des Raumes einnimmt.

Abb. 2: Der Innenraum der Kirche mit dem eingezogenen Chor.

Im Inneren wird der Blick auf die östliche Chorwand gelenkt, wo sich ein die gesamte Wand ausfüllendes Mosaik befindet. Der Hintergrund wirkt mit seiner dunklen Farbgebung fast dramatisch. Das Motiv, im Kontrast zum Hintergrund hell hervortretend und Ruhe ausstrahlend, nimmt das Patrozinium der Kirche, Christus als königlicher Herrscher, umgeben von zwei Engeln, auf. Die Gestaltung wurde von der Münchner Firma Franz Mayer nach einem Entwurf des Kunstmalers Professor Josef Eberz ausgeführt. Ursprünglich war die östliche Chorwand heller gehalten. Davor stand ein Kruzifix mit Korpus, das 1944 auf Drängen des damaligen Pfarrers Wulf entfernt und durch das Mosaik ersetzt wurde. Gleichzeitig mit dem Mosaik im Chor wurden an den östlichen Stirnseiten des Schiffes links und rechts des Chores die Muttergottes Maria mit dem Kind sowie der heilige Joseph und an der nördlichen und südlichen Wand des Schiffes die Kreuzwegstationen ebenfalls als Mosaike gestaltet. Der Hauptaltar und der Tabernakel sind aus Marmor gefertigt und als Prinzipalausstattungsstücke von Beginn an in der Kirche beheimatet.

Kurz vor Kriegsende am 4. April 1945 wurde die Kirche durch Bombentreffer in Mitleidenschaft gezogen. Dies betraf vor allem die Nordwand und die Decke des Gotteshauses. Die Schäden wurden beseitigt und der Raum notdürftig wiederhergestellt. 1951 erfolgte eine umfassende Instandsetzung der Kirche, bei der u. a. die Kassettendecke neu eingebaut wurde. 1959 konnten die beiden neuen, von der Firma Schilling aus Apolda hergestellten Glocken geweiht werden, da das alte Geläut im Krieg verloren gegangen war. 1988 wurden die farbigen Glasfenster instand gesetzt.

Der schlanke, hoch aufragende und weithin sichtbare Chorflankenturm des Kirchenbaus erinnert an italienische Campanile. Städtebaulich sehr markant behauptet er sich neben dem ähnlich gestalteten Turm der benachbarten evangelischen Friedenskirche und besitzt wie dieser große landschaftsbildprägende Bedeutung.

 

Text: Dorothee Honekamp-Könemann

Internet: Julia Kruse

 

Abbildungsnachweis:
Abb. 1-2: Gunar Preuß