Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Oktober: Die Stadt Freyburg

Eines der schönsten Panoramen innerhalb der Kulturlandschaft an Saale und Unstrut eröffnet sich dem Betrachter von der Terrasse des westlich der Stadt Freyburg gelegenen Klosters Zscheiplitz.

Spektakulär eingebettet zwischen dem Flusslauf der Unstrut und den umgebenden Weinbergen entstand im 12. Jahrhundert als Neugründung der Thüringer Landgrafen die Stadt Freyburg. Ihre auf einem rechteckigen Grundriss angelegte Altstadt stellt mit einem gitterförmigen Straßennetz, dem zentralen Marktplatz und der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer ein Paradebeispiel einer mittelalterlichen Gründungsstadt dar. Deutlich auf den Unstrutübergang ausgerichtet, zeigt sich die Stadtanlage als Bestandteil der »Via Regia«, einer der wichtigsten mittelalterlichen Verkehrs- und Handelsstraßen. Das Stadtbild bestimmend sind die zwei Türme der Stadtkirche St. Marien. Sie entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als dreischiffige Pfeilerbasilika. Trotz mehrerer baulicher Veränderungen im 15. Jahrhundert ist die ursprüngliche spätromanische Gestalt des für die Region bedeutenden Sakralbaus noch sehr gut erkennbar. Die prachtvolle Westfassade bilden zwei Türme, deren Gestalt auffällige Parallelen zu den Osttürmen des nahegelegenen Naumburger Doms aufweist.

Oberhalb der Stadt am östlichen Unstruthang thront die von Ludwig dem Springer nach 1085 gegründete Neuenburg. Sie wurde in enorm großen Dimensionen und mit hohem baulichem Aufwand errichtet. Davon künden ein gewaltiger Bergfried (der sog. »Dicke Wilhelm«) als weithin sichtbare Landmarke, zwei Achtecktürme, mehrere steinerne Wohnbauten und eine Kapelle (alles um 1100 bzw. frühes 12. Jahrhundert). In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts forcierten die Landgrafen von Thüringen den Ausbau der Burg. Sie ließen ihr im Osten eine riesige Vorburg mit zwei Bergfrieden hinzufügen und modernisierten die Kernburg mit einem neuen Palas und einer Doppelkapelle, die »zum Besten und Bezeichnendsten, was uns von der höfischen Kunst der Hohenstaufenzeit geblieben ist«, gehört (Georg Dehio). Hier haben Ludwig IV. und seine später heilig gesprochene Gemahlin Elisabeth an Messen teilgenommen. In den Jahren, für die auch Aufenthalte des Paares auf der Burg bezeugt sind, entstand der spätromanische Wohnturm – offensichtlich zur Benutzung der Landgrafenfamilie. Heute ist die Neuenburg ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung und einer der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte auf der »Straße der Romanik«.

Am linken Bildrand, entlang der Straße nach Zscheiplitz, ist der vielleicht markanteste Weinberg des Unstruttales zu erkennen. Die sogenannten »Schweigenberge« verdanken ihren Namen wohl einer früheren Nutzung als Viehweide (Schweiga, zu Schweige, Viehweide) des Nordhangs. Die Weinlage des Südhangs ist sehr wahrscheinlich bereits seit dem 13. Jahrhundert in engem historischem Zusammenhang mit der landgräflichen Territorialgewalt und dem nahen Kloster Zscheiplitz entstanden. Eine erste Erwähnung fand der Schweigenberg 1435. In früher Neuzeit wurde der Kalksteinhang vollständig durch mehrere Kilometer lange Trockenmauersysteme und Treppenanlagen aufwendig terrassiert. Eine Besonderheit des heute komplett als Baudenkmal ausgewiesenen Berges ist die große Dichte von noch erhaltenen bau- und kunstgeschichtlich bedeutenden Weinberghäusern des 17.–20. Jahrhunderts.

Am Unstrutufer im Bildvordergrund gruppieren sich die Bauten der Wassermühle Zeddenbach, die einst zum Besitz des Klosters Zscheiplitz gehörte und bereits 1527/28 erstmalig Erwähnung fand. Die Mühle und die dahinter liegende Schleuse Zeddenbach formen ein eindrucksvolles landschaftsprägendes technisches Denkmal. Ihre ältesten Teile stammen aus der Zeit von 1575, das Wohngebäude von 1770; die Ziegelbauten der heutigen, weiterhin in Betrieb befindlichen Industriemühle mit Speicher, Lagerhaus und Stall sind im Wesentlichen 1862/63 entstanden.

 

Text: W. Bettauer, Fotos: R. Ulbrich, Redaktion: S. Meinel; U. Steinecke, Internet: M. Albrecht