Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Landesmuseum für Vorgeschichte
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Februar: Die Wandmalerei in der Kirche des ehemaligen Benediktinerinnenklosters in Arendsee

Abb. 1: Klosterkirche von Süden mit Propstkapelle und Hauptportal © by Oxfordian Kissuth (Own work) [CC BY-SA 3.0]

Die Altmark weist einen herausragend dichten Bestand an mittelalterlichen Kirchenbauten mit bauzeitlichen Dachwerken, erhaltenen Architekturfassungen und wertvollen Innenausstattungen auf. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Kirche des 1183 von Markgraf Otto I. von Brandenburg, einem Sohn Albrechts des Bären, gestifteten Benediktinerinnenklosters in Arendsee. Die den Heiligen Maria, Johannes dem Evangelisten und Nikolaus geweihte Klosterkirche wurde Ende des 12. und in den ersten drei Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts als reiner Backsteinbau am südlichen Hochufer des Arendsees errichtet. Die turmlose Pfeilerbasilika mit Querhaus, Chorquadrat und ehemals drei Apsiden gilt als erster vollständig gewölbter Backsteinbau der Region.

Abb. 2: Blick in den Innenraum der Klosterkirche © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Im ausgewogen proportionierten und nur sparsam mit Bauplastik ausgestatteten Innenraum wird der Ostteil durch vorgelegte Halbsäulen an den Eckpfeilern der Vierung und durch hohe rundbogige Fenster in der Hauptapsis betont. Im Chorbereich konzentrieren sich wichtige Ausstattungsstücke, so die steinerne Altarmensa aus der Erbauungszeit mit einem Altarretabel aus dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts und ein Kruzifixus aus der Zeit um 1240. Darüber hinaus verweist ein 2003/04 in der südlichen Apsiswand freigelegtes Wandmalereifenster auf eine ältere romanische Architekturfassung im Altarbereich. Der kleine und bislang wenig beachtete Ausschnitt befindet sich unterhalb der Fensterzone.

Abb. 3: Ausschnitt der Wandmalerei unterhalb der Fensterzone © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt

Auf einem sorgsam geglätteten Putz ist zuoberst ein reich verziertes Palmettenornamentband vor schwarzem Hintergrund wiedergegeben. Die hellen Blätter sind mit blauen, grünen, braunen und ockerfarbenen Schattierungen in unterschiedlicher Intensität gestaltet. Unterhalb verläuft ein schmales Inschriftenband in einer nur sehr fragmentarisch erhaltenen Majuskelinschrift. Vor einem zweizonigen Hintergrundstreifen sind im untersten Bereich des Bildausschnittes zuseiten einer bisher noch nicht entschlüsselten Form zwei männliche Köpfe zu erkennen, die entgegengesetzt im Halbprofil ausgerichtet sind. Die ältere bärtige Figur ist besser erhalten und zeigt eine sehr feine und differenzierte Zeichnung des Gesichtes.

Der insgesamt stark reduzierte Malschichtaufbau lässt eine hohe künstlerische Qualität in der Zeichnung und Anlage der Farben erkennen. So wurde innerhalb des Frieses das partiell sehr gut erhaltene leuchtende Blau in verschiedenen und abgestuften Auftragsstärken lasierend oder als deckende, kristallin wirkende matte Schicht angelegt und um feine Blattäderchen in schwarz oder dunkelblau ergänzt. Auf das Können eines versierten Malers verweisen auch die zwischen verschiedenen Strichstärken variierenden dunklen Binnenzeichnungen und die Konturierungen am Kopf des bärtigen Mannes. In der Arendseer Klosterkirche sind weiterhin Zeugnisse einer wohl jüngeren Raumfassung aus dem 15. und 16. Jahrhundert befundet worden, die allerdings zu Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend rekonstruiert wurde.

 

Text: Elisabeth Rüber-Schütte
Foto: Gunar Preuß